Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 94
DOI Heft: 10.11588/diglit.15906.62
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15906.66
DOI Seite: 10.11588/diglit.15906#0103
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1901/0103
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
wurden im Schiffe je zur Seite eines
Nebenaltareö zwei neue Glasgemälde,
Tod Mariä und Tod des hl. Joseph,
eingesetzt, welche ans dein Atelier des
Glasmalers Bern h a r d M itter m a i e r
in Laningcn stammen (Preis znsannnen
1542 Mark). Zugleich wurde durch Laib
in Oedheim der jetzige Tabernakelaltar
im romanischen Stile und mit Erpositions-
thronus erstellt (1600 Nc.). Die unbe-
benteubeit vier Statuen und zwei Reliefs
stainmen nmhrscheinlich ans Mergentheim.
Eiii neuer Bodenbelag kam 1882 hiiizil
l1050 M.). So wurden vom Jahre 1857
bis 1882 auf die Renovation der Kirche
sammt Anschaffung von neuen Paramenten
ea. 13 700 M. verwendet.

Wurde so auch Vieles für die Verschö-
nerung der Kirche aufgewendet, so betraf
die Renovation doch bloß das Innere der
Kirche, während außen alles beim Alten
gelassen wurde, ein Verfahren, das früher
vielfach statt hatte. Es ist daruur ein
besonderes Verdienst des jetzigen Pfarr-
herrn Sorg, daß er gleich nach bem
ersten Jahre seines Antritts der Pfarr-
stelle 1899 an eine durchgreifende Reno-
vation der Kirche dachte und dabei nicht
zuerst an eine wiederholt nothwendige
Renovation im Innern ging, sondern vor
Allem die Kirche in ihrem Aenßeren
so wiederherstellen ließ, daß einerseits der
Bail derselben in gutem Zustande gewahrt
bleibt, andererseits nicht schon nach wenigen
Jahren die innere Schönheit der Kirche
durch Defekte an der Architektur vernichtet
uhvb. Es wurde vor Allem ein neues
Dach ans Ludowici-Schnppen-Falzziegelll
nils der Fabrik in Jockgrim (Pfalz) her-
gestellt (rot sGrnndtoilj imprägnirt mtb
schwarz imprägnirt mit braniiglasirten Zie-
geln). Preis der Ziegel 1800 Ri. Fenier
wurde an Thurnl ilnd Kirche neuer Ver-
putz und Bewurf angebracht, auch neue
Dachrinnen erstellt und um die ganze Kirche
eiil Betontrottoir mit Kandel geführt, um
die Fnndamente in ihrer Festigkeit 511 er-
halten. Nachdem man iioch eine neue
Hanpttbüre und eine neue Sakristeithüre
angebracht, war die Restailration ant
Aeußern der Kirche int Allgemeinen voll-
endet.

Nun konnte man im folgenden Jahre
an die Ausschmückung des Innern der

' Kirche gehen. Hier handelte es sich vor
; Allem um fignrale lind dekorative Aus-
nlakllng lind wurde für letztere Arbeit der
Dekorationsmaler Fr allz Sal. Edel-
nla ilu von Donzdorf berufen. Nachdem
die Wände gründlich vom alten Weissel
ab gekratzt und ansgebessert waren unb der
Plafolid des Schiffes erneuert und eine
alldere Eintheilnlig erhalteli hatte, wurde
mit der Malerei zuerst im C höre be-
goillleil unb geschah hier die Dekoratioli
am Plafolid lind Wänden mit Keimscher
Mineralfarbe. Wie schon die schön unb
geschmackvoll und dem Stile der Kirche
'gemäß entlvorfene Skizze erwarten ließ,
lieferte Edelmalin eine ebensolche Alls-
führung. Die galize Dekoration ist leicht
lind feierlich gehalten unb wurde haupt-
sächlich Weiß lind nur einige gebrochene
I Töne genommen. So sind die Gewölbe
im Chore einfach weiß gestricheli, die Stnck-
rahmeli der am Gewölbe sich fiitbenbeu
Bilder leicht abgetönt unb theilweise ver-
goldet. Von diesen weißen Gewölben
hebell sich bann die Friese der Gnrtbogell
in lichtgranenl Tone ab. Die Füllnngen
sind mit reichen, goldanfgelichteten Mustern
geziert und in die Medaillons sind En-
gelsköpfe iil Vlanton genialt. Die Wände
! silid iil hellgelblich-grünenl Tone gehalteli,
i woralis sich die Lisenell in lnattrother
> Marmorirung abheben. Die Pilasterge-
siliise sind lveiß, einzelne Glieder aber
leicht abgetönt unb vergoldet.

Am alten Plafolid des Schiffes be-
fanden sich drei Freskobilder, von bereu
Erhaltung aber abgesehen werden nulßte,
da der schadhafte Verputz der Decke, der
herabzuskürzcn drohte, erneuert werden
mußte, die Bilder übrigens auch künstle-
risch werthlos waren. Bei der Erneuernlig
des Plafonds lvurde eine Stllckrahlne für
ein einziges größeres Bild eingesetzt
unb diese im Stile der Kirche gehalteli.
Die Malerei selbst zeigt als Grulldton der
Decke wieder abgetöntes Weiß, die Rahme
für das Bild ist in einigell Töliell ge-
stricheli, eilizelne Glieder aber sowie die
Agraffen sind vergoldet. Die übrige große
Fläche der Decke ist mit kräftig gezeichneteil
und in Granton von Hand gemalten Orna-
menteli verziert unb durch entsprechende
Eintheilnng iil Verbindniig mit der Um-
rahmnng des Bildes gebracht.
loading ...