Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

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ebenso in der Augustiner-Chorherrnkirche
St. Jakob in Regensbnrg <1071 be-
gonnen), St. Sebald in Nürnberg; st da-
gegen hatte der Dom zu Eichstädt das
Qnerschiff int Osten; int Mittelzeller
Münster auf der Reichenau sind zwei
Ehöre und zwei Qnerschisfe?) ebenso iit
St. Ennnerau in Regensburg, dessen Ost-
theil aus dem 8. Jahrhundert, dessen
Westbau mit Querschiff erst ans öem
11. Jahrhundert stammt?)

In den Beginn des 10. Jahrhunderts
fällt für die selbständige Entwicklung der
nordischen Knust ein äußerst bedeutendes
Ereigniß: die Gründung Clngnys (910).
Es enlstand mit Clugny in: Herzogtum
Burgund ein großer Einfluß auf das
künstlerische Leben diesseits der Alpen,
welcher sich auch auf die Richtung der
Kirche erstreckte?) Heinrich II., Konrad II.
und Heinrich III. führten die Elnniaceuser
in Deutschland ein ititb förderten mächtig
ihre Bestrebungen.

Nach Konrad II. wurde die Benedik-
tinerkirche von Limburg an der Haardt
begönne!: und 1042 vollendet. Vorbild
!var ein Clnniacenserbau, welcher den
Chor in: Osten hatte, im Westen Eingang
mit Vorhalle?) Jünger als Limburg ist
die Abteikirche von Hersfeld (1038), deren
durch die gleiche Schule begründete Aehn-
lichkeit auffällt. Beide sind flachgedeckte
Sänleubasilikeu mit östlichem Querschiff
und Chor; dagegen mit westlicher Vor-
halle und Empore?) Unter Papst Leo IX.
vollzog sich die Gründung von Hirsau.
Die Kirchen der Hirsauer Reform in
Sachsen, Thüringen und Bayern, zeigen
in Grundriß, Durchführung und Technik
die Zugehörigkeit zu der Kongregation
der Elnniaceuser. Die beiden Kirchen in
Hirsau: St. Aurelius (1059—1071) und
St. Peter (1082—1091) sind Beispiele
für regelmäßiges östliches Querschiff mit

st Riehl, frAhmittelalt. Basiliken. S. 316
xu 320; Riehl, Kunsthist. Wanderungen. S. 163
und 154.

2) F. X. Kraus, Kunstdenkmale des Großherzog-
tums Baden. Kreis Konstanz. S. 325 ff.

st G. Hager, Mittelalterl. Bauten Regens-
burgs. München 1898. S. 14.
st Alb. Kuhn, S. 384 f. 12. Lief,
st Riehl, Zur Geschichte der frühmittel. Basi-
lika S. 329.
st S. 334.

ivestlicher Vorhalle, während die Abtei-
kirche von Maria Laach?) welche als
eine der bedeutendsten Bauten der Re-
formbewegnng (1093—1156) znsammen-
hängt mit den älteren deutschen Clnnia-
censerbanten, den Hanptchor int Osten
hatte, und im westlichen Querban das
Stiftergrab als 2. Chor.

Während iit der frühromanischen Zeit
Deutschland ilnd Burgund durch die
Elnniaceuser Beziehungen hatten, nehmen
in der Geschichte des spätromanischen Stiles
die C i st ercienser und P r ä m o nst r a-
t e n se r eine ähnliche, wenn auch nicht so
umfassende Stellung ein. Die Elnnia-
I censer geben nur Anregungen und Pläne
für Ausführung von Kirchenbauten, die
Cistercienser Bauvorschriften. Der Schwer-
punkt der Cistercienserbauten liegt ent-
schieden in dem Vermitteln zwischei: kon-
struktiven und dekorativen Prinzipien der
im nördlichen Frankreich entwickelten
j Gothik, welches auch in dem einzig-
artigeil geraden Schluß der Chöre zu
Tage tritt?) Abweichungen von der
Ostung der Kirche finden sich bei ihnen
nicht oder selten, wie die Hauptkirchen
in der Pfalz, Seebach, Eußerthal, Enken-
bach und Ottenberg, alle vier gewölbte
Pfeilerbasiliken?) mit normal entwickelte»:
östlichem Querschiff bezeugen?)

I n: 1 2. I ah r h u n d e r t vollzog sich die
schon öfters bevlerkte Richtung des Prie-
sters und Volkes nach Osten zur alleinigen
! Gewohnheit, wie Bruder Verthold vo::
Regensburg schildert: „es kehrt sich der
Priester zur Begrüßung des Volkes
imune",5) mit wenig Ausnahmen?)

Das Mittelalter erlaubt sich in der Archi-
tektur einige Abweichnnge:: nach Süd oder
Nord-Ost. Die Erklärungen von (Saumoitt7)
und Bonrasse? sind geschöpft ans den:

? S. 350.

st Dohme, Die Kirchen des Cistercienserordens
in Deutschland. 1869.

Maria Laach steht an der Spitze der ge-
mölbten Pfeilerbasiliken. B. Riehl. Zur Gcsch.
dZr frühmittel. Basilika. S. 350.

0 Riehl, Kunsthist. Wanderungen. S. 222.

? Mone, Schauspiele des Mittelalters. S. 354.
Missionspredigten des Berchtold von Regensburg,
1857. S. 512.

st Andr. Schmid, a. a. O S. 310. Anm. 11.

7) Caumont, archit. religieux 1850.

st Bourasse, les calhedrales de France.
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