Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 16
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Niederalfingen", gibt ein herrliches Architeltur-
11 nb Landschaftsbild, dem sich die zahlreichen und
schönen Aufnahmen von der Stiftskirche Ell-
wangen und ihrer inneren Einrichtungen an-
schließen. Von besonderem Interesse und prak-
tischem Werthe ist das kolorirte Blatt „Bretter-
decke und Chorgestühl in der Filialkirche zu
Großaltdorf am Kocher". Diese Fortsetzung des
großartig angelegten vaterländischen Werkes reiht
sich würdig dein bisher Erschienenen an. II.

Die Mndvniia. Das Bild der hl. Maria
in seiner knnstgeschichtlicheir Entwickelung
bis zmn Ansgang der Renaissance in Ita- j
lien. Rach dem italienischen Werke von !
Adolf Ventnri bearbeitet von Theo-
dor Schreiber. Mit <i Tafeln in!
Heliogravüre und 561 Textabbildungen.
Preis in Pergament gelnmden Al. 66, in !
Scytogenband M. 60. Verlag von I. I.
Weber in Leipzig.

Dieses vorliegende Werk mit seinen 637 fast
durchweg g u t e n A b b i l d u n g e u, die auf Grund
photographischer Ausnahmen in autotvpischen Rach-
bildungen in den Text eingedruckt sind, gibt ein
großes Stück Kunstgeschichte oder vielmehr eine
Art, wenn auch nicht vollkommen, Ikonographie
der hl. Jungfrau. Die ersten 90 Seiten, „das
heilige Bild", geben die kunstgeschichtliche Ent-
wickelung des Madonnenbildes allein unb zwar
von der altchristlichen Zeit an bis zum Schlüsse
der Hochrenaissance, aber nur auf dem Boden
Italiens. Von den bildlichen Scenen, bei denen
die hl. Jungfrau in vorzüglicher Weise betheiligt
ist, iverden in gleichem Umfange und mit der- :
selben Einschränkung auf Italien dargestellt: Ge-
burt, Darstellung im Tempel, Vermählung, Verkün-
digung, Heimsuchung, die „Kümmerniß Joseph's",
Krippe, Anbetung der drei Könige, Peinigung, !
Flucht nach Aegypten, Jesus unter den Schrstt-
gelehrten, Passion, Krenzabnahme, Himmelfahrt
Christi, Herabkunst des hl. Geistes und Himmel-
fahrt Marien's. Der Text Venturi's zeigt überall
eine große Kenntniß der öffentlichen Museen, der
Privatsammlungen und der Kirchenschätze sowie !
auch eine weite Beherrschung der literarischen j
Duellen, und doch soll das Werk nicht allein für
den kleinen Kreis der Fachgelehrten, sondern auch
für ein größeres kunstliebendes Publikum be-
stimmt sein. Doch wird letzteres, namentlich so
iveit es deutsche Leser sein werden, in einem !
solchen illustrirten Werke über die Gottesmutter
ungern den diesbezüglichen deutschen Bilderschatz
vermissen. Allein schon die Durchsicht dieser 537
trefflichen Abbildungen bietet eine überaus werth-
volle Belehrung und hohen Genuß. tt>.

Michelangelo. Beiträge ztir Erklärung
der Werke und des Menschen von Carl
Justi. Mit 4 Abbildungen. Leipzig. j
Breitkopf u. Härtel. 1900. 160 Seiten. !

Preis geh. "Dt. 12.

Wie der Titel des Buches sagt, will der Ver-
fasser keine eigentliche und vollständige Biographie !
des Meisters geben, sondern nur dessen größte
und wichtigsten Werke besprechen. Die erste ;

Hälfte des Buches „Das Gewölbe der Sirtini'schen
Kapelle" behandelt die Deckenmalereien dieses
mäßig großen Saales ohne allen architektonischen
schmuck, aus dessen Raum Michelangelo ein Heilig-
thum der Kunst geschaffen hat. Nach einer all-
gemeinen Einleitung behandelt das erste Kapitel
die „Schöpfung der Urgeschichte", das zweite die
Propheten und Sibyllen. Im dritten Kapitel
wird der „Versuch einer Deutung der einzelnen
Figuren" gemacht, und eine nicht uninteressante
ikonographische Abhandlung der Propheten ge-
geben. Zuletzt kommen die Zierfiguren, die das
Ganze begleiten, an die Reihe. Ob hier ivie auch
anderwärts nicht manche geivagte Deutungen
und Erklärungen gemacht werden, soll nicht näher
untersucht werden. Die zweite Hälfte des Werkes
behandelt hauptsächlich die Geschichte des Denk-
mals Julius 11., „vielleicht die längste, wenigstens
als psychologischen Vorgang betrachtet, jedenfalls
die unglücklichste, von der die Annalen bild-
hauerischer Unternehmungen berichten". Diese
„Tragödie des Grabmals" erfüllt die breite Mitte
von des Meisters langem Leben, vom Schluß der
Jugendjahre, dem Punkte seiner künstlerischen
Reife, bis zum Greisenalter. In vier Kapiteln
werden hier eingehend „Der Urplan und sein
Schissbruch" unter Julius II., „Der Konflikt"
unter Leo X., „Prozeß und Kompromiß" unter
Hadrian VI. und Clemens Vlk. und „Vollendung
und Aufrichtung" unter Paul III. behandelt. Ein
Anhang endlich, „Bildnerische Gepflogenheiten",
giebt die Erweiterung eines Vortrages, den der
Verfasser 1892 in Bonn gehalten hat, und der
unter anderem „Michelangelos Grundsätze", sein
„Verhältnis; zur Antike", seine „Rückkehr zur
Malerei" u. s. w. behandelt.

INitlheiluiiHeii.

Eine Postkarte von Lenbach. Ein be-
deutsames Ereigniß für alle Liebhaber der ächten
Künstlerpostkarte! Meister Lenbach hat eines
seiner intimsten und reizvollsten Gemälde, die er
im Jahre I960 geschaffen, auf einer Postkarte
wiedergeben lassen. Damit hat der Künstler nicht
blos dem Sammler, sondern dem großen Kreis
seiner Verehrer eine wirkliche Freude bereitet,
denn in dem Bilde, das in sprechender Aehnlich-
keit den Prinzregenten Luitpold darstellt, ist die
ganz unvergleichlich feine Art des Lenbach'schen
Kolorits und seiner Pinselführung unverkennbar
wiedergegeben. Die Reproduktion ist in allen
zartesten Farbennuancen ganz vorzüglich gelungen.
Ohne Zweifel wird das feine Kunstblatt rasch
den ersten Platz in ben Albums unserer Damen
finden, da der Preis diesmal von der Inter-
nationalen Ansichtskarten-Gesellschaft in Berlin
nicht hoch bemessen wurde. Die Meisterkarte ill
durch alle Buchhandlungen zu beziehen.

(„Antiquit.-Ztg.")

Das kleinste Blich der Welt ivird im
Antiquariatskatalog von Breslauer u. Meyer in
Berlin angezeigt: es ist ein 14:10 mm großes
Büchlein, Galileo a iV! adame Christina di Lorena
1615. Ein Porträt Galileis ziert ben Druck von
1897.

. „Dciitf4'c*j SoKS&Intt".

Stuttgart, LuchdnÄerei her Akt.-Ges,
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