Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 19
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demjenigen seines Instituts verknüpft, daß
ganz mit Recht die Geschichte des Hauses
als die Geschichte seines Direktors be-
zeichnet werden kann, eine Geschichte,
deren große Marksteine wir in nachstehen-
dem verzeichnen wollen, einfach und wahr,
wie ein schlichter, alter Chronist.

Als Dr. Jele in die Anstalt eintrat,
da fand er auf den Reißbrettern und ans
bcu Stasseleien der Zeichner und Glas-
maler, wie ans den Tischen der Glas-
schneider und Verbleier Fenster im
Werden für Dt. Antonio in Padna, für
die Pfarrkirche in Bocholt in Westfalen,
für das Presbyterium der Pfarrkirche in
Bozen und beit Dom in Prag.

Cs war die Zeit, in der der archa-
istische Stil Johannes Klein's allmächtig
war und besonders in Norddentschland j
allein die Herrschaft behauptete. Und Klein
hat dem Herrn Dr. Jele mehrmals deut-
lich erklärt, daß keine Anstalt so sehr in
seinem Sinne arbeiten könne, als die von
ihm Dr. Jele •— geleitete. So konnte
der junge Direktor von einer Reise nach
Norddentschland gleich bedeutende Auf-
träge als Telgte im Münsterlande und
für den Dom in Münster mitbringen und
anderweits kamen große Bestellungen für
die Botivkirche und den Stephansdom in
Wien, die Wappenfenster für das ger-
manische Rationalmnseum in Nürnberg,
für Santa Maria del'Anima in Rom,
sürJerusalem, Konstantinopel,d i eM a r i e n -
k i r ch e inS tn tt g art. Während häufiger
Reisen wurden alte Glasgemälde stndirt
und vielfache Restanrationsarbeiten —
die größte war wohl diejenige der allen
Heiligenkrenzer-Fenster - und genaue 1
Nachbildungen solcher vorgenommen: für
ONeister wie Gesellen eine ebenso schwierige
als unterrichtende und bildende Leistung.

(Schluß folgt.)

lSchlußsteinfragen.

Bon Pfarrer Reiter in Bollmaringen.

Seit längerer Zeit mit den Kirchen-
patronen Württembergs und Hohenzollerns
beschäftigt, sah ich mich öfters veranlaßt,
das Buch: „Württembergs kirchliche Knnft-
alterthümer" von unserem hochwürdigsten
Bischof Dr. v. Keppler zur Hand zu neh-
men und Schlnßsteinstndien zu machen, j

Und je öfter und je mehr ich das tlml,
um so mehr wollte es mir Vorkommen,
daß es sich bei den Gewölbeschlußsteinen
oder „Gewölberosen" um kostbare Steine
handle, und daß ans diesem Gebiet noch
ein Stück Kleinarbeit zu vollbringen sei.

Im folgenden möchte ich es nun ver-
suchen, die Leser des „Archivs" mit einigen
Schlnßsteinproblemen bekannt zu machen:
ich will dabei in der Weise verfahren,
daß ich die mir nächstgelegenen Orte
zu Ausgangspunkten für meine Abhand-
lung wähle.

(W gibt einzelne Oberämter, katholische
sowohl als evangelische, ans welchen, wie
es scheint, keine Schlußsteine ans alter
Zeit zu verzeichnen sind. Anders verhält
es sich mit dem Oberamtsbezirk Horb.

In ihm befinden sich einige Kirchen mit
schönen Gewölberosen und neben ihnen
auch noch einige Schlußsteine ans bereits
abgebrochenen Kirchen. In ersterer Hin-
sicht nennen wir die Kirchen von Cntingen
und Weitingen. Die Pfarrkirche zu Cn- *
ting e n wurde im Jahre l494 erbaut;
ihr Chor ist sehr freundlich und zeigt an
seinem Netzgewölbe — vom Hochaltar an
gerechnet — 4 Schlußsteine und ans ihnen:
Madonna mit Jesuskind, Stephanus,
Katharina, ein Wappen. An dem Stern-
gewölbe des ans dem Jahre 1504 stam-
menden Chores der Kirche zu W e i t i n g e n x
erblicken wir ans den Schlußsteinen: Ma-
donna mit Jesuskind, Martin, Sebastian,
Wappen. Die Schlußsteine der alten, nun-
mehr abgetragenen Kirche zu S a l zst e t t e n
enthielten die Bildnisse von Maria, Agatha
nndJohannes, während in Bo l l m ar i n ge n
ans den noch erhaltenen Steinen der circa
1490 erbauten und seit 6 Decennien
abgebrochenen alten Kirche angebracht sind:
Maria mit Jesuskind, S. Georg, Seba-
stian und Fabian, Freiherrlich v. Gült-
ling'sches Wappen. Hiernach tragen oder
trugen in allen 4 Kirchen die zunächst beim
Hochaltar befindlichen Steine das Bild
Mariens; an zweiter Stelle kommen die
Patrone (Stephanus, Martinns, Agatha,
Georg): an dritter Stelle erscheinen Hei-
lige, welche zu den betreffenden Kirchen
in besonderen Beziehungen stehen (Eutingen
— ehemalige Katharinenkaplnnei; Wei-
tingen — Sebastianskaplanei: Salzstetten

- Vollmaringen — Sebastiansknplanei
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