Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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im Kriege den Feind mit ihrem Feuer
schädigen, so in Belgien der Artillerie. *)

Cahier 2J bildet eine Medaille ab, auf
der das Bild unseres Heiligen geprägt
ist mit der Unterschrift: „patron de
Mrs. les arquebuziers de Reims".

In einem Distichon aus einem alten
Brevier8) findet die vor dem Feuer
schützende und nnt Feuer strafende Ge-
walt des Heiligen prägnanten Ausdruck:
percutit et sannt exstinZniit et ex-
cutit iZrnes

ardentesque rninas intonat Antonius.

Antonius ist dann nicht blos Patron
gegen das „heilige Feuer", sondern daran
anknüpfend auch gegen sonstige ansteckende
Krankheiten, besonders gegen die gefürchtete
Pest. Molanus 4j berichtet, man habe, um
die Häuser vor der Pest frei zu erhalten,
häufig das Bild unseres Heiligen auf der
Thüre angebracht. Antonius ist der Patron
der Krankenhäuser überhaupt, nach Evelts8)
Bericht war er da und dort auch Patron
der Apotheker (? colyriorum).

4. Antonius ist — und dieser Umstand
mußte ihn besonders beim Landvolk außer-
ordentlich populär machen — der Patron
der Hausthiere, besonders der
Schweine. Der Zusammenhang ist ein
ganz natürlicher: Hatte sich die Fürbitte
des Heiligen gegen menschliches Elend und
Leiden erfolgreich erwiesen, so mußte er
auch helfen können, wenn eine ansteckende
Krankheit das dem Landmann so theure
Leben seiner Hausthiere bedroht. Nun
tritt auch bei verschiedenen Hansthieren,
und zwar besonders häufig und verderb-
lich und vor Allem besonders auffällig
gerade an Schweinen eine Krankheit auf,
die sich ebenfalls wie die menschliche „Rose"
durch starke Röthung der Haut ankündigt
und die auch vom Volke mit dem gleichen
Namen „Nothlauf" bezeichnet wird. Weil
mau für dieselbe Krankheit am Thiere,
die wohl auch denselben höllischen Ursprung
haben mußte, auch den Schutz desselben
Heiligen für besonders wirksam hielt,
darin also liegt der Grund, daß St. An-
ton der Patron der Schweinezüchter und

’) S. Aa. ss.

2) „Cliaracteristique des saints“ I. p. 379.
°) Sit. in Aa. SS.

*) „Hist. imag. L. IIT. c. v.

6) A. «. D.

so das Schwein geradezu das am meisten
charakteristische Attribut des Heiligen wurde.
Man pflegte den Schweinen znm Zeichen
dafür, daß sie unter St. Antons Schutz
stehen, eine unter Anrufung seiner Für-
bitte geweihte Glocke anzuhängen. ') In
Rom werden nach älteren Berichten am
17. Januar, dem Feste des Heiligen, alle
Hausthiere in seine Kirche gebracht
und dort gesegnet. Bei deutschen Bauern
gieng der Spruch: „Sankt Anton soll
unser Heiliger sein, iveil er uns hütet
unsere Schwein".2)

III. Ikonographie des hl. An-
tonius.

Bevor wir auf die verschiedenartigen
Darstellungen unseres Heiligen in der bil-
denden Kunst eingehen, dürfte es sich em-
pfehlen, einen Blick zu werfen auf die
drei wichtigsten Attribute, die ihm beige-
geben iverden: das T-Kreuz, das Schwein
und die Glocke.

a) Das T-Kreuz (crux commissa)
als Attribut unseres Heiligen hat bei den
Archäologen die verschiedensten Erklärungen
gefunden. Man wollte diese Fornr des
Kreuzes zurückführen auf die eines Kreuz-
stabes, den der historische Antonius ge-
tragen, 8) wollte es deuten als den An-
fangsbuchstaben von Theos(!),4) ja, man
gieng zurück ans die ägyptische Hiero-
glyphenschrift, 5) auf die ägyptisch-heidni-
schen Götterbilder, in deren Händen wir
thatsächllch öfter fauch in der Münchener
Glyptothek) dasselbe Zeichen erblicken, das
hier die Bedeutung „Leben" hat. In
Wirklichkeit sind diese Erklärungsversuche
gesucht und unhaltbar. In den ältesten
Antoniusbildern sehen wir den Heiligen
blos einen Stab oder eine Art Krücke
tragen, das ausgebildete Antonius-T tritt
erst mit dem Antonieror deu auf, der es
zu seinem Wappenzeichen erwählte. Es
unterliegt kaum einem Zweifel, daß dieses
T nichts Anderes ist, als die heraldisirte
Form einer Krücke.

Wenn wir uns ins Gedächtuiß znrück-
rufen, daß die Autouier es sich zur Le-

*) Molanus a. tt. O.

2) Wander a. a. O.
s) Menzel und Studier.
4! Wessely.

6) Moianus.
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