Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 51
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Krone ans dem Haupte und ein langes
Gewand mit einem Gürtel.

Die Füße, wie bei dem ersten nicht
durchbohrt, stehen nebeneinander ans dem
Kreuzesstamm, während die Hände ans
beiden Gemälden durchbohrt sind.

Das interessanteste Kümmernisbild bei
uns dürfte wohl das im Kloster K i r ch -
heim im Ries befindliche Wandgemälde
sein, welches dem Ende des 14. Jahr-
hunderts angehört und im „Archiv für
christliche Kunst", Jahrgang 1892 Nr. 9,
abgebildet ist. An den Stufen des Altars
der Geiger, auf dem Altar ein Schuh,
über dem Altartisch die Figur des oder
der Gekreuzigten, mit langem, den ganzen
Körper deckenden Gewände und Gürtel
und gezackter Krone auf dem Haupte.
Eigenthümlich die viereckigen Kreuzesenden,
und der oben um den Gekreuzigten sich
ziehende Bogen, welcher in Lilienornamen-
ten auslänft. Vgl. „Archiv" 1892, Seite 76.

Wenden wir uns nach Hohenzollern, so
stoßen wir auch hier auf einige Spuren
des in Rede stehenden Kultes. Denr treff-
lichen Werke: „Die Bau- und Kunstdenk-
male in den hohenzollern'schen Landen"
von Hofrath Dr. Zingeler und Architekt
Lanr entnehmen wir die Nachricht, daß
im Pfarrhause zu Esseratsweiler,
OA. Sigmaringen, einige alte Oelbilder
anfbewahrt werden, dabei ein Oelbild mit
einer Figur in königlichem Schmuck, auf
einem Kreuze stehend. Aufschrift: ,,Lancia
Xvmernvs. 1640 copiert." Wir selbst
haben im letzten Jahr bei einem Besuche
der Klosterkirche zu Stetten beiHechin-
gen ein hierher gehöriges Bild daselbst
angetroffen, wobei wir es leider versäumten,
alle Einzelheiten genau zu studieren. Doch
können wir auf Grund unserer Besichtigung
und der uns von Seite des dortigen Herrn
Lehrers gemachten Mittheilungen eine kleine
Beschreibung liefern. Das Bild — ein
Gemälde — scheint nicht alt zu sein; ge-
nannt wird es die göttliche Hilfe. Die
bekleidete Figur ain Kreuze hat eine ge-
zackte Krone auf dein Haupte, auf der
Brust ein kleines Kreuz, die Hände ange-
nagelt, die Füße verwundet nebeneinander,
nicht angenagelt. Die Kreuzesenden feien
viereckig, auch befinde sich oben ein geschweif-
ter Bogen mit zwei Engelsköpfen, rechts und
links wieder je zwei Engelsköpfe, etwas

weiter unten rechts und links je ein größerer
Engel, ganz unten am Bild fei das Auge
Gottes gemalt. Noch vor 25 Jahren seien
die Leute zum Theil aus weiter Entfernung
zu dem Bilde gewallt, um ihre Anliegen
vor demselben vorzubringen. Auch habe man
früher Kerzen und Wachsfiguren geopfert.

So viel über die Stätten des Kultes
der heiligen Kümmernis; beschäftigen mir
uns nun mit der näheren Erklärung ihrer
Legende.

lieber die Kümmernisfraae existiren
allerlei, zum Theil ganz abenteuerlich
klingende Ansichten. Mone sagt in seiner
Beschreibung des Bruhrains: „Selten

ftitb das aus Holland stanimende Bild
der heiligen Jungfrau als „Frau Küm-
mernis" und die Sichemer Mutter Gottes.
Dieselben kamen durch den Verkehr auf
dem Rhein nach Speier und durch die
Einwanderungen der Holländer im 18.
Jahrhundert an den Bruhrain." Otte
spricht in seinem „Handbuch der kirchlichen
Knnstarchäologie" 3. Auflage S. 321 von
einer Era, einer Jungfrau mit langem
Bart, weil sie sich als Schutz gegen die
Nachstellungen ihres eigenen Vaters Häß-
lichkeit erflehte; sie litt den Tod am Kreuze.
Patronin der Krypta des Domes in Braun-
schweig. Seite 236 lesen wir: „Kümmernis
oder Wilgefortis wird das Bild einer bär-
tigen gekreuzigten Jungfrau genannt, welche
mit der hl. Era identisch zu sein scheint.
Ein wunderthätiges Kümmernisbild findet
sich in der Wasserkapelle zu Saalfeld. Di-.
Pfleiderer schließt sich in seinem Werke
„Die Attribute der Heiligen" so ziemlich
an Otte an, wenn er Seite 11 schreibt:
„Wilgefortis, angebliche Tochter des Königs
von Portugal, Jungfrau, Märtyrin. Auch
Liberata, Ontkommera (Entcommene),
Kümmernis genannt. Gekreuzigt mit einem
Scyuh. Mythische, nie kanonisirte Heilige,
aus Vir§o kortis oder Venus barbata
entstanden, identisch mit Era."

(Schluß folgt.)

Die angeblichen Bilder cholbein des
pleiteren im Dom zu Augsburg.

Von Max Bach.

(Schluß.)

Nun aber zum Weingartener Altarmerk.

Dr. Schröder entrüstet sich zunächst
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