Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 73
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Organ des Kottenburger Diözefan-Dereins für christliche Kunst.

perausaegeben und redigirt von Pfarrer Dctzcl in St. Lhristina-Ravensbt'.rg.

Derlag des Rotteiiburger Diözesan-Kunüvereins, ^
für bcnfclben: der Vorstand Pfarrer Detzel in St. Lhriniiia-Ravensbnrg.

Erscheint moiwilich einmal. Halbjährlich für M. 1.95 bavrtj die wnrttembergischcn, M. 2.02
, durch die bayerischen und die dleichsyostanstalten, fl. 1.27 in Oesterreich. Frcs. 3.40 in

(.IO d^r Schlveiz zu beziehen. Bestellungen werden auch augeuounueu von allen Buch-

+ Handlungen sowie gegen Einsendung des Betrags direkt Vau der Erpedition des „Deutschen ' '

Volksblatts" in Stuttgart, Urbaustratze 04, zum Preise von M. 2.05 halbjährlich.

Die christliche Kunst auf den Aus-
stellungen im Glaspalast und dem
köuigl. Kuustausstelluugsgebäude
zu Kiüucheu.

Von r>r. I. Rohr, Stadtpfarrer in Geislingen.

(Schluß.)

An sonstigen biblischen Gestalten bezw.
Vorgängen sind zn nennen: Alb. v. Kel-
l ers Eva(903), in welcher fast ausschließlich
das sündhafte Begehren dargestellt ist.
Etwas höher steht H o lv a r d s Eva (812 a).
Lietzrnann hat in „Noah mtb seine Söhne"
(1070) ein wirkungsvolles Temperabild
geliefert. Judith von Kliint (933) ist!
ebenso abstoßend wie sein Bild der Medizin
für die Wiener Anla. Susanna (7(i b)
ist eine im Ton der „Fliegenden Blätter"
gehaltene Farbenspniphonie von einem
der Hauptmatadoren des gen. Witzblattes
— Hengeler. Würdiger hat denselben
Gegenstand M. Schmid behandelt (1534).
Die Unschuld Snsannas und die Geilheit der
beiden Inden bilden einen scharfen Gegen-
satz: „Paulus" von Hjortzberg (778),
mit einem Schwert in der Hand, der Ober-
körper nackt, mit rothen Schuhen ans der
römischen Wölfin stehend, ist ein röinischer
Opserpriester, aber kein Apostel. Den-
selben Fürstapostel hat Martini znm Ge-
genstand seines Bildes „St. Paulus und
Akte" gemacht (1145). Der Völkerlehrer
hält der leicht gekleideten Weltdame und
ihren Genossinnen in ihrer Behausung
eine Predigt.

Die Büßerin Magdalena ist von Vöcklin
(39) und Richard Scholz 1547 in tra-
ditioneller Nacktheit und Zerknirschtheit dar-
gestellt. Ihre Bekehrung behandelt S ch m i d-
Breiten b a ch (1536): eine üppige

Scene ans ihrem Sündenleben. Durch
die offene Thüre sieht man den inmitten

seiner Jünger mit warnend erhobenem
Finger und durchdringendem Blick vor-
übergehenden Heiland, und die Haltung
der Sünderin läßt den Beginn des er-
lösenden Kampfes in ihrem Innern ahnen.
— Ein Werk von eigenartiger Wucht ist
dasNiesengeiuälde von Benllinra y ©U
„Das Thal Josaphat am Tage des
jüngsten Gerichts" (309). Es zeigt den
Richter und die Heiligen in nebelhafter
Ferne, aber vorzüglicher Gruppierung.
Im Vordergrund schwebt ein Kranz von
leicht kenntlichen Seligen. In ihrem Ge-
sichtsausdrncke streitet das Grauen über
die Schrecken des Wettendes mit der frohen
Gewißheit der Beseligung. Auf der linken
Seite gewahren wir auch Dante mit seiner
Beatrice. Man glaubt, dem Dichter die
Befriedigung vom Angesicht ablesen zn
können, daß, was er gleichnißweise in
seiner „Göttlichen Komödie" geschildert,
nunmehr Ereigniß geworden: und Beatrix
blickt zu ihm nieder mit dem beruhigenden
Gefühl, ihn zum ersehnten Ziel geführt
zu haben durch alle Roth und Fährde.
Herzlich unbedeutend erscheint neben diesem
grandiosen Gemälde Könows „Am Thore
des Himmels" (964).

An Heiligenbildern sind ansgestellt:
„Landschaft mit dem hl. Antonius" von
Garnjobst (616). Der Nachdruck liegt
auf der Landschaft. „Die Versuchung des
hl. Antonius" von Gütz (660) ist eine
widerliche Scene. Bacchantinnen fallen
über den schier Verzweifelten her, gleich
als wollten sie ihn nicht versuchen, sondern
erdrücken. Ebenso abstoßend ist die „Herz-
verwnndnng der hl. Theresa von Jesus" von
P u ert o N i l l a n u e v a (1381 a). Um so
anmnthiger präsentirt sich I. Mahls
„Die hl. Elisabeth in der Kirche zu
Eisenach" (1800). Znm Entsetzen ihrer
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