Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

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vommüfctjen Kirche ragten, nach den Spuren des
Daches am Westthurm, zwei ganze Stockw.wke der
^ hur me über den Giebel des Daches hinaus
und boten einen schöneren Anblick als heute bei
dem hohen Dach der Kirche). Das Haupt-
e i n g a n g s t h o r ins Schiss von Norden trägt
das Wappen des Fürstbischofs Johann Philipp
v. Greiffenklau; das südliche Thor das Wappen
Comburgs. An beiden Thoren tragen zwei
Säulen einen Architrav mit Bekrönung und
zwei weibliche allegorische Figuren in sitzender
Stellung.

Innere s.

Treten wir in das Innere der Kirche und
betrachten dieselbe entweder vom Hochaltar aus
oder vom Westthurm aus, so macht diese Hallen-
kirche mit ihren hohen Schiffen in allen Theilen
eineil harmonischen und durch ihre Größen- imt>
Höhenverhältnisse einen mächtigen Eindruck aus
das Auge des Beschauers. Höhe ungefähr 15
Meter in der Kuppel über dein Querschiff im
Westen, Länge mit Westthurm 70 Meter, Breite
17 Meter. Schisslänge 44 Meter. Die drei
Schiffe siild durch 2 Reihen von je 7 Pfeilern
von einander getrennt, wovon die ersten 2 Pfeiler-
paare am Chor zur Sakristei und zur Para-
mentenkaminer verbunden und eingebaut sind,
lieber beiden besiildet sich je eine Empore mit
Balustrade. Die Kapitäle der Pfeiler und ihre
Käinpfer darüber, ebenso die Kapitäle der Pi-
laster sind reich lind sein in Stein gearbeitet,
ilicht Stückarbeit, wie es auf ben ersten Anblick
durch die weiße Tünche erscheint. Auf diesen
Pfeilern ruhen die Arkadenbögen, desgleichen die
Quergurteil nnb Rippen der Kreuzgewölbe mit
einfacher Stuccatur. Zwischeil beit Kapitalen
und beit reich und sein gegliederten Kämpferil
seheil wir im Mittelschiff die Wappen der zur
Zeit des Umballs hier residierenden Kapitulareil
des Chorherrnstiftes. Das erste Pfeilerpaar im
Chor hat die Wappen von Stadion (Propst) auf
der Evangelienseite neben der Uhrentafel des
Chors, das voll Gllttenberg (Dekan) auf der
Epistelseite. Das zweite Paar zeigt die Wappen
von Ostein und Pfürdt; das erste Paar im
Schiss: Pfürdt und Gutteilberg, das zweite Ostein
und Zobel; das mittlere Paar aus beideil Seiteil
Coinburg; das nächstfolgende Paar ebenso Hutten,
das letzte Greiffenklau. Nach ben Seiteil und
an den Wänden siild an ihrer Stelle Ornamente
mit Engel-, Thier- und Pslanzenbildern.

Der H o ch a l t a r

hat seit ileuerer Zeit das bekaililte Antepen-
di um lBeschreibung desselben im „Archiv" 1898
S. 9), von deiil Nebenaltar der Epistelseite an
diesen Altar versetzt. Der Aufsatz des Hochaltars
war vor der Säkularisation voil Silber, ver-
fertigt 1767 von dein "Augsburger Goldschmied
Georg Ignatius Balir um 11 555 sl. 45 kr. und
100 fl. Douceur für Hin- und Herreis, wozu
ein Kapitular von Ostein 4248 fl. gab tntb der
zum Dank dafür seinen "Namen in die Ltasfel
und Stein einstechen lassen durfte. Ebenso fehlte

es ilicht an silberilen Lenchtcrn mit Kruzifix,
Tabernakel und Heiligenbildern, (cs,-. Der Kirchen-
schatz von Coinburg „Archiv" 1896 S. 61.) Bei
der "Aushebung wurden diese Kostbarkeiten alle
säkularisiert. Der Baldachin über dem Altar,
bis zum Gewölbe reichend, zeigt oben die Drei-
faltigkeit, voil Engeln umgeben.

Auf der Evangelienseite halten Engel zwischen
deil Marmorsäulen, welche den Baldachin tragen,
das Wappen des Fürstbischof von Würzburg,
Joh. Phil. v. Greiffenklau; auf der Epistelseite
das Wappen von Coinburg. Hinter dem "Altar
zwischen den Säulen stehen die überlebensgroßen
Figuren der Mutter Gottes, des Bischofs "Niko-
laus, des Patrons der Kirche (mit Buch und
drei Goldkugeln), und Johannes des Täufers
(mit Kreuz und Lamm) zu ihrer Rechten; zur
Linken die des "Abtes Benediktus (bis zur llm-
wandlung in ein Chorherrnstift 1488 war Coin-
burg ein Benediktinerkloster), der den Abtsstab
und den zersprungenen Kelch auf dem Buche hält,
und des hl. Josephs (mit dem Jesuskind). Diese
Statuen sind von Holz und die Gewandung ver-
goldet.

D as Eltersh o fer D e nkmal (16. Jahrh.)
befindet sich in der Nähe des Hochaltars an der
nördlichen Chorwand als Kredenztisch; es hieß
früher Peter- und Paulsaltar, stand in der
Schenkenkapelle und war konsekriert vom Weih-
bischof Johann Melchior von Würzburg 1560.
Zwischen der Umrahmung von z>vei Säulen sehen
wir die Grablegung Christi in Alabaster darge-
stellt, eine schöne Arbeit; oben im Giebel Petrus
auf dem Meere wandelnd und versinkend und
dessen Kreuzigung mit dem Kopf nach unten,
ebenfalls in Alabaster; darüber ist das Wappen
der Edlen von Eltershofen (Schloß mit gleich-
namigem Ort bei Hall) und des Haller Patri-
ziergeschlechtes von Rinderbach. Am Fuß (siipes)
des Altars ist in Stein gehauen das Fegfeuer
mit der fürbittenden Kirche um die allerheiligste
Dreieinigkeit: Maria, Johann Bapt., die Apostel
auf der einen Seite, und "Nikolaus, Benediktus,
Laurentius re. auf der andern Seite. Die Statue
des "Apostels Petrus ist in der Sakristei aus-
gestellt, die der Mutter Gottes und des Apostels
Paulus sind nicht mehr vorhanden. Die. Jn-
s ch r i f t des Denkmals lautet:

„Gott, dem allmächtige(n), Maria, seiner glor-
würdig(en) Mutter, allen Gottes-Hcilig(en) zu
Lob vnd Ehr, Seinen geliebten Pohreltern,
.Patter, Mutter, Brüder vnd Schwester zu Seligem
angedencke(n) hatt der Edel vnd Best Beit von
Ellter shoffen: welcher anno 16 . ., den . :
Selig Entschlasfen, disen Altar anstat eines Epi-
thaphij aufrichtesnl lassen vnd sind sein ober-
gmelte seine Adeliche Elttcrn Entschlaffe(n) wie
volgt: Anno 1545 ben 20. Februarij starb der
Eoell vnd vest Rudolph von Ellters-
h offen, Patter, vnd Hernach 1583 den 8. Martij
die Edel und Thugentsame Fraw Catharina
von Elltershofen, geborne von Rinderbach,
Mutter. Nachfolgents anno 1607 den 8. Aprilis
der Edell vnd Best Rudolph v. ElUers-
hoffen, dan 16 . . der Eoell vnd Pest t a n z
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