Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 23
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Freskomalerei eine Stiftung gemacht worden,
deren jährliche Zinsen M. 3000.— betragen.
Davon sollen in jedem Jahre ein oder mehrere
Bilder in Freskomalerei ausgeführt werden. Der
leitende Gedanke ist der, daß Privatleute in ihren
Wohnräumen Bilder gemalt erhalten, zu welchen
sie selbst den Gegenstand bestimmt haben. Es
haben die fünf Akademien zu München, Berlin,
Düsseldorf, Karlsruhe, Dresden ihre Zustimmung
zugesagt und wird abwechselnd m jedem Jahre
eine derselben die Ausführung durch einen her-
vorragenden Schüler oder jungen Künstler leiten.

In diesem Jahre trifft es die Akademie zu
Karlsruhe und werden Kunstfreunde, welche in
Württemberg, Baden, .Hessen, Hohenzollern, El-
saß-Lothringen wohne» und dort ein Haus be-
sitze», in welchem sie einen Raum durch Fresko-
malerei geschmückt haben möchten, aufgefordert, ;
sich bis zum ersten April d. I. bei der Unter-
zeichneten Behörde schriftlich zu melden und der-
selben Mitteilung zu machen über

1. Ten darzustellenden Gegenstand und die
gewünschte Art der Darstellung (Figuren-
bild, Landschaft, Dekoration).

2. Größe, Gestalt, Lage des Raumes bezw.
der Wandfläche, durch Einsendung eines
Grund- und Ansrisses.

3. Die Höhe der Summe, welche sie etwa bei
größerer Ausdehnung der Arbeit beizu-
steuern gewillt sind. ’

Die Kosten für Vorbereitung der Wandflächc.
Herstellung der Gerüste und der nöthigen Requi-
siten hat der Besteller zu tragen.

Aus diesen Meldungen wählt die Akademie die
ain passendsten scheinende aus und beauftragt
einen ihrer Schüler mit deren Ausführung.

Die geehrten Vorstände der Stadt- und Land-
gemeinden sowie die Herren Künstler- und Kunst-
freunde werden ergebenst gebeten, in ihren Kreisen
dieser Aufforderung möglichst weite Verbreitung
zu verschaffen.

K n r l s r u h e, im Januar 1802.

G r o ß h. A k a d e m i e d e r b i l d e n d e n K ü n st c.

Tileralur.

Ds a »t e s Göttliche Komödie in Wort
und Bild den Deutschen gewidmet von
B e r n h a r d Schüler, socio onorario
della Scuola Dantesca Napolitana,
München, Eigenthmn und Verlag des Her-
ausgebers 1900. ~

..... Verlag

....^y,VU3 25 it. 302. f

Ein niedliches, auf der Außenseite geschmack-
voll mit Dantes feingepreßtem Bildniß geziertes
Büchlein, das inan mit höchstem Interesse liest
und innerster Befriedigung genießt, .hat ja doch
der Herausgeber, dessen Bild dem Titel voran-
gestellt ist, im Text „alles dasjenige, was nur
für Dantes Zeit und Zeitgenossen geschrieben zu
sein scheint und nur mit ermüdenden Anmerkungen
hätte verständlich gemacht werden können, aus-
geschieden, um demjenigen, was der große Dichter
für alle Menschen und für alle Zeiten gepredigt
und besungen hat, seine Aufmerksamkeit zuzu-
wenden". Der nicht versifizierte Stoff ist in
volksthümliche, allgemein verständliche, aber durch-
aus rhythmisch gleich Versen wohllautende Er-

zählung gegossen und gibt ebenso leicht verstand
lich die schönsten und markantesten Stelle» „der
heiligen Dichtung, an welcher Erd' und Himmel
Hand anlegten", in metrischer Uebertragung
wieder. Außerdem orientiert eine Einleitung
genügend und klar über Dantes Leben und
Bildung, sein Verhältnis; zu Virgil und Beatrire
und zu Bonifatius Vllf., über die bis ins
Einzelne durchgeführteDreitheilung seinerDichtung,
deren Verständniß übersichtlich gezeichnete Skizzen
der drei Reiche zu erleichtern suchen.

Der Reichthum und die Klarheit der Bilder
und Gleichnisse, in denen das Niedrigste und
Höchste, der größte Haß und die keuscheste Liebe,
die tiefste Verworfenheit und vollendetste Heilig-
keit, alle Qualen der Verdammten und alle
Wonnen der Seligen geschildert sind, beschäftigten
bekanntlich die berühmtesten Maler fast aller
Zeiten von Giotto und Bernardo Orcagna an
und reizten schon im 15. Jahrhundert dazu, die
Handschriften mit Bilder» zu versehen; so habe»
ja die Lockck Laiir., Paris., Riccard. etc. Illu-
strationen (vgl. das mustergiltige Monuniental-
werk von ch Fr. X. Kraus, Dante, sein Leben
und Wirke» u. s. w. Berlin, Grote, S. 558—607).
An diese lehnten sich vielfach die Illustrationen
der Ausgaben an, welche — nicht illustrierte
eingeschlossen — seit 1472 auf etwa 500 sich be-
laufen. Nach den Illustrationen der Handschriften
und den Bildern altitalienischer Meister der ersten
Florentinerausgabe dell’Ancora (1481?) ent-
standen allem nach auch die in vier Folianten-
bänden gegebenen 125 Kupfertafeln (Florenz
1817—1819?), nach denen die Firma Meisen-
bach, 11! iffarth u. Cie. in München die unserer
Bearbeitung einverleibten 125 Vollbilder
mittelst Autotypieverfahrens hergestellt hat; außer-
dem sind 70 Vignetten nach Federzeichnungen
John Flaxmans in den Text ein geflochten.

Es ist begreiflich, daß ihrem allgemeinen
Charakter nach die 44 Vollbilder, die
auf das Inferno kommen, drastischer ausfalle»
mußten, z. B. die widerlichen Bilder des Erz-
betrügers Geryon, ein „schwarzer Teufel" u. s. w.,
von denen allen der Dichter sagt:

„Traun, als der Kunst, zu zeugen solche Wesen,
Natur entsagte, handelte sie weise,

Dem Mars derlei Vollstrecker zu entziehen!"

Milder schon sind die 40 des Pargatorio, ob-
wohl sie im engen Anschluß an die kirchliche
Lehre noch herb genug anmuthen; vom Trümmer-
hausen Ilions heißt es:

„Wer ist des Pinsels oder Stifts so Meister,
Daß er die Linien oder Schatten male,

Drob selbst der feinste Sinn vor Staunen schwiege?"

Gar trostvoll aber und erquickend leuchten die
41 des Paradiso:

„Natur und Kunst läßt viele Schönheit prangen,
Schafft manche Reize, unfern Blick zu sahen,

Um Geist und Herz zu fesseln durch das Auge;
Doch nichts steht im Vergleich mit jenem Lächeln
Der holden Herrin mein, das sie ausstrahlte.
Mit göttlich süßer Lust die Brust mir füllend."

Wenn künstlerisch betrachtet diese von
hohem Idealismus durchwehten Bilder, so herr-
! lich sie im Ganzen sind, nicht sämmtlich den gleichen
| Werth haben können und wenn auch die dem
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