Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 61
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und zwar nicht auf einem Schlußstein,
sondern ans einer Konsole. In Weitingen
schallen ans den Schlußsteinen des Chores:
Madonna, Martin, Sebastian, Johannes
der Täufer?, Petrus und das v. Speth'sche
Wappen.

Dem in Nr. 3 des „Archivs" genannten
eigenartigen Gewölbeschlußstein von Nagold
kann ein Schlußstein von Mnrrhardt zur
Seite gestellt werden, ans welchem drei
ail Händen und Füßen sich haltende
Männer abgebildet sind. (Zn S. Martin
in Colmar zeigt ein Stein zwei aneinander
geivachsene Männer, darunter ein Kreuz.)
— Es konnte bis jetzt in Württemberg
und Hohenzollern nur Eine Kirche 51t Ehren
des hl. Calirt nachgewiesen werden, näm-
lich die jetzt abgegangene Kirche 511 Weil-
heim, DA. Kirchheim. In ähnlicher Weise
wurde bis jetzt auch nur Ein Schlußstein
mit dem Bilde des hl. Calirt beobachtet.
Derselbe ziert das Gewölbe der Reliqnien-
kapelle in der Klosterkirche 511 Blanbenren,
und ist vermutlich deswegen angebracht
worden, weil sich S. Calirt ehedem um
die Katakomben, ans welchen wohl die
meisten Reliquien der Blanbenrer Kapelle
stammen mochten, besondere Verdienste er-
worben hat.

Auf einer 1575 51t Mengen gegossenen
Glocke zu Kranchenwies bei Sigmaringen
ist 51t lesen, daß dieselbe „in der Ehr
unser lieben Frawen und S. Lorentzen
gegossen worden sei". Da nun die Kirche
zu Krauchenwies dem hl. Laurentius ge-
weiht ist, so können wir konstatiren, daß
wohl auch bei den Glocken bisweilen sich
ein ähnliches Gesetz zeige, wie bei ben
Schlußsteinen, insofern auch hier Maria
vor den: betreffenden Kirchenpatron er-
wähnt wird. — Wenn es in der Horber
Oberamtsbeschreibung S. 133 heißt: „In
der Mitte des Dorfes (Baisingen) liegt
die mit dem ehemaligen Begräbnisplatze
umgebene, der hl. Anastasia geweihte
Pfarrkirche zur Jungfrau Maria,
welche 1755 erbaut wurden, so findet diese
ail sich dunkle und unverständliche Ans-
drucksweise ihre Erklärung durch die be-
rührte Thatsache, daß, wie in den Ur-
kunden von Stein und Erz, so auch in
denen voll Pergament mtb Papier Maria
gerne nlit beit andern oder vor beit andern
Kirchenheiligen genannt bezw. abgebildet

wurde. Eine sehr beachtenswertste Aus-
nahme von dieser Regel finden wir bei
der Kirche zu Remmingsheim, DA. Rotten-
bnrg. Doit ist das Bild Mariens allf dem
zweitell Schlußstein, während ans bem
erstell Katharina und alls bem dritten
Petrus herniederschallt. Es wird hiernach
die Annahlne wohl berechtigt seiil, daß
die Neininingsheilner Kirche früher bem
hl. Petrus (noch 1420), und später der
hl. Katharina geweiht war. Giebt es
auch noch andere Kirchen, bei welchen
der Patronatswechsel in ähnlicher Weise
in beit Gewölbeschlnßsteinen vernrknndet
ist?

In einem früheren Jahrgang des„D.-A.^
(1888, S. 26) sind die Schlußsteine der
Kirche zu S. Leonhard in Stuttgart anf-
geführt und zuerst genannt die figürlichen
Darstellungen von Alaria und Leonhard.
Zn S. Leonhard wird bemerkt: „Wir
koiilinen auf den Heiligen einmal des
Namens halber, da es sehr einlellchtet,
ihm die erste Stelle nach Maria 1111b
ihrem göttlichen Sohne einzuräumen, und
dann wegen der Ketten in der Linken,
weil er ja bekanntlich Patron der Ge-
fangenen ist. Ist aber der Stab in der
Rechten wirklich eilt Bischofsstab, so ist,
da S. Leonhard niemals Bischof war,
sondern nur Einsiedler, unsere Berechnung
falsch." Die Berechnung muß als richtig
bezeichnet werden, wenn man nnsern Kanon
zur Anwendung bringt. Der Stab, welchen
S. Leonhard trügt, ist eilt Abtsstab, welchen
auch Pfleiderer in seinem Werke: „Die
Attribute der Heiligen" — als Attribut
des hl. Leonhard namhaft macht.

Kirchenpatronin von Echterdingen, DA.
Stllttgart, war die hl. Katharina; das
beweist uns der Umstand, daß ihr Bild
auf dem Gewölbeschlußstein unmittelbar
auf das Bild der Muttergottes folgt. Ein
anderes Zeugnis für das Patronat der
hl. Katharina liefert das Siegel des Kirch-
herrn Eberhard von Echterdingen ans dem
Jahre 1337 (Eßlinger Urknndenbnch
Band 1), ans welchem die genannte Heilige
dargestellt ist — das Haupt gekrönt, in
den Händen ein Rad, zu beiden Seiten
je eine Lilie. Für unsere Zwecke ist dieses
Zeugnis; besonders werthvoll, da wir dem-
selben entnehmen, daß die Angaben der
Schlußsteine bisweilen durch die Siegel
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