Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 41
DOI Heft: 10.11588/diglit.15906.31
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15906.32
DOI Seite: 10.11588/diglit.15906#0049
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1901/0049
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Archiv für christliche Auiist.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Rtmst.

peraiisgegebeil und redigirt von Pfarrer Dctzel in St. LInisiiua-Naveiisburg.

Verlag des Rottenburger Diazesail-^uiistvereiiis,
für denselben: der Vorstand Pfarrer Detzel in St. Lhrislina-Ravensbnrg.

Or. 6.

Erscheint mminNich einmal. Halbjährlich für M. 1.9") durch die würtlembergischen, M. 2.02
durch die bayerische» und die gieichsyostaiistalteu, fl. 1.27 iu Oesterreich, Fres. 9.-10 iu
der Schweiz zu beziehe». Bestellungen Iverdeu auch augeuounueu Vau alle» Buch-
liaudluugeu sowie gegen Ei»se>ld»ug des Betrags direkt Vau der Erveditiau des ..Deutsche»
BolksblaitS" iu Stilttgart, ltrbaustratze 94, juni Preise von Ai. 2.05 halbjährlich.

IYOI.

Die ehemalige Aeutralkirche ztt
Minlpfen im Thal.

Von Pfarrer D e tz e l.

Für den christlichen Kultus ist linter
Konstantin beut Großen in Nom die Ba-
silika als fertige tutb abgeschlossene Van-
fornt eingetreteti; sie lehnte sich an schon
bestehende, römische Banformen an und
nach heutigem Stande der Wissenschaft
wohl unzweifelhaft hauptsächlich alt die
Prachtsäle des rönüschen Hauses nitb
speziell an die Basiliken des römischett
Privatpalastes, auch boten die ältesten
christlichen Kttltstätten in tutb über beit
Katakomben Attlehnttngspttnkte. Diese
rönüschen Vanformen erhielten nur inso-
weit Berätiderungen, als dies die christ-
lichen Ideett nitb deren Bedürfnisse er-
forderten. Matt kann zwei Hanpttppen
tlltterscheidell, in betten sich der Basiliken-
stil ntisspricht: Vatttelt mit scharf aus-
gesprochener Längenri ch t tt lt g und
Rttnd- oder Zentralbatt len.

Es haben nun aber die meisten Vasi-
likett int Verlattfe der Jahrhunderte so
starke Veränderungen erfahren, daß man
nur mit Mühe nitb nach langem Studium
sich beit ursprünglichen Eindruck vergegen-
wärtigen kalin. Eine Menge dieser
Vatttelt mögen nätnlich int Saufe der
Zeit in Folge voll Erdbebett oder Feners-
brünstett eingestürzt, attbere itt Folge ihrer
Leichtigkeit zttnt Umbau auseinander ge-
ltotltmen tutb großentheils mit Venutztmg
der alten B'austücke tvieder zusatitlnettgesetzt
wordelt sein, attbere Habelt Zn- und Alt-
bauten aller Art, Kapelleit, neue Apsiden,
neue Fahnden tt. dgl. je ttach beut Stile
des Jahrhunderts erhalten. Doch fattit
matt sich die ursprüngliche Gestalt einer
reichen, vollständigen basilikalen Anlage
mit Lüngetirichtnng ntts drei Theilen oder

drei in der Längenrichtnng sich folgendett
Battkörpertt denken: der erste Bantheil ist
das Atriltm, auch Paradies genannt,
ein viereckiger Borhof mit Halten ringsum,
dessen vorderer Eiltgallg nach außen ltoch
eine besondere kleine gewölbte Halle mit
zwei vortretenden Säulen hatte (noch er-
halten alt S. Cosintato iu Trastevere
und an S. Ctemeltte, sowie alt S. Pras-
sede in Rotit). Bon deit vier Seiteit des
Portiktts bildete die eine beit Borraum
der Kirche selbst. Jit der Milte des
Vorhofes stand eilt Brunnen (Chantharus)
für die Waschungen, welche die Glänbigett
vor bent Eintritt in die Kirche vornahmelt.
Seit dem 6. Jahrhundert wurde das
Atriulit auch ztt Begräbnißstätten für ver-
diente Gemeiltdemitglieder benützt. Der
zlveite Theit ist das Schiss oder Lang-
haus, der Namn in der Form eines
Rechtecks für die vollberechtigtell Gemeiltde-
ntitglieder, der gewöhnlich durch zwei
oder vier Reihen kaltnelierter Säulen itt
drei resp. fünf Schiffe gegliedert ist. Das
Mittelschiff, viel breiter und viel höher
als die Abseiten oder Rebenschisfe, ist der
Hauptraum; er überragt die letztelt so
sehr, daß über ihren Pttltdächern. Rattut
genug für eine Fensterstellung, Oberlichter
lind dazwischen für malerischen, mtisivi-
schelt Schmuck sich filtdet. Die Seiten-
schisse wurden zuweilen doppelschisfig nnf-
gebattt und in diesem Falle wurde über
der unteren Säulenreihe eine zweite
darüber angeordnet. Diese Entporen tvnr-
den eilte feststeheltde Eigenthümlichkeit der
Zentralbauten, zutnal im Orient; int
Abendlattd kontmen sie itt den Basiliken
nur vereinzelt vor, wie in St. Agltes
außerhalb beit Mauern Roms. Weil die
schwachelt Mauern zu wenig tviderstnttds-
fähig erschienen, erhielten die einzelltett
Schiffe, wenigstens der Mittelranm, flache
loading ...