Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 13
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Lrgllii des Rstteiibilrgcr Iiözcsaii-Ltreiiis für Hristliche Kirnst.

kzerausgegebeil und rcdigirt von Pfarrer Dehel in St. Lliristiiia-Raveuslnirg.

Verlag des Rotteuburger DiSzesaii-Ruustvereins;
Aommifsionsverlaa der Doriifcheu Buchhandlung (Friede. Silber) in Ravensburg.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.— durch die wnrttembergischen, M. 2.02
-jpk durch die bayerischen und die Reichspostanstalten, Kronen 2.54 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in

ir?] O der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von allen Buchhandlungen TQQO

# * * sowie gegen Einsendung des Betrags direkt von der Dornschen Verlagsbuchhandlung in J

Ravensburg (Württemberg) zum Preise von M. 2.05 halbjährlich.

lieber die Bedeutung des Haus
Multscher für die Entwicklung
der Hinter schule.

Vou Pfarrer vr. I. Prob st.

Bekannt ist, das; die Schulen von Köln
und Nürnberg während ihrer ganzen Ent-
wicklung auf die Mauern dieser Städte
beschränkt waren. Bei der Schule von
Ulm, die mit Recht den beiden vorge-
nannten an die Seite gestellt wird, trifft
das nicht zu; bei ihr trat eine namhafte
Verzweigung ein. Grüneisen und Manch,
später Häßler und zuletzt noch Presse!
standen auf dem sehr nahe liegenden
Standpunkt, daß auch die Entwicklung der !
Ulmer Schule keine Abweichung von jener
3" Köln und Nürnberg durchgemacht habe
und gab besonders das Buch: lllm und
sein Münster von Presset 1877 einen
verdienstvollen, kritisch geläuterten und ge-
reiften Abschluß des Gegenstandes von
diesem Standpunkt aus.

Allein außerhalb der Mauern von Ulm
waren eifrige Sannnler mittelalterlicher
Gemälde und Skulpturen thätig (Hirscher,
Laßberg, Dursch, Abel), die ein so zahl-
reiches Material aus der gesammten um-
gebenden Landschaft zusammenbrachten,
daß der Gedanke sich dazumal schon nahe
ü'gen mußte, daß Ulm wohl nicht der
ssuzige ausschließliche Ursprungsort sein
könne, daß vielmehr 'mehrere Orte an der
Produktion Antheil haben werden. Aber es
bedurfte Jahrzehnte lang fortgesetzter Forsch-
ungen an verschiedenen weit entfernten Orten,
bis darüber Klarheit gewonnen wurde.

Begreiflich! Die Ensinger, Böblinger,

Sprlin, Zeitblom, Schaffner, Schüchlin rc.
waren schon um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts gefestigte und gefeierte
Namen und bildeten zusammen eine Pha-
lanx, die Achtung einflößte. Wenn nun
da und dort auch noch andere Namen,
aber örtlich zerstreut und zeitlich getrennt,
aus dem Dunkel auftauchen wollten, so
war die Aufnahme derselben eine sehr
kühle, ablehnende, zumal da ihre Werke
vielfach gar nicht mehr im Lande waren,
sondern zerstreut in weit entfernten Samm-
lungen und andern Orten sich befanden.
Man war so sehr gewohnt, Alles, was
sich Gutes aus alter Zeit erhalten hatte,
mit Sprlin und Zeitblom rc. zu ver-
binden, daß es geradezu gewagt schien,
noch weitere Meister denselben an die
Seite stellen zu wollen. Man wagte auch
nur mit großer Schüchternheit einen neuen
Meisternamen zu nennen, weil man über-
zeugt war, daß derselbe mit größter Zu-
rückhaltung ausgenommen werde.

Den ersten Schritt auf diesem Weg
gelhan zu haben, ist das Verdienst des
Kirchenraths Dursch. In dem Anhang
zu seiner Aesthetik der christlichen Kunst
(1856) führte er mit einem gewissen Nach-
druck drei Namen an, sämmtlich von Nicht-
Ulmern: Friedrich S ch r a m m, Christoph
Keltenofer und Simon Haider in
Konstanz, bei ersteren auch die Jahrzahl
(1480) und Inschrift. Der Erfolg läßt
sich denken; ein Widerspruch wurde zwar
nicht erhoben, aber nach drei Jahrzehnten
war die Sache so gründlich vergessen, daß
Friedrich Schramm als eine apoerpphe
! Persönlichkeit bezeichnet wurde.
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