Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

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prachtvollsten des Mittelalters anreihen
darf". Er ist durch schlanke Streben ltitb
Fialen und Baldachine mit lebensvollem
Rankenwerk reich gegliedert. Ans drei-
seitigem Grundriß, den: das Sechseck des
Mittelbaus sich einfiigt, steigt im gothi-
schen Style der Brunnen aus, um in zier-
licher, dreiseitiger Spitze mit schöner Kreuz-
blume zu schließen. Am Fuß steht ein
Fürst in: reichen, blangoldenen Mantel
(dieser kann nicht Kaiser Friedrich III.
sein, dessen Helmdeckensarbe Hermelin gold
waren, sondern weil Gold und Blau die
Farben des Hanfes Nassau waren, Graf
Joham: II. von N a s s a u - S a a r b r ü ck e n,
der 1170, also in: Jahre der Errichtung
dieses Brntinen, Elisabeth, Mechtilds
Tücher heirathete), ein weiterer Fürst, ein
Kurfürst, nemlich Pfalzgraf Ludwig, Mech-
tilds Vater, mit Wappenschild und gelber
Fahne (goldschwarz sind die Pfälzer Farben)
und ein dritter Fürst in einfacher Nitter-
rüstnng mit Lanze, Erzherzog Albrecht VI.,
Mechtilds Gemahl. Alle drei Standbilder
sind lebensgroß und bemalt, lieber den-
selben steht die Mnttergottes als Hiu:-
nielskönigin. St. Martin mit den: Bettler
und St. Georg, oben Christus als ecce
homo und Maria als mater dolorosa.

Der Brunnen ist offenbar ein Geschenk
Mechtilds an die Stadt Rottenbnrg an-
läßlich der 28. Aug. oder 30. Okt. 1170
erfolgten Vermählung ihrer Tochter mit
Graf Johann II. von Nassau-Saar-
brücken. Sicher sind hiermit Mechtilds
Verdienste un: die kirchliche Kunst nicht
erschöpft. Gar viele durch sie ins Leben
gerufene Werke derselben sind in: Lauf
der Zeit untergegangen und nicht auf die
Gegenwart gekommen. Jnnnerhin sichert
das noch Vorhandene dieser Ahnfrau des
königlichen Hauses Württemberg ch einen

0 Dieses war Mechtild. Zwar starben ihre Löhne,
Graf Ludwig II. (f 3. Rov. 1457 zu Urach), und
Herzog Eberhard I. (f 24. Febr. 1496 zu Tü-
bingen) ohne eheliche Nachkommen. Allein Mech-
tilds Tochter, Mechtild (ch 1495) heirathete Land-
graf Ludwig 11. von Hessen (P 1471) und war
durch ihren Sohn, Landgraf Wilhelm 11. (ch 1500),
und Enkel, Landgraf Philipp (ch 1567), Urgroß-
mutter der Landgräsin Barbara (P 1597), der
Gattin des Grasen Georg von Württemberg-
Mömpelgard (f 1558) und Mutter des Herzogs
Friedrich von Württemberg (ch 1608), von welchem
das gesammte lebende königliche Haus Württem-
berg in direkter Linie abstammt.

brtitentben Platz i>: der Geschichte der christ-
lichen Kunst.

Sine Airchenausstattung aus dem
Jahre (669.

Von F. R. M ayer in Ludwigsburg.

(Schluß.)

Ein roth daffeteß Mäntelein vors Mariae bildt
mit güldenen Spitzen.

Ein blaw dasfeter mantel mit große,: falschen
Spitzen.

Ein Vorschurtz von grünem dasfet vor Mariae
bildt.

Ein roth dasfeter rockh mit falschen Spitzen,
so von der andern seithen auch zu gebrauchen,
mit einem roth damastenen vnd zwey ivaisen röckh-
lein vors Kindtlein!

Ein roth abgeschossener rockh von geblümbter
Seichen, sambt einem kleinen mit güldenen schnüren
oder Spitzen.

Ein violblawes Nöckhlein vorß Kindtlein mit
güldenen Spitzen.

Ein gelb vnd gelb geblümbter wüllener Rockh.

Ein kleineß röckhlein von vnderschidlichen färben
mit blaw seidenen Spitzen.

Zwei) braune dasfete vela zu den Mariae Bildern.

Zwei) leinene Vorschürtz zu ben Mariae Bil-
den:, deren einer roth außgeiiehet, beide mit
Spitzeir viid Modeln.

Noch vnderschidliche Kleiiie leinene Tüechlein,
dan etliche weisß seidene slöhr.

Neün leinene schlayer vor die Mariae bilder
guet viid schlecht vnder einander.

(Sin roth dasfeter Rockh neben einem Kleinen
mit falschen Spitzen.

Ein blaiv dasfetes Mäntelein mit falsch güldenen
Spitzen.

Ein gelbeß velum, soweiß außgenähet.

Eiir roth Attlasen Rockh, sambt dein Kleinen
vors Kindtlein mit guet güldenen Bortten.

Ein dasfetes weiß Mesßgeivandt.

Ein paar zinener Leichter vff den Altar.

Ein paar hülzener Leichter getrerelter Arbeit.

Ein eisener Leichter, so absonderlich zu ge-
brauchen.

Ein paar Blumenstöckh von schäum oder hauß-
blasen.

Zwey paar von gefärbtem Horn sambt den
stöckhen.

Ein roth daffeteß ^utipenäium.

Ein wüllener Teppich von vnderschidlichen färben,
vnderschiedliche patter vor die Mariae bilder.

(Pater, Paterlei», durchlöchertes, ungefärbtes
od. gefärbtes Glaskügelein, ivelches zu Pater-
nostern, weiblichen Halszierden verwendet wurde.)
(Schmetter ib.)

An Dekan Heinrich v. Ost ein (1675—95)
richtet der Chorvicar Joh. Georg Schipper die
Bitte, die Custorei zu bereichern und wünscht:

2 Antipendia rother färb;

2 „ iveisßer färb;

2 „ grüner färb;

2 „ blawer färb;
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