Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 92
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Fremdländische verloren, er ist geradezu
einer der deutschesten Heiligen der Legende
geworden. Wie in St. Christoph die
Freude ent der ungeschlachten körperlichen
Größe intb Kraft, in St. Georg der ritter-
liche Ginn, so verkörpert sich in St. An-
tonins das beschauliche, sitinige Leben in
tlnd mit der Natur, wofür gerade das
deutsche Geinüth so sehr empfänglich ist.
Cr ist der Typtts des deutschett Wald-
britders, ehrwürdig, bieder, mild, ein
Freund der Thiere, die alle traulich um
ihn spielen, kurz, das Ideal des „.Klatts-
tiers", mit dein der Poet zu allen Zeiten
den deutscheil Wald belebte, und in bem
er — besonders prächtig unser M. von
Schwind — die Poesie und Nontantik
des Waldes verkörperte.

Antonius, der Mann der Cinsanlkeit
uitb des Waldes, wurde darum auch mit
Vorliebe zum Patron abgelegener Kirchen,
Kapellen, besonders Cinsiedeleien, gewählt.
An einsanten Stellen in Wald tmd Flur,
wo einst unsere heidnischen Vorfahrelt
ihren Göttern geopfert lind gebient, er-
richtete man später, um die Erinnerung
an Wodan lind Donar zil verdrängen,
mit Vorliebe Bildstöcke zu Ehren St. An-
tons, die „Tönishciuschen" Von Fries-
land singt in dieser Beziehung M. Hain-
conitls 2):

Tolleret ut veterum cultus omnino
deorum

Frisica gens silvis passim devota
viisque

crebras imposuit sacrae cultoris eremi
Antoni aediculas ipsum veneransque
fovensque

tarn precibus de luce piis quam
lumine nocte.

Antoliins ist nicht blas der Patron
der Einsiedler, sondern auch der Patriarch
des Mönchswesens, er ist „Antonius
abbas".

2. Einen düsteren, großartig-phantasti-
schen Zug verleiht dem Bildendes Heiligen
seine Eigelischaft als Teuselsbekäm p s e r.
Unsägliches ist es, lvas er all Schrecken,
Vlißhalidlungen, Verführung zil besteheil
hat, aber ans Allem geht er siegreich her-

Vgl. „Zettschr. f. Westphül. Geschichte"
1875: „Die Verehrung des hi. Antonius Abbas
im Mittelalter" von Professor Dr. I. Evelt.

-) Vgl. Aa, SS. 17. Jan.

. vor. So wird er, der Ueberwinder des
! Teufels, diesem furchtbar, uitb wie schon
! zll seinen Lebzeiten der Satan feinem
| Gebet und Worte überall weichen lilllßte,
so ist auch seine Fürbitte mächtig gegen
die feurigen Pfeile des höllischen Ver-
suchers lind gegen allen Schaden, den er
i dem Menschen thnt. „Ailtonins, du
i Weisester" — dieses L-iiyoauua null das
i Malerbuch vom Athosberge unter das
^ Bild des Heiligeil gesetzt wissen —, „schütze
! niich lind halte ab die Geschosse der Dä-
! lilonen, die frech nach lileiner Seele zieleli."

Seit etwa dem 12. oder 13. Jahr-
| hlindert kommeil wesentlich liene.Charakter-
> züge zum Bilde des Heiligen hinzu. Seine
Gebeine warell um's 10. Jahrhulldert
^ durch einen sralizösischelt Edellnann non
| Konstantiliopel llach St. Didier la Motte
! in der Diöcese Lckenne gebracht worden.

^ Nachdem sie dort lnehr als hundert Jahre
in Verehrung gestanden, brach im Lande
eine eigenarlige,' furchtbare, allsteckende
Krankheit aus.

(Fortsetzung folgt.)

Die neuen Altäre in der St, Slisn-
betbenkirche in Stuttgart.

Ncit der Fertigstellung der neuen St.
i Elisabethenkirche in Stuttgart, deren Pläne
j wir in Nr. 4 des „Archivs" gebracht
! haben, war alsbald auch die innere Ans-
stattllilg vollendet. Wir bringen hier die
drei neuen Altäre in Abbildung, welche
das herrliche Gotteshaus erhalten hat.
Der Hochaltar ist in streng frühmittel-
alterlichem Stile als in Metall ansgeführt
gedacht, während die Mensa mit beit
Säulen und den seitlichen Pilastern in
Marmor gedacht sind. Mit Nücksicht ans
die verfügbaren Mittel mußte man leider
von einer wirklichen Ausführung in Metall
und Marmor absehen. Die Komposition
ist als ein Retable-Altar mit glücklicher
Eingliederung des Tabernakels und Thro-
nus gedacht, seitlich slankirt von zwei
Pilastern, auf welchen ein Bogen ansge-
baut ist, der sozusagen alles zu einem
einheitlichen Ganzen znsammenschließt. Der
ganzen architektonischen Anlage des Chores
vorzüglich angepaßt, muß diese Lösung als
eine sehr glückliche und wahrhaft künstle-
rische bezeichnet iverden. Cämmtliche Fi-
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