Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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bensanfgabe machten, um Christi willen
jenen Stab und Stütze zn sein, die durch
die Seuche ihrer Glieder theilweise beraubt
waren, so muß dieses 1, dessen Gestalt
Kreuz und Krücke in sich vereinigt, als
ein sehr passendes Symbol des Ordens
bezeichnet werden, zumal es auch die Er-
innerung an den hl. Antonius wachrief,
der schon in ältester Zeit fast immer mit
einer Art Krückstock war abgebildet
worden.

, Schon die Bollandisteu erwähnen diese
Erklärung, doch nur nebenher, ohne ihr
beizustimmen. Unter den neueren Jkouo-
grapheu ist es eigentlich nur der viel zu
wenig gekannte Cahier, der sie unbedingt
vertritt.

Der Antoniermönch trug dieses 1-Kreuz
ans der Brust, es glänzte von den Gie-
beln ttud Thürmen der Antonierklöster und
'Kirchen herab, der terminirende Antonier-
bruder trug sicher ein solches Kreuz mit
sich, das er den Gläubigen zum Kusse
reichte (siehe die oben eitirte Stelle aus
Hans Sachs).

So wird denil auch St. Antonius
sehr häufig, im Mittelalter fast immer mit
dem 'U-Krenz abgebildet. Vielfach trägt
er es in der Weise eines Antoniermönches
an der Schulter, öfter noch an der Spitze
eines Stabes, den er gleichsam als Abt-
stab führt. Manchmal sind zwei T über-
einandergestellt, so in dem Holzschnitt zur
Antoninslegende im „Leben der Väter",
Urach 1481. Häufig ist dem Heiligen
auch das sogenannte Patriarchenkrenz bei-
gegeben, so in dem berühmten Kupferstich
Dürers von 1519 (hier hängt an dem
Kreuz ein Glöckchen), und in einem anderen
Blatt desselben Meisters, das „Antonius
u»d Paulus im Gespräche" darstellt. Nur
ausnahmsweise, wie in einem Holzschnitt
von Erh. Schön, führt Antonius das ge-
wöhnliche lateinische Kreuz.

b) Eiu wichtiges Attribut des Heiligen
üt das Schwein. Abgesehen von der
eurch T. O. Weigel zurückgewiesenen un-
Plalifizirbaren Behauptung, Antonius sei
ursprünglich Schweinehirt gewesen, sind
Ee Jkonographen darin einig, dieses
Attribut sei wenigstens ursprünglich nichts
(/.eres, als das Symbol der unreinen
^Ust, des Satans, der den Heiligen ver-

sucht. Atz ') sagt geradezu, dieses Schweiir
sei eine „Personifikation (!) des Teufels".

Nun ist allerdings das Schwein schon
in ältester, heidnischer Zeit das Symbol
des innerlich Unreine», des Dämonischen,
und auch in der christlichen Ikonographie
hat es öfter diese Bedeutung. Im vor-
liegenden Fall jedoch hat es absolut nicht
dämonischen Charakter, sondern versinii-
bildet einfach, daß Antonius' Fürbitte
mächtig sei gegen das „heilige Feuer",
gegen den „Nothlanf", nicht nur beim
Menschen, sondern auch bei den Schweinen.

Auf allen Darstellungen unseres Hei-
ligen, ans denen ihm das Schwein bei-
gegeben ist, sehen wir es nirgends den-
selben schrecken, oder von ihm als Teu-
felsphantom bekämpft werde», sondern es
ist überall ein höchst harmloses Haus-
schweinchen, das zn Füßen des Heiligen
spielt, drollig sich halb unter den Falten
seines Mantels versteckt und sich dadurch
unter seinen Schutz stellt, oder das zu-
traulich an ihm emporspringt und von
ihm gesegnet wird (so ans einem von
1410—31 datirten Holzschnitt der K.
Kupferstichsammlung in München). Daß
das Schwein als Attribut St. Antons nichts
Dämonisches hat, zeigt unter Andere m
deutlich ein Holzschnitt ans der Mitte des
15. Jahrhunderts, -) wo das Schwetlichen
friedlich ;u Füße» des Heiligen steht,
während ihn von beiden Seiten je ein
Teufel in häßlicher Koboldgestalt bedroht.

Ein Metallschnitt von ca. 1500 'Z zeigt
uns den Heiligen thronend. Rechts kniet
ein Mann und streckt vertrauensvoll die
in Flammen (vom heiligen Feuer) bren-
nende Hand empor, während ans der
anderen Seite zwei knieende Bauern für
ein, offenbar von demselben Uebel be-
fallenes Ferkel, das sie darbieten, Hilfe
erbitten.

c) Ein weiteres wichtiges Attribut
St. Antons ist die Glocke, die von den
Jkonographen fast einstimmig ans der
historischen Thatsache erklärt wird, daß
der terminirende Antoniermönch mit einer

') „Die christliche Kunst" unter „Antonius".

ch Abgebildet in W. Schmidt, „Die frühesten
und schönsten Denkmale des Holz- und Mctall-
schnittes" Nr. 1.

») Abgebildet in T. O. Weigel, „Die Anfänge
der Buchdruckerkunst".
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