Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

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Die große, breite Hohlkehle ist in Felder
getheilt, zwischen diesen Feldern lutb in
den Ecken sind in Ockerton gemalte Kar-
tonchen angebracht, in deren Vtedaillons
sich in Blauton gemalte Embleme ans der
Lnnretanischen Litanei befinden, lieber dem
Chorbogen ist das Wappen des Erbauers der
Kirche wieder renovirt worden, wie es war.

Der Erbauer ist Abt Benedikt
K n ü t t e l, dessen Wappen einen Arm mit
einem Knüttel mtb die Inschrift trägt:
B. A. S. V. (Benedictas Abbas
Speciosae Vallis.) 1 727. (Jahr der ersten
BenuAnng des Plafonds.)

Das Hanptgesims im Schiss ist weiß,
die Seitenwände sind wie die im Chor
gehalten linb die einzelnen Felder durch
Friese, Stäbe und von Hand gemalten
Eckverziernngen abgeschlossen; sie bildeil
so zugleich die Umrahmung der Fenster.
Die breiten Leilningen der Fenster mußten
in Felder eingetheilt werden, wenn sie
gut wirkeil sollten, und sind mit Orna-
menten und im Rothton gemalten Engels-
köpfchen verziert. Der Sockel ist einfach
glatt gestrichen, da anf ihm die Stationen
angebracht werden mußten, die in ben
oberen Wandflächen nicht angebracht wer-
den konnten. Der Sockel schließt nnter
ben Fenstern mit einer von Hand ansge-
führten Bordüre ab.

Was in figürlicher Ausmalung der Kirche
geschehen ist, wurde von Professor T o b i a s
Weiß aus Nürnberg ausgeführt. Am
Gewölbe des Chores wurde über dem
Hochaltar ein kleineres Medaillon mit dem
Agnas Dei auf dem Buche mit sieben
Siegeln gemalt, dem Schiffe zu dagegen
ein größeres Nundbild, die Uebergabe des
Rosenkranzes an den hl. Dominikus, in
Temperafarben. Im Schiffe wurden an-
statt der früheren drei Plnfondbilder nur
mehr eines angebracht, darstellend die
hl. drei Kirchenpatrone Kilian, Kolonat
und Totnnn, die Gemeinde beschützend.
(Preis für alle Bilder 800 M.)

Der unter Pfarrer Zierlein an die Chor-
rückwand versetzte Hochaltar wurde in seinen
Anbauten vereinfacht, weil er die Archi-
tektur des Chores beeinträchtigte. Der im
romanischen Stile erbaute Tabernakel
sammt Antipendium mußte belassen iver-
den und wurde neu vergoldet, Statuen
und Reliefs neu gefaßt und das Eichen-

holz ansgesrischt. Der Hochbau des Al-
tares wurde neu vergoldet und wieder
marmorirt. Auch die Seitenaltäre sowie
die reiche Kanzel wurden neu vergoldet
und gefaßt. Der linke Altar hat in der
Mitte ein gemaltes Mnttergottesbild (de
bono consilio) in reicher Goldbarockrahme
und zu beiden Seiten die Statuen Joachim
und Anna, der rechte hat in der Mitte
die Statue des hl. Joseph und zu beiden
Seiten Zacharias und Elisabeth, in ihrer
Art und Weise plastisch nicht schlecht ge-
haltene Figuren.

Die Ausgaben für die bauliche Instand-
setzung der Kirche betrugen 7500 Al., für
die Ansmalnng, Renovirnng der Altäre
n. s. w. 6300 M. Dazu kam der Boden-
belag und Diverses, so daß die Gesammk-
renovirung der Kirche anf 16 000 IN. kam,
eine Summe, die nicht zu hoch ist für die
vielen und tüchtigen Arbeiten, die jetzt die
Kirche zu einem schönen und würdigen
Gotteshanse gemacht haben.

(Fortsetzung folgt.)

Beschreibung der öliftskirche in (Lomburg.

Von F. X. Mayer, Pfr. in Ludwigsburg.

(Schluß.)

Bei diesem Denkmal ist der Ausgang zur
marmornen Kanzel,
mit den 7 Hauptsünden. Der Zweck der Predigt
wird durch Figuren aus dem Schalldcckel also
versinnbildet: Christus, der Auferstandene mit
den Wundmalen und dem Kreuz in der linken
Hand, auf der Weltkugel zuoberst aus dem Deckel
stehend, wirft mit der Rechten Blitze auf die
7 Hauptsünden, die in Gestalt von 7 Fi-
guren in gold'nen Gewändern mit Attributen am
Rande des Schalldeckels sitzen: a) die Träg-
heit sitzt auf einem Esel, die Hände bequem auf
den Rücken gelegt. — b) der Zorn hält den
Dolch in der Rechten, zum Stoß ausholend, die
Linke stemmt er in die Seite. — c) die Un-
keuschheit sitzt aus einem geilen Bock, hält sich
an dessen Hörnern und wird von ihm fortge-
rissen, der linke Arm und Brust ist entblößt. —
d) die Hofsah rt, in der Dritte der Kanzel,
beschaut sich in einem Spiegel, den sie in der
Linken hält. Ihr Hals ist mit einer goldenen
Kette geziert und das Haar hoch empor frisirt.
Ein Pfau, das Sinnbild der Hoffahrt, schlügt ein
Rad zu ihren Füßem — e) der Neid wird dar-
gestellt durch einen Hund, der mit den Vorder-
füßen auf den Schooß der Figur steigt. — f) die
U n m äßigkeit hält sitzend ein Schwein auf
dem Schoß. — g) die Habsucht endlich hält
den Geldbeutel mit der Zahl 600 in der Hand.

Der Kanzeldeckel ist aus Holz uud marmorirt,
getragen von zivci Engeln (hölzerne Figuren).
Die Kanzel selber ist aus grauem Marmor; drei
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