Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

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1. am cöstlich Barmhertzigkait (Pieta,
Muttergottes mit bem Leichnanl) von
Gold und Silber gemacht, mit ebtem Ge-
stain und Berlm (= Perlen) gefast, 1000
Gulden wert.

2. aiu gantz guldiu Crutzlin in aiuem
silbriu, vergulten Fuszlin mit edlem Ge-
stniu.

3. die Verkündung unser lieben Frauen
in aiuem Tabernackel von lutrem Gold
gemacht.

4. ain gantz guldin Täfelin, darin ge-
fchmeltz die Verkündung unser lieben Frauen.

5. aiuen cöstlichen Tabernackel von
Silber, ubergult, mit ainem silbrin Marter-
bild, an das Hailtum (— Reliquie) Saut
Jauuarii gebunden, von Dobleteu (— Kry-
stallschaleu. Siehe Schmeller, bayer.
Wörterbuch I, 388) gefast, by 100 Gul-
den wert.

6. Cant Endres ( — Andreas) bild,
von Silber gemacht und ubergult, mit
Dobleteu (— Krystallschalen) gefast.

7. zway cöstliche silbrin Crutz ganz ver-
galt.

6. dry silbrin Monstrantz und vergalt.

9. vier Becher von Cristnll.

10. ain barillin Kentlin (Becher oder
Kännchen von Beryll, bem Smaragd der
Alten) beschlagen! uitb ilff denn Lidlin
(— Deckel) aiu Saffir.

11. silbrin Tafel und vergalt.

12. zway vergultiu silberin Lüdlin.

13. zway barillin Kentlin, mit Silber
beschlagen und vergalt für den Altar.

14. zway kleine barillin Kentlin be-
schlagen.

15. dry Höpter der 11000 Mägt.

16. zway silbrin Pulpet (— Pulte).

17. zwai silbrin Kertzstal (— Leuchter)
und 2 hübsche Kerzen darauf.

18. ain hübschen Engel von Holtz und
ubergult, mit ainer silbrin Tafel ^uber-
gult. st

Auch das Kloster Hirsau wurde von
Mechtild reich mit kirchlichen Ornaten be-
schenkt. Trithemius :neldet in seinem
1601 in Frankfurt erschienenen Werke:

0 Das von mir früher im Jahrgang 1896
. Ier Zeitschrift, S. 7, abgedruckte Verzeichnis;
bte|ec Kleinodien enthielt mehrfache Jrrthümer
rm Text und Namenserklärung, was hiermit be-
richtigt wird.

chronica insignia duo 2, S. 512 von Mech-
tild : sacerdotale quoque aurifrigiuni

valde pretiosum, hoc est, cappam cho-
ralem, casulam sive planetam cum
duabus dalmaticis, totidem stolis et
tribus manipulis ex chlamide Ladislai
regis quondam Bohemiae st factam,
ecclesiae Hirsaugiensi pia donatione
largita est. Mitram pontificalem, qua
Hirsaugianus utitur abbas, monasterio
duplicem dedit, quarum altera et pre-
tiosis lapidibus auroque intexta est
rubea et altera unionibus decorata est
alba. Trithemius nennt in diesem
Werke 2, 358 Mechtildis devota mulier
in Deurn et sancta, in pauperesque
piissima und 2, 513: haec vidua huic
monasterio Hirsaugiensi fuit ut mater
et multa illi bona fecit. Hierzil bemerkt
K. Klaiber, das Kloster Hirsau, Tü-
bingen 1886, S. 39: die Mutter Eber-
hards des Aeltern hat im Jahre 1482
il. a. bem Abt zu Hirsau zwei Mützen
verehrt, wovon die eine roth, mit Gold
gestickt, die andere weiß mtb mit Perlen
geziert war. Auch Franz Steck, das
Kloster Hirsau, Calw 1844, sagt: Mech-
thild — vermachte dem Kloster — eine
kostbare Chorkappe, viele Meßgewänder
und zwei Mützen für den Abt, wovon
die eine roth, mit Gold gestickt und mit
Edelsteinen besetzt, die andere weiß und
mit Perlen geziert war.

An der Grenze profaner und kirchlicher
Kunst steht ein anderes Kunstwerk, welches
Mechtild seine Entstehung dankt. Einstim-
mig berichten Christoph Lutz von Lutzenhardt,
Chronik der Herrschaft Hohenberg, Stadt
Rottenburg 1608, Bd. 4 (königl. geh.
Haus- imb Staatsarchiv in Stuttgart,
Handschrift 111). vr. Weitenauer, über
traditionum St. Mauritii bis 1676, S. 139
(Pfarrarchiv zu Rottenburg), sowie Gärt,
die Grafschaft Hohenberg I (1779), 10
(königl. öffentl. Bibliothek in Stuttgart,
histor. Handschriften Folio 638): sie (Mech-
tild) hat auch 1470 den schönen Brunnen,
der bey St. Martinskirche uf dein Markt
stehet, machen lassen. Es ist dieser Brunnen
„ein Originalbauwerk, das sich an die

') König Ladislaus von Böhmen, Erzherzog
von Oesterreich, starb 23. Nov. 1457. Seine
Besitzungen sielen zum Theil an seinen Vetter,
Erzherzog Albrecht VI., Mechtilds zweiten Gatten.
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