Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

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iljitm Badeil" (Baud I, Heft 6, S. 464/65)
folgende Gedanken aus: „Was das Veroni-
kabild auf der Predella 311 bedeuten habe,
ersieht mau aus dein Vademecum mis-
sale itinerantium seu tnissae peculiares
valde devotae, Nürnberg 1507, und ails
der Erklärung der heiligen Meßzeremouieu
von 1647, Mainz. Ill dem zuerst ge-
uaimteu Buche ist am Rand ein Holz-
fchuitt, das Verouikatuch darstellend, an-
gebracht, ltnb zwar bei der Stelle Do-
mine Jesu Christe fili Dei, welche in-
fra actionem im Gebete Communican-
tes (!) vorkommt. Bei der Erklärung der
Meßzeremouieil voll 1647 wird gesagt,
daß das Halten der beidell Hände über
bell Kelch und die Hostie bei den Worten:
,.lianc igitur“ bedeuten soll, daß Veronika
Christus das Schweißtuch gereicht habe."

- Was hier von deul Veronikabild auf
der Predella der Altäre gesagt ist, darf
wohl auch auf die fraglicheil Schlußstein-
bilder übertragen werden. Wir möchten
aber lioch einen Schritt weiter gehen.
Wenn sich die Sitte ausgebildet hat,
nicht blos auf der Predella, sondern auch
auf den Tabernakeln und an den Sa-
kramentshäuschen das Veroliikabild anzu-
bringen, so wird dasselbe nicht blos ans
den sich opfernden, sondern auch ans den
inl heiligen Sakranlente gegenwärtigen
Christus Hinweisen, uitb lnithin als ein
Sinnbilv der Gegenwart Christi ivl hei-
ligen Altarssakranlente 31t betrachten sein.
Das sollte aber nicht allein voll dem
Veroliikabild, fouberu ailch von dem Ab-
garbild gelten, welche Bilder lieben beut
Agnus Dei sich einer sehr großell Be-
liebtheit erfreuten. Es können ans beit
Kirchen des Königreichs Wtirttemberg über
50 Abbildungen des volto Santo notirt
werden. (In Rieden, OA. Hall, findet
mau das Schweißtuch Christi zweintal.)
— Ist aber die Allltahnle richtig, daß
das heilige Alltlitz Christi ans beit Ge-
wölberosen vielfach die Gegenwart Christi
int heiligen Sakrament verkündige (auch
das Jesuskind aus den Arnlen der Ma-
donnn ill denl erstell Schlußstein?), dann
darf man wohl behaupten, daß beit Ab-
bildungen des heiligen Antlitzes überhaupt
öfters die Bedeutung des „ewigen Lichtes"
zukommt. Bezüglich des letzteren selbst
muß benlerkt werden, daß der Brauch, >

vor beut Sanklissilnnm ein Licht zu brellnen,
seine eigene Geschichte hat und sich nur
allmählich ill den katholischen Kirchen ein-
bürgerte. (Ewiglichtstiftnngen, Bestinl-
mllilgen verschiedener Spnoden, Einfluß
der im Jahre 1539 gegrülldeleil Erz-
brnderschast Corporis Christi.) Erst int
Jahre 1699 wurde durch eine Verordnung
der Ritenkongregation vom 12. August die
Einführung des ewigeil Lichtes allgemein
vorgeschrieben.

Das Nebeneinander von Agnus
Del und Christuskopf (Bietigheim, Gingen
a. F., Ehingell S. Moriz, Mauren, Nür-
tingen — Sakristei von S. Lorenz —)
kann nach dem Gesagten nicht befremden ;
sollte aber noch eine besondere Erklärung
gesucht werden, so läßt sich eine solche
wohl geben mit dem Hinweis daraus,
daß von einer gemissell Zeit an auf den
aus Wachs hergestellten und an die Gläu-
bigeil verlheilten Agnus Del nicht nur
das Bild des Lantmes, sonderll auch des
heiligen Antlitzes ansgedrückt war. Die
Thatsache endlich, daß vielfach die Schluß-
steine der Sakristeien mit dem volto
Santo geschmückt wurden, mag die Be-
deutung dieser Stätten bezeugen und ver-
rathen, daß dort 31t gewissen Zeiten auch
das Allerheiligste ansbewahrt worden ist.

(Schluß folgt.)

Sine Wirchenan-staltung aus dein
Jahre 1669.

Von F. X. Mayer in Mdmigsburg.

(Fortsetzung.)

Altar Zierad en mit andern ZN geh ö r.

Vier versilberte Jpsene bilder mit schwartz ge-
baisten Rahmen, dann

Ein hölzernes; versilbertes; Crucifix-bildt vnd
vmckher vergnldte Täfelin von Alabaster mit
schwartzen rahmen.

Ein groß Jpsenes bildt, so die gebührt Christi,
mit eint schwartzen rahmen.

Zwey Täfelein mit gebaisten (gebeiztem) Holtz
sauber eingefast, voit hohen fürsten.

Zwey von rothem Atlas; mit goldt vitd perlen
gestickhte hünbter mit reNquiis S Barbarae et
Vrsulae vff zwey roth attlasen Küssen stehendte.

Nsli^uias 8. blicolas in eilten; gläßlent.

Vierzehn palsion Täffelein, so getrtlckht vnd
übermahlet, mit rahmen.

Zwey tasten, so allerhaitdt reliquien darein
verfast.

Zwey gehetls; auf hohen fiesßen, einer Mon-
stranze gleich, darinn reliquien verfast.

Vier Apostel bilder vff Papier mit blinden
rahinen.
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