Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 89
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Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diözefau-Dereins für christliche Runst.

peraiisgegebeii und redigirt von Pfarrer Detzel in St. Lbristiiia-Raveiislu"'g.

Verlag des Aotteiiüurger Diözesaii-Kunstvereins,
für denselben: der Vorstand Pfarrer Detzel in St. Lhriftina-Ravenslnirg.

Erscheint iiioiiailich einmal. Hnlbjährlich für M. 1.95 durch die württembergischen, M. 2.02
durch dre bayerischen und die Neichspostanstalten, fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in
der Schiveiz zn beziehen. Bestellungen iverdeu auch angenouinien van allen Buch- rOOl
Handlungen soivie gegen Einsendung des Betrags direkt van der Erpeditivn des ..Deutschen ' *

Bolksblntts" in Stuttgart, llrbanstrntze 04, znin Preise von M. 2.05 halbjährlich.

An die Leser.

Der Ansschutz des Diözesanknnstvercins hat in seiner letzten Sitzung in
Stuttgart am 13. November d. I. beschlossen, das „Archiv für christliche Kunst"
vom 1. Januar 1902 an im Buchhandel erscheinen zu lassen und zwar
in Kommission der Dorn'scheu Buchhandlung (Fr. Alber) in Ravens-
burg. Wir erwarten durch diese Veränderung eine vermehrte Abonnentenzahl
im In- und Anslande. Dadurch- aber würden wir einem allseitigen Wunsche
entgegenkommen können, unserem Vereinsorgan eine reichere Illustration,
und zwar in besonderen Beilagen, geben zn können, was uns in den letzten Jahren
leider nur mehr in geringerem Umfange niöglich war.

Wir ersuchen daher dringend, daß die bisherigen Abonnenien uns treu
bleiben, neue aber in großer Zahl beitreten mögen. Möchte namentlich die jüngere
Generation des hochw. Klerus — wir wiederholet diese Bitte vom Jahre 1898 -
dem „Archiv" die gleichen Sympathien entgegenbringen, die ihm der ältere cntgegen-
gebracht hat und noch entgegenbringt.

Die Redaktion.

Antonius der Einsiedler.

Eine legendarisch - ikonogravhische Studie.

Von Johannes Damrich in München.

(Fortsetzung.)

„Gottes Vorsehung ist es, daß Du heute zn
mir kamst." Unermeßlicher göttlicher Segen
würde sich über's ganze Reich ergießen,
stünde wieder ein gottesfürchtiger Gemahl
ihr zur Seite. „Doch" — klagt sie —
„du willst mich nicht verstehen." „Ich bin
ein alter, gebrechlicher Mann." „Hast nie
empfunden, welche Süßigkeit das Weib dein
Manne geben kann. Sieh'mich an, bin ich nicht
schön, und Gottes Gnade hat inich auch
innerlich reich geziert." Der Eremit
seufzend: „Ich bin ein Greis, mein Fleisch
ist ausgemergelt." Schmeichelnd schnriegt
sie sich an ihn. „Geh' weg!" bittet er.
„Soll ich in einer Stunde verlieren, was
ich in mehr. denn 60 Jahren mir er-
kämpft!" Sie wirft sich nieder vor ihm,
seufzt, schluchzt. Daun fängt sie au,
theologisch mit ihm zu disputireu — sie

kennt ja die ganze heilige Schrift aus-
wendig —, an Adam, den Patriarchen,
Melchisedek, David u. s. w. beweist
üe ihm, was Heiliges die Ehe sei und
lvie sie für ihre und seine Seelenruhe
heilsam wäre. Der greise Eremit kann
sich all' dieser Eiuwürfe kaum erwehren,
sie drängt sich an ihn, ihre Schönheit be-
täubt ihn, halb scherzend, halb in leiden-
schaftlicher Gluth, will sie ihm das Drdens-
gewand abreißen — da durchschaut er die
Versuchung und bezeichnet sich mit dein
Kreuze: und Palast und Stadt und Königin
versinken, ein ungeheurer schwarzer Berg
ist an dessen Stelle getreten, Feuergarben
und Legionen Teufel fahren daraus her-
vor und quälen und martern den Heiligen
einen vollen Tag hindurch. Endlich er-
scheint ihm Christus der Herr, lobt seine
Standhaftigkeit, und zur Belohnung macht
er ihn zum Austeiler seiner Gnaden: Er
soll Gewalt haben über alle Bewohner
j der Erde, über alle wilden Thiere und
1 Vögel und Reptilien und was sich regt
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