Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 96
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flf,

Karyatiden f;ntieu die Kanzel, die Anstrengung
in den Gesichtern, Muskeln, Gesten und durch
die Stellung ve>rathend. Auf dein steinernen
Unterbau ist das Comburger Wappen zu sehen.
An den Seiten der Kanzel sind, mit Ausnahme
der ersten Seite, welche ein Posaunenengel ein-
nimmt, hölzerne N eiiesbilder, mit weißer
Oelsarbe überstrichen, aufgehängt, welche sich auf
das Anhören des Wortes Gottes und beu Glau-
ben beziehen: 1. Christus und das kananäische
Weib; 2. der zwölfjährige Knabe Jesus lehrt im i
Tempel (von einer Kanzel aus); 3. Christus -
weint über das verstockte Jerusalem; 4. Christus
legt den Finger in das linke Ohr des Taub-
stunnnen und öffnet es; 5. (am Zugang zur
Kanzel) Christus hebt tadelnd dei: rechten Zig-
singer gegen Petrus; davor ist Jerusalem und
Golgatha mit einem Kreuz; 6. Christus wird
von Petrus mit beiden Händen gehalten, zeigt
nach oben, wo eine Wolke mit Strahlen sichtbar
ist über einer Stadt; drei and're Apostel beglei-
ten die Scene.

Das O. u e r s ch i s f mit Kuppel

befindet sich in der westlichen Hälfte der Kirche.
In den Kreuzarmen desselben, die nur wenig
ausladen, befinden sich Altäre im Rokoko; im
südlichen der A n n a - A l t a r mit der lebens-
großen Statue dieser Heiligen in der Mitte und
von St. Catharina (mit Rad, Blitzstrahlen, Schwert
und Krone) und von St. Ursula (mit Pfeilen)
an den Säulen; darüber ist das Auge Gottes
in Strahlen. Die nördliche Ausladung enthält
beu Johann Nepomuk - Alta r mit der schwe-
benden Statue desselben, von St. Barbara (mit
Thurm uitd Kelch » unb St. Thekla (mit Flammen
uitd wilden Thieren); darüber ist die Zunge des
Heiligen abgebildet in einem Strahlenkranz, um-
geben von Engeln. Bei beiden Altären, atis
Holz und gelb marmorirt, ist das Sepulchrum
erbrochen. Ter Nepomukaltar ist gestiftet vom
Chorherrn Freiherrn v. Sickingeit, dessen Wappen
er trägt, und 1767 erbaut. In der Kuppel
über der Mitte des Querschiffs sehen wir die
vier Evangelisten uitd Engel mit Leidenswerk-
zeugeit (Stückarbeit).

Die Orgel, 1697 voit Joh. Hoffinann er-
baut, auf der Empore im Mittelschiff hat das
Wappen des Fürstbischofs Johann Gottfried v.
Guttenberg <1686 — 99) von Würzburg mit
Schwert tind Bischofsstab in der Mitte, bekrönt
von dem Psalmisten mit Buch, Mitra und Stab
(halbe Figur). Südlich davon ist das Wappen
des 17. Probstes Georg Heinrich v. Stadion
(1685—1716) und nördlich das des 18. Dekairs
Wilhelm Ulrich v. Guttenberg (1695—1736k,
unter denen die Orgel erbaut wurde. Posaunen-
blasende Engel sind aus beiden Seiten.

Unter der Empore befindet sich am Westthurm
eine M u tte r - G o t t es - S t a t u e mit dem
Kind aus dein rechten Arme, ivohl das voit Vogt
Schwegler 1628 gestiftete „unser lieben Frauen-
Bild".

Wir schließe»: diese Beschreibung der Stifts- >
kirche mit dem Anfügen der Inschrift am West- j
thurm (an der nordwestlichen Ecke außerhalb der
Kirche), »velche in Gesichtshöhe in Stein eiitge- j

l hauen ist <in großen lateinischen Buchstaben»:
HIE • LIEGT ■ DIS • STIFFTS . GE-
TREWKR • POTT • (Bote) DIE • EWIG .

[ RUII • DIE • GEB • IHM • GOTT •

SEIN • FLEIS • IHM • HAT • DAS •
LEBEN ■ KUERTZT • DRUMB ■ HIER •
INS • GRAB - DER • TODT ■ IHN •

STUERTZT • EIN • M • D C • XXXX •

[ UND - Y • MANN • ZEIILT (1645) DA •
HIER - ICH • NAMB • MEIN • RUII •

IERG - STEIDLE •

Dieses Tomburg mit seinen Schenswürdig-
keitei: und Alterthümern verdiente nach unserer
Ansicht gar ivohl eine ausführliche Beschreibung
und es lohnt sich, Einsicht zu nehmen von seinen
verschiedenen Stilen mit ihren Ornamenten und
sein Auge daran ;u weiden und zugleich zu bil-
den. „Wie eine Königsburg steigt, von Halt
aus gesehen, draußen im Thale auf weichein,
grüne»: Hügel das von Mauern umgürtete Com-
burg mit seinen Thürmen empor".

Aur.oiiceii.

Die neuentdeckten Wandge-
mälde in Reichenau-Niederzell.

In der Herdersehen Verlag’shand-
Jling’ zu Frei bürg- im Breisgau ist soeben
erschienen und durch alle Buchhandlungen
j zu beziehen:

Die Pfarrkirche
St, Peter und Paul in
Reichenau-Niederzell

und ihre neuentdeekten
Wandgemälde.

Eine Festschrift. Mit Unterstützung der
Grossherzoglich badischen Regierung
herausgegeben von Dr. K. Künstle und
Dr. K. Beyerle, Professoren an der
Universität Freiburg.

Mit 2 Tafeln in Farbendruck, i Tafel in
Lichtdruck und 20 Abbildungen im Text.
Gross Folio. (X u. 48 S. Text u. 3
Tafeln.) M. 20.

Früher ist im gleichen Verlag er-
schienen :

Die Wandgemälde der St. Georgs-
kirehe zu Oberzell auf der

Reichenau, aufgenommen von Franz
Bär. Mit Unterstützung der Grossher-
zoglich badischen Regierung herausge-
geben von F. X. Kl’aUS. Folio. (VIII ,
u. 24 8. Text u. 16 Tafeln.) M. 36.

Hierzu eine Kmiftbeilaae: Die drei neuen
Altäre der rt. Slisabetbeukirche in Stuttgart.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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