Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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weiler, k. preuß. OA. Siginariugen, hat die Um-
schrift: Ave. Maria. Gratia, l'lena. Dominus.
Tecum. 1621. Joachini Folmer in Vi de rach
goS mich. Unter einem kleinen Salemer Wappen
das Wort Salein und die Jahreszahl 1621.

Einer dieser Glockengießer Vollmer (Fol-
mer) war ein fanatischer Gegner der katholischen
Kirche. Luz, Biberach S. 147 erzählt nemlich:
„Bolmar habe keine Glocke mehr fiir die
Paepstlichen gegossen, weil viel sonderbare Ge-
brauch dadurch verrichtet werden". Es ist dieses
wohl derjenige Glockengießer Johannes Vollme r,
dessen Tochter der 1543 als Abendprediger in
Biberach nngestelltc Jacob Schopp er (-s-1547)
1543 heirathete.

Zu dieser Familie Volmer mag auch Sebastian
Vollmer gehört haben. Die zweite Glocke in
Wolsenbanscn. OA. Nottenburg, hat die Um-
schrift: Aus den, Feuer bin ich geflossen, Sebastian
Vollmer hat mich gegossen. Sid Deus est pro
nobis, quis contra nos ? Anno Domini 1592;
darunter eine Kreuzigungsgruppe.

Eine lveitere Biberacher Glockengießerfamilie
sind die Schmelz. Beim großen Brande in
Reutlingen, 24. Sept. 1726 ivaren die l! Glocken
des Hauptthurms der Marienkirche, worunter eine
gegen 90 Centner wog, nebst den dreien des
grünen Thurms herabgestürzt und alle bis auf
die Stundenglocke geschmolzen. Deil Guß neuer
übertrug man dem Glockengießer Christoph
Schmelz. Die Biberacher Gießer kamen mit
dein Zunftmeister Johannes Kurs?, Glockengießer
in Reutlingen, der, als sie im Zwinger gossen,
sich zudringen wollte, in Ungelegenheit; auch die
Obrigkeit kam nach erhobener Klage in solche.
Allein die Sache wurde beigelegt. Am 18. Aug.
1728 wurde dem Glockengießer Christoph Schmelz >
von Biberach ein Attestat ertheilt, daß er ivieder i
Glocken in die Stadtkirche gegossen hätte und
zwar eine von 56 Centner, die ziveite von 34,
die dritte von 23, die vierte von 13, die fünfte
von 3 und die sechste von 1'/- Centner. Nach
einer andern Angabe lviegt die Gebetglocke 65,
die Eilferglocke 35, die Feierabend-Glocke 25,
die Dreierglocke 11 Centner und wurde von

I. G. Schmelz ans Biberach 1727 und 1728
mit dem Kindsglöcklein, 125 Pfund schwer, ge-
gossen. Letzteres ist entschieden falsch, da die
125 schwere Glocke in dem Attestat nicht er- l
wähnt ivird. Die Betglocke zeigt in gegossener !
Ueberschrift nicht nur die Zeit des Kirchenbrandes
(1726) und des Gusses nebst dem Namen dos
GießerS (Joh. Georg Schmelz von Biberach),
sondern hat auch folgende Verse:

Laß Herr diese Glocken
klns stets zur Buße locken!

Ach! Dein Wort laß schallen,

Bis die Welt wird fallen
In die letzte Flamm',

Jesu, Gottes Lamm!

Laß dieser Glocken Schall, Herr in die Herzen

dringen.

Damit Gebet und Buß uns deine Gnad mög'

bringen!

Am 21. Februar 1728 wurde die Eilfeglocke,
den 22. März die größte, die Betglocke, an ihre
Stelle gebracht. Am 26. Mai 1728 wurde bei

einer Beerdigung wieder zum ersten Mal mit
allen Glocken geläutet.

In der Spitalkirche in Hechingen hängen zwei
Glocken. Die Umschrift der einen, größeren,

lautet: Sanctn Maria mater dei ora pro nobis.
Joseplius .Wilhelmus dei gratia. Princeps de
I-Iohenzoller'): Hechingen. In einer Cartouche:
Johann Daniel und Johann . Georg Schmölz
gossen mich in Biberach. Stuf der zweiten steht:
Sancte Johannes Baptista ora pro nobis. Das
folgende, wie auf der ersten Glocke. Die ziveite
Glocke in Steinhilben, preuß. OA. Gammer-
dingen, zeigt die Aufschrift: Marcus. Lucas.
Mattheus. Johannes. Johann Daniel und Jo-
hann Georg Schmelz gosseir mich in Biberach
1758. Benedicat virgo Maria. Die alte Acht-
uhrglocke in Biberach wurde 1758 von Johann
Daniel und Joh. Georg S ch in e l z gegossen und
trägt über dein Christusbild die Umschrift:

„Christe Jesu, Rex judäorum miserere nobis."

Bon Joh. Daniel Schmelz sind noch weitere
Werke vorhanden. Die dritte Glocke in Bingen,
preuß. OA. Sigmaringen, hat die Umschrift:
Sit Nomen Domini Benedictum. Johann Daniel
Schmelz in Biberach. Darunter hübsches Fries:
die Kundschafter tragen Trauben aus dem ge-
lobten Lande. Auf dem Mantel die Jahreszahl
1761. Auf der andern Seite: Maria Regina
8. 3. Rosarii S. Regina Mater Dei.2) Die
größte Glocke daselbst hat die Umschrift: Jo-
hannes f Osanna f Lucas f Marcus f Ma-
thaeus f Anno 1767, darunter Sanctus f Sanc-
tus ch Sanctus ch Dominus Deus Sabaot. Pleni
Sunt Coeli Et Terra Gloria Tua. Osanna In
Excelsis. Schönes Fries. Auf dom Mantel:
Johann Daniel Schmcltz gos mich in Biberach.
Cath. In einer Cartouche: J. H. S. Darüber:
Sit nomen domini benedictum. Auf der zweiten
Glocke daselbst steht: Angelus Domini Nonti-
avit (!) Marie Et Concepit De Spiritus (!)
Sancto. A. 1769, darunter: Johann Daniel
Schmcltz gos mich In Biberach. Cath. Die
zweite Glocke in Jnneringen, preuß. OA. Gammer-
tingen, hat die Umschrift: Sud tuurn praesidium
confugimus sancta dei genitrix. Darüber die

heilige Dreifaltigkeit. Dann: Der Allerhöchste
hat sein Volk geheiligt. Tiefer: Karolus von
Langen, Kapellan. Ignatius Freiherr von Laß-
berg. Unten: Josefus Klecc und Joscfus Blatter,
Heiligenpfleger, Abogastus Bügle, Schultheiß.
A. D. MDCCLXXXVIII. Johann Daniel
Schmelz goß mich in Biberach. Cath. Sit nomen
domini benedictum in aeternum.8) Auf der

’) Negierte 1750—1798.

2) Die erste Glocke iit Dillstetten, preuß. OA.
Gainmertingen, hat die Umschrift: I. Daniel a.
Bib. a 1764, ist wohl auch ein Werk Joh.
Daniels Schmelz.

8) Auch die vierte Glocke in Jnneringen ist
in Biberach gegossen, ohne daß der Gießer be-
kannt ist. Auf derselben steht: Ucee ancilla
Domini fiat mihi secundum verbum tuurn. Et
verbum caro factum est et liabitavit in nobis.
Vicit deo de tribu Juda. Radix David ex
Cant. 4,5. Alleluja! Biberach 1747. Mehrere
Reliefs.
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