Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 71
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Restauration des Chores, sowie des Hoch-
nltares eine verfehlte sei und daß es
Hauptaufgabe wäre, diesen begangenen
Fehler wieder gut zu machen. Allein
ersteres wußte man schon lange vor
diesem Gutachten; daß man aber jetzt
schon wieder Tausende ausgebe, nur den
Fehler gut 51t machen, dazu fehlten die
Mittel, beim die gefallenen Opfer von
Seiten der Parochianen waren nicht zu
diesem Zwecke gegeben. An zweiter
Stelle wollte der Architekt die vorhandenen
Mittel zmn Ansbail des Orgelchores ver-
wendet wissen. Allein es war nothwendiger
ltnb auch mehr in der Intention der
Geber 1111b der ganzen Pfarrgemeinde
gelegen, daß vorher das so sehr der
Restallration bedürftige Schiff hergestellt
werde. Ganz unglücklich erschien aber
der Vorschlag, beit Hochaltar durch ein
Provisorium zu verbessern, das darin be-
stände, „daß der Hochaltar rechts und
links je eine Vogenstellung als Anbau
erhielte, wodurch dem in schweren Formen
gebildeten Ausbau eine breitere Basis ge-
geben würde." „Das hieße —- bemerkten
nur in nnserm Gegengntachten — den
verpfuschten Hochaltar noch eiitiital ver-
pfuschen !"

Das Bischöfliche Ordinariat, dem die
Gutachten vorgelegt wurden, gab unter
dem l7. Juni 1898 unter anderem vor
allenl seiner Befriedigung darüber Aus-
druck, „daß in Vorbereitung des für eine
Gemeinde intb deren Zukunft immerhin
bedeutungsvollen Unternehmens mit der
gebührenden Umsicht und Ueberlegnng
vorgegangen worden ist".

„Rach eingehender Prüfung," heißt es
weiter, „der uns vorgelegten verschiedenen
Gutachten stintmen wir angesichts der
vorliegenden Verhältnisse int Ganzen, dem
Uriheile unseres Diözesanknnstvereins-Vor-
standes Pfarrer Detzel bei und ertheilen
dem gedachten Beschlüsse des Kirchenstif-
tungsrnths Kißlegg in soweit unsere Ge-
nehnngnng, als der Kirchenstiftungsrath
die Künstler verpflichtet, in ihren Einzel-
ausführungen sich all die im Gutachten
des Pfarrers Detzel gegebenen Winke zu
halten." Als weiteren Fortgang in der
Einleitung zitr Restauration der Kirche
wurde dann von Kunstmaler Roth eine
Skizze für die Ansführilng der Dekoration

gefertigt. Sie war nach beit oben dar-
gelegten Grundsätzen allsgeführt und tu
der Farbenharmonie gut gestimmt; ihre
Unterlage bestand iil einer photographischen
Ausnahme auf zwei Blättern, worauf —
allerdings miniaturartig fein — die Far-
ben anfgetrageu waren. Die angegebene
Marmorirnng der Säulen, der Ton der
Wände, Zwickel n. s. w. sowie die Art
der Vergoldilng stimmten gilt zusaminen
und ließen eine schöne Ausführung er-
warten. Knilstmaler R-o t h wurde auch
für die richtige Ausführlliig dieser Skizze
bei der Annahme derselben seitens des
Kirchenstistnngsrathes verantwortlich ge-
macht.

NachdeindanndieGeuehmignngderSkizze
seitens des Bischöflichen Ordinariats ein-
getroffen uild so alles ins Detail vorbe-
reitet war, wurde im Frühjahr 1899 mit
den Arbeiten begonnen intb im folgenden
Jahre zu Ende geführt. Es wurde —
das wird jeder Besucher der Kirche zu-
gestehen — von Dekorationsmaler M ü l l e r
llild seinen Söhnen unter näheren tech-
nischen Angaben seitens des vom Kirchen-
stiftnngsrath berufenen Dealers Martin
von München und nach beit oben ange-
gebenen Vorschlägen die dekorative Ans-
malnlig der Kirche in einer Weise dnrch-
geführt, die sowohl was Wärme, Licht
und Harmonie der Töne als Sauberkeit
und richtiges Maaß in der Vergoldung
anlangt, alles Lob verdient. Das Schiff
der Kirche, steht jetzt in einem Gewand
da, das einerseits die Würde dieses Gottes-
hanses sehr erhöht, andererseits dem Stil-
charakter der Spätzeit und seinen künst-
lerischen Anforderungen vollauf entspricht.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Kapelle und Kirche auf dem
Einkorn.

Von Pfarrer M a y e r.

Das Alter der Kapelle ans dem Ein-
korn betreffend fanden wir ca. 1500 eine
Anfrage, „ob die capellen im kreps
vnnd Zirkel der pfarr michelpach sMichel-
bach, OA. Gaildorf) begriffen sey." Wenn
sie „außerhalb der marck", gelegen, soll
man die Zellgen hereinschicken in das
Stift Komburg zur Ernirung, ob Grund
und Böden dem Stift gehöre. (Archiv
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