Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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dritten Glocke in Steinhilben, preuß. OA.
Gammertingen, steht: Semen mulieris contra
caput serpentis. I. D. Schmelz in Biberach
1787. Die dritte Glocke in der Pfarrkirche zu
Böblingen hat die Umschrift: aus dem Feuer
bin ich geflossen, Johann Georg Schmelz hat
mich gegossen 1765, die kleinere Glocke in Rom-
melsbach, OA. Tübingen: benedictuin sit nomen
Domini vivos voco, mortuos plango. Georg
Christian Schmelz goß mich in Biberach. So-
dann folgt das Relief des heiligen Georg und
die weitere Aufschrift: Zum Andenken der Stif-
terin von der Glocke Anna Barbara Raiser.
Die mittlere Glocke in Unter-Deufstetten, OA.
Crailsheim, hat die Umschrift: Ave maria gratia
plena, dominus tecum 1826. Karl Daniel
Schmelz gpß mich in Biberach. Die größere
Glocke in Pfeffingen, OA. Balingen, goß 1830
C. D. S ch m e l tz in Biberach. In Winterlingen,
OA. Balingen, goß 1832 und 1833 Ge. Christian
Schmelz zwei Glocken mit den Inschriften:
„Vivos voco, mortuos plango, ich taut zur
Andacht, zur Ruhe, zur Eintracht" und „zur
Ehre Gottes."

Werke der Familie Schmelz sind wohl auch
die drei „Biberacher" Glocken von 1796 in
Grundsheim, OA. Ehingen, und die drei „Bibe-
racher" Glocken von 1808 in Rechtenstein, OA.
Ehingen.

Die jüngste Biberacher Glockengießerfamilie
sind die Zoller. Die Kirche in Nasgenstadt,
OA. Ehingen, soll Glocken von Zoller in
Biberach von 1750 haben (wohl Druckfehler statt
1850). Tie beiden neueren Glocken in Ober-
Stotzingen, OA. Ulm, goß 1860 Zoller in
Biberach, eine mit dem Namen Pius und Bildern
der Immaculata und St. Joseph, die andere
mit Kreuzigungsgruppe und Maria Verkündigung.
Ebenfalls von Zoller in Biberach ist die große
Glocke in Stetten ob Lonthal, OA. Biberach.
Die vier Glocken in Elchingen, OA. Neresheim,
goß 1863 Konrad Zoller in Biberach. Der-
selbe goß 1864 die größte und die kleinste Glocke
in Straßdorf, OA. Gmünd, 1868 drei Glocken j
in Trugenhofen, OA. Neresheim. Die große
Glocke in Nordhausen, OA. Ellwangen, hat die

Umschrift: 8nd tuum praesidium confugimus
sancta Dei genitrix! Darüber eine Madonna.
Auf der andern Hälfte: Gegossen von Konrad
Zoller in Biberach 1872. Darüber das Bild des
heiligen Martin, wie er mit dem Schwert den
Mantel durchschneidet. Auf der mittleren Glocke
daselbst steht auf der einen Seite das Bild des
heiligen Joseph mit der Lilie und dem Jesu-
kind, darunter die Inschrift: Ora pro nobis
beatissime Joseph! Auf der andern Seite:
Verkündigung Mariae und darunter: gegossen
von Konrad Zoller in Biberach 1872. Auf der
kleinen Glocke daselbst steht einerseits der heilige
Vitus im Kessel stehend und darunter: Sancte
Vite Ora pro nobis! Andererseits: St. Georg,
den Drachen besiegend. Darunter: gegossen von
Konrad Zoller in Biberach 1872. Die drei
Glocken in Rengershausen, OA. Mergentheim,
sind ebenfalls 1874 laut Umschrift von Konrad
Zoller in Biberach gegossen. Auf der ersten
steht ferner noch: 8t. Leonharde, patrone

ecclesiae, ora pro nobis, dabei das Bild des
heiligen Leonhard, auf der zweiten: Ave Maria'
gratia plena, dabei das Bild der Gottesmutter,
auf der dritten: O bone pastor, implera nobis
pietatem et tutelam pecudum, dabei das Bild
des heiligen Wendelin. 1874 goß Zoller in
Biberach fünf Glocken in Kirchbierlingen, OA.
Ehingen, 1883 eine neue in Donaurieden, OA.
Ehingen, welche 1416 Mark kostete, 1874 das
Meßglöckchen in der bischöflichen Kathedrale zu
St. Martin in Rottenburg. Konrad Zoller in
Biberach goß zwei Glocken in Ergenzingen, OA.
Rottenburg, 1879 um. Die Umschrift derselben
■ lautet: Ave maria gratia plena, in cruce salus.
O Maria sine labe concepta ora pro nobis.
Die große Glocke in Bühl, OA. Rottenburg, hat
die Umschrift: Mariae matri ter admirabili Vir-
gin! immaculatae. Sub tuum praesidium con-
fugimus. Gegossen von Konrad Zoller in Bi-
berach 1891. Zoller in Biberach goß auch
vier neue Glocken in Rupertshofen, OA. Ehingen,
die 4800 Mark kosteten, zwei in Ellenberg, OA.
Ellwangen, drei Glocken in Zipplingen, OA. Ell-
wangen. Auf der einen der letzter,! steht: Früh
und spät ruf' ich euch Christen, sucht das Himmel-
reich. Gegossen 1868 Konrad Zoller; ferner das
Bild der heiligen Barbara: 8ancta Barbara,
impetra nobis, ut s s. sacramento muniti de
vita decedamus. — Ans Liebe zu Gott und
seiner hl. Mutter ein Beitrag von Anton Lechner
in Zipplingen mit 600 fl. Auf der andern
Glocke steht: A fulgure, grandine et tempestate
libera nos, Domine. — Durch eifrige Anregung
des hochw. H. Pf. Haslach in Zipplingen und
seinen Beitrag von 1000 fl. — Dein Lob, o Herr
und Gott, will ich verkündigen unter deinem
Volke. Die aus Anlaß des Regierungsjubiläums
Königs Karl I. von Württemberg gestiftete „König
Karl-Glocke" in Biberach wiegt circa 14 Centner
und tragt das Bild „Christus am Kreuz" um-
geben von der Jungfrau Maria und dem heiligen
Johannes Evangelista, sowie die Inschrift: „Bis
hieher hat der Herr geholfen" und „Jesu Christe
Rex noster miserere nostri." Um die Glocke steht:
„Aus dankbarer Erinnerung NN das 25jaehrige
Regierungsjubiläum des Königs Karl", auf der
andern Seite befindet sich das Stadtwappen mit
dem Leiber und die Schrift: „Gegossen von
Anton und Karl Zoller in Biberach 1889".
Schöne Verzierungen und Karyatidenköpfe, pracht-
voll modellirt, schmücken die Glocke, welche einen
Beweis liefert von der Blüthe der Glockengießer-
kunst in Württemberg am Ausgang des 19. Jahr-
hunderts.

Wie in wenigen Städten Württembergs hat
sich in Biberach die Glockengießerkunst vom Mittel-
alter bis zur Gegenwart mit geringen Unter-
brechungen erhalten.

2. in Hall.

Nur ganz vorübergehend erscheinen in der
Reichsstadt Hall Glockengießer. Die kleinste
Glocke in Unter-Heimbach, OA. Weinsberg, ist
1704 von Joh. Martin Dietz gegossen. An ihr
befinden sich die Worte: consumor aliis inser-
viendo . . . Mein Klang wird wohl gehört,
ich aber werd verzehrt. Die zweite Glocke in
Forchtenberg, OA. Oehringen, tragt folgende Um-
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