Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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ung eines Knpferniederschlags an die Hohl-
form, von der er nachher wieder abge-
nonnnen wird — Hohlgalvano —, oder
über einen Modellkern, welcher fortan in
dem Stücke verbleibt — Kerngalvano. Die
cvftcre Art ist die künstlerisch werthvollere,
sofern sie eine Wiedergabe des minutiö-
sesten Details ermöglicht, dagegen besteht
kein Unterschied betreffs der Wetterfestig-
keit. Eingehende wissenschaftliche Unter-
suchungen von Sachverständigen der tech-
nischen Hochschulen zu Stuttgart, München
und Charlottenburg, gestützt auf umfang-
reiche Versuche über das Verhalten des
Kupferüberzugs gegen Athmosphärilien
haben dies bis zur Evidenz bewiesen, und
praktisch hat sich die Weiterfestigkeit be-
währt in der großen Zahl von Denk-
mälern, Grabfiguren und Bauschmnck aller
Art, welche die Anstalt theils nach eigenen,
thcils nach eingesandten Originalmodellen
von hervorragenden Künstlern und Archi-
tekten ausgeführt hat. Für die Leser des
„Archivs" dürften die Erfahrungen von
besonderem Interesse sein, welche mau in
Einsiedeln machte.

Eine auf einer Anhöhe erstellte Bene-
diktnsstatue (Hohlgalvano, 215 cm hoch)
aus der Geislinger Anstalt (nach einem
Benroner Modell) wurde am 15. Mai
1901 vom Blitze getroffen, blieb jedoch
völlig unversehrt, während aus dem mar-
mornen Piedestal ein Stück herausgesprengt
wurde. Mehr kann man von einem Stnud-
bild an Widerstandsfähigkeit nicht ver-
langen.

Und nun von der Produktions-
weise zu den Produkten. Wir kön-
nen dieselben der Uebersichtlichkeit halber
eintheileu in Zimmer-, Gräber-, bcHw.
Straßen- und Kirchenschmuck.

Der

Zimmers chmuck

gliedert sich in Reliefs (Wandbilder) und
eigentliche Plastik.

Bei erstereu beschäftigen uns hier natür-
lich nicht die gelungenen und vielbegehrteu
Porträts Kaiser Wilhelms und seiner
Paladine, moderner Monarchen und lite-
rarischer Größen, auch nicht die an-
muthigen Thierstücke, sondern wir be-
schränken uns auf die streng religiösen
Sujets.

Voranstehen mag Lionardos unsterb-
liches Abendmahl, das mit Geschick ins
Relief übertragen wurde. Jede einzelne
Figur, das Vor- und Hintereinander ist
ebenso getreu wiedergegeben, wie die Per-
spektive des Saales. Letztere kommt be-
sonders zur Geltung, wenn die Figuren
etwas heller gehalten sind. Ein bekanntes
Bild ist Christus als guter Hirte von
Plockhorst; ein Pendant dazu: Jesus der
Kinderfreund, dürste demnächst fertig
werden.

Daran werden sich in absehbarer Zeit
schließen (aus der Hand Alb. Mapers,
des Vorstandes der Modelleurabtheilung):
Christus, in der Wüsteneinsamkeit durch
Sammlung und ernste Ascese sich auf
seinen Berns vorbereitend (en profil), ein
seiner Idee entsprechend strenges Antlitz;
dazu um so aumnthiger und lieblicher als
Seitenstück Maria in jungfräulicher Sitt-
samkeit und Lieblichkeit, und doch nicht
geziert und süßlich, sondern immer noch
eine Figur aus beut Leben heraus.

Ein sehr umfassendes Gebiet ist das für
plastischen Zimmerschmuck im engeren Sinn.
Die vollendeten Reproduktionen antiker
Denkmale: des Zeus von Otricoli, Apollo
von Belvedere, der Venns von Milo, der
Juno Ludovisi, der Diana von Versailles,
des sterbenden Galliers, des Diskus-
werfers seien nur nebenbei genannt.

Der Freund christlicher Kunst wird
sich freuen, Michel Angelas Moses, oder
seinen „Deuker", die Nürnberger Ma-
donna, die Apostelsiguren vom Sebaldus-
grab hier zu finden. Alb. Mapers hei-
liger Georg ist eine Zierde für Arbeits-
zimmer wie Salon. Wer sich mit Bildern
von Zeitgenossen umgeben will, dem steht
die Porträtbüste Leos XIll. oder das Bild
Windihorsts (sitzend) zur Verfügung. Auch
au metallenen Steh- und Hängekreuzeu
fehlt es nicht. An Reliefmedaillons sind
vorhanden: Christus mit der Dornenkrone
(in doppelter Ausführung) und als Pen-
dant zu beiden passend, die schmerzhafte
Muttergottes. Doch gehören dieselben
streng genommen bereits zu einem andern
Gebiet nämlich dem

Gräbers chmuck.

Wohl das bedeutsamste Grabmonument
ist der segnende Christus nach Thorwaldsen;
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