Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 18.1900

Seite: 94
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hervorgeht, soll die Schwelle des Heilig-
thums nicht überschreiten. 3. Die christ-
liche Kunst hat den Beruf, das ganze
christliche Leben, nicht nur das unmittel-
bar kirchliche, zu verschönern uitb zu ver-
edeln. Sie darf deshalb die Lehren,
Sittengesetze, Geschichte des Christenthums
niemals verleugnen. Alle ihre Schöpfungen
nrüssen vielmehr vorn Geiste desselben
durchdrungen sein, so daß in ihnen weder
das übernatürliche Element verkannt noch
irgend eine übernatürliche Thatsache er-
niedrigt oder profanirt wird. 4. Der
christlichen Kunst widersprechen mit meisten
alle Versuche, dein Materialismus und
der Sinnenlust die Darstellungen dienstbar
zu machen. Sie stempeln jede Kunst,
auch die rein weltliche, zur Verführerin;
die Urheber jener Gebilde zu den schlimmsten
Feinden der Gewissen und der gesellschaft-
lichen Ordnung.

Es folgten die Anträge der Herren
Busch-München, Prof. Dr. Meister-Münster
und Pros. Dr. Kampers-München, welche,
warm befürwortet von beiden Vorsitzenden,
gleichfalls unter geringfügigen Abände-
rungen die einmüthige Billigung fanden
unb in folgender Fassung der General-
versamntlung zur Genehmigung vorgelegt
werden sollten:

Förderung christlicher Kn n st
und Künstler. Die 47. Generalver-
fanunlung hält es für dringend noth-
wendig, daß die Wahrheit des christlichen
Glaubens, die Thatsachen der christlichen
Geschichte und die Grundsätze des christ-
lichen Lebens nicht nur für kirchliche,
sondern auch für häusliche und öffentliche
Zwecke viel utehr als bisher in selbstständig
künstlerischer und religiöser Empfindung
zur Darstellung gebracht werden. Sie
empfiehlt aufs wärmste die direkte Zu-
wendung von Aufträgen an tüchtige und
glnubenstreue Künstler.

Deutsche Gesellschaft für christ-
liche Kunst. Die 47. Generalversamm-
lung der Katholiken Deutschlands eutpfiehlt
die auf Gruud der Resolution der 39.
Generalversanrmlung gebildete^ Deutsche
Gesellschaft für christliche Kunst, welche
sich bestrebt, einerseits künstlerisches Schaffen
in den Dienst der christlichen Grundsätze
zu stellen, und anderseits letztere auf dein
Gebiete der künstlerischen Thätigkeit zur

Anwendung und Geltung zu bringeu und
bittet demgenräß, besonders durch Beitritt
die Bestrebungen derselben zu unterstützen
und zu fördern, damit wahre christliche
Kunst immer mehr zu hoher und reicher
Blüthe und Entwickelung gelange.

Albrecht Dürerverein in Mün-
chen. Die Generalversammlung begrüßt
es mit Freude, daß seit 16 Jahren an
der Akademie der bildenden Künste zu
München unter dein Rainen Albrecht
Dürerverein eine Vereinigung von katholi-
schen Kunststudirenden besteht mit dein
erfolgreichen Bestreben, christliche Kunst
unter den Studirenden der Akademie zu
pflegen. Sie ermuntert ben Verein zum
Ausharren in feinen edlen Bestrebungen
und empfiehlt in allseitiger Unterstützung,
besonders durch Zuführung ooit Mit-
gliedern.

Empfehlung de r ch r i st l i ch e tt
Kitnst dnrch die katholischePresse.
Die 47. Generalversaminlung anerkenitt
mit Dank, daß eine Reihe katholischer
Organe warnt für die Förderung wahrer
christlicher Kunst eingetreten ist, und spricht
den Wunsch aus, daß auch fernerhin das
Interesse an der selbstständig schaffenden
christlichen Kunst geiveckt und gepflegt
werde, einerseits voit den Tageszeitungen,
iitdent sie fortlaufend Mitteilungen bringen
über die Neuschöpfungen auf diesent Ge-
biete, und anderseits oon den illustrirten
Zeitschriften, indent sie originale künstlerische
Reproduktionen bieten, welche geeignet
sind, einen Einblick in die schöpferische
Thätigkeit der christlichen Kunst unserer
Zeit zu gewähren.

Dem Antrag bezüglich Albrecht Dürer-
vereiit war fotgenbe Begründung beigefügt:
„Der Verein ist in Parallele zu ziehen

mit den katholischen Studeittenkorporatiouen

an den Universitäten. Mitglieder können
nur Katholikeit werden. Protestanten
werden als Hospitanten aufgenontnten.
Männer oon so leuchtenden Namen wie
Freiherr v. Heerentamt und Freiherr oon
Hertling gehören dem Verein als Chren-
ntitglieder an. Der Verein be>teht seit
16 Jahren und sttcht seinen Zweck zit er-
reichen durch Veranstaltung von Compouir-
abenden, die, von zwei Akademieprofessoren
geleitet, alle 14 Tage stattfindeu, und
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