Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 21
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dessen, was wir eben ausführten, wohl
berechtigt, zu sagen, daß Maria in der
angegebenen Weise vielfach als Mitpatro-
nin angesehen wurde und deshalb auch
als Geivölberose das Gewölbe sieren sollte.

Es legt sich aber ein weiterer Schlich nahe.

Wenn die meisten Kirchen auch ju
Ehren Maria's gebant ltitb geweiht wur-
den, dann konnte mau sie vielfach als
Dtnrienkirchen betrachten, mtb es erhebt
lieh die Frage, ob diese Möglichkeit nicht
da niib dort Wirklichkeit geworden sei,
liub ob nicht mithin bisweilen eine Re-
vision des Kirchenpatronats als angezeigt
erscheine. — Endlich haben wir noch be-
sonders hinzniveisen ans den Umstand,
daß in den fraglichen Urkunden vor Maria
die heilige Dreifaltigkeit, imb der Erlöser
genannt werden. Hieraus möchte mau
gerne die Folgerung ziehen, daß aus den
Schlußsteinen auch Sinnbilder der hei-
ligen Dreifaltigkeit 1111b Bilder des Er-
lösers gesunden werden müssen und zwar
vor bem Bilde Niarias. Was nun die
heilige Dreifaltigkeit anlangt, so sind mir
Kirchen, in welchen Zuerst die heilige Drei-
faltigkeit — beziehungsweise ein Symbol
von ihr — dann Maria und bann der
Kirchenpatron auf den Schlußsteinen des
Ehores 31t sehen wären, nicht bekannt.
(Ob der noch erhaltene Schlußstein der
alten Nagolder Kirche, welcher 3 Männer
in eigenthüntlicher Verschlingung darstellen
soll, hieher gehöre, kann ich nicht ent-
scheiden.) Anders verhält sich die Sache
mit den Bildern unseres göttlichen Hei-
landes. Diese eröffnen bisweilen den
Neigen der Bilder anl Chorgewölbe, so
daß in diesem Fall der Kirchenpatron an '
dritter Stelle erscheint. Ein schönes Bei-
spiel hiesür bietet uns die Atnanduskirche in
Urach, wo die Schlußsteine zur Anschauung
bringen: Jesus im Elend — Erbärmdebild
(Paulus spricht von einem Ecce homo),
Biadonua, Amandus, Petrus, Andreas.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Ilircheuausstattung aus dem
()ahre t66st.

Von F. X. M ap e r in Ludwrgsburg.

(Fortsetzung.)

A n t i p e n d i a G r ü n e r F a r b.

Ein grün Attlassen A. oben in der Zwerge mit
roth Saininet vnd darin gestückhten güldenen

l Blumen mit H Dombprobst Zue Würtzburg,
faustens von Stromberg Wapen.

Zwei) grüne A. von Eadis mit himmelblaiv
vnd roth wüllenen vermischte fransen vnd Spitzen.

Eines; noch mit dergleichen fransen sambt Creutz
auch von Cadis.

A n t i p e n d i a B la w er Fa rb.

Ein blaw atllasen A. oben in der Zwergs
mit roth Sammet vnd darin gestückhte güldene
Blumen mit Herrn Domprobstes zu Würtzburg
Fausten v. Stromberg Wapen.

Ein blaw doppeldaffeteß A. mit iveissen Blu-
men von getruckhter Arbeit.

Zwey himmelblawe von Cadiß, daruff wülleue
grüne vnd gelbe fransen vnd borten zu Creutzen.

A n t i p e n (1 i a vor d atz Sacrarium.

Ein roth in Zwei) Theil getheilteß Anii-
penclium (Vorhänge» mit falsch Silbernen Spitzen
autzgemacht.

Eiir zweytheiligeß weiß leineß mit roth vnd
grünen Blumen gewürckhtes A. (Vorhänge).

Ein Neiv Zweptheyligeß b l a w e s antipenäiani
«(Vorhäng) mit falsch güldenen Spitzen.

Ein iveis; damasteneß mit guten güldenen
Spitzen autzgemacht.

Ein grün daffetetz A. (Vorhäng) mit roth
wüllenen Spitzen autzgemacht.

Diese Zahl der Antependien in den einzelneil
Farben zeigt deir Reichthum jener Zeit an Be-
kleidungsstücken für deil Altar und zugleich die
Ariilnth unserer Zeit, >vo vielfach feine Ante-
pendien oder nur je eines in einer Farbe vor-
handen ist. Die Antepeildien wurden unter dein
Ailkleidetijch der Sakristei aufbewahrt, wo sie
aufrecht stehend in kleinen Zwischenräumen neben-
einander eingeschoben werden konnten. Die Vor-
richtung ist noch vorhanden, aber ohne Antependien.

K e l ch t ü ch I e i n, C o r p o r a 1 i a, P u r i f i c a t o r i a,

Pallen, vela uild zur Mo ilstr a nze il
gehörige Sache »l.

K e l ch t ü chlei n Rothe r F a r b (Kelchvela).

Ein roth daffetetz mit güldeneir Spitzen nutz-
gemacht mit gold genehet.

Zwei roth damastene mit roth vnd weisseil
Fransen ausgemachte Kelchtüchle.

Eiil roth geblünibt Attlnsen Kelchtüchle mit
güldenen Spitzeil.

Eiil Kelchtüchle voll weißem flohre, so mit
Carmesinrother Seiden über vnd über autzge-
nähet ist.

Ein roth daffetetz mit iveissen Blumen autz-
gemacht.

Ein roth Seydenetz mit gelben stroinmen buvcl)
Arbeith.

Ein roth doppeltaffeteß Kelchtüchle Earmesiil-
rother Färb mit iveissen sternlen.

K e l ch t ü ch l e >l B l a iv e r F a r b.

Vier blaiv doppeltaffete Kelchtüchle, deren drei)
mit blawen vnd eins; mit rotheil Spitzen autz-
gemacht ist.

Vier daffete Kelchtüchle.

^.K e l ch t ü ch l e Gelber F a r b.

Ein gelb daffetetz Kelchtüchle mit blaiven
Spitzen.
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