Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 58
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8. April 1812 erwarb Christian Adam Kurtz,
Zinngießer in Reutlingen, durch Kauf von Martin
Reichert er, Metzger, das „Kirchlein" (Ge-
bäude Nr. 29 der Oberamteistraße, nachher
III. Stadttheil Nr. 121). Jni Kaufverträge ist
gesagt, das; das „gewölbte Kirchlein im March-
tallischen Hof, welches zu einer Roth- und Glocken-
gießerei eingerichtet werde, nie zu einem Wohn-
haus eingerichtet werden dürfe und daß die
vordere Thür an der Kapelle zugemauert werden
müsse. Hingegen sei Herr Kurtz berechtigt, eine
andere Thür in die Kapelle und Hofmauer zu
seinem Gebrauch brechen zu lassen, doch dürfe
dieselbe nur allein zu den Röhrstangcn benützt
werden." 1813 goß Kurtz in Reutlingen eine
Glocke in Sickenhausen, OA. Tübingen. Dies
kan» aber auch Johannes Kurtz sein. Dagegen
datiert von 1818 das erste sichere Werk des
Christian Adam K u r tz. Auf der zweiten Glocke
in Neuhausen ob Eck, OA. Tuttlingen, steht:
gegossen von Christian Adam Kurz in Reutlingen
1818, auf der größten Glocke in Wurmlingen,
OA. Tuttlingen: gegossen in Reutlingen von
Christian Adam und sohn Franz Kurz für Wurm-
lingen >818, die größte Glocke in Trichtingen,
OA. Sulz, ist 1823 von Christian Kurtz in
Reutlingen gegossen. Christian Adam Kurtz
und Sohn Franz gossen 1823 die zweite kleine
Glocke in Eckenmeiler, OA. Rottenburg. >824
goß Kurtz die größte Glocke St. Margaretha
in Margrethausen, OA. Balingen. Die kleine
Glocke in Obernau, OA. Rottenburg, mit den
Namen von Pfarrer und Schultheiß ist 1825
von Christian Adam und Sohn Franz Kurtz
in Reutlingen gegossen. Am 13. März 1827
starb C h r i st i n n Adam K u r tz in Reutlingen.

Sein Sohn Franz Ludwig Kurtz, geb.
24. Aug. 1776 in Reutlingen, erwarb 1827 vom
Vater das „Kirchlein" (die Glockengießerei im
Marchtaler Hof in Reutlingen). Auch er war,
wie schon erwähnt, Glockengießer in Reutlingen.
Die dritte Glocke in Pliezhausen, OA. Tübingen,
trägt die Umschrift: 1809 gegossen Franz Kurz
in Reutlingen, ebenso die kleine 1828 gegossene
in Wankheim, OA. Tübingen. Er goß auch 1828
die größere Glocke in Ueberberg, OA. Nagold.
Er starb aber schon 9. Oktober 1831 in Reut-
lingen. (Schluß folgt.)

Literatur.

Das Vater Uns e r i in G e i st e d e r alt c-
sten Kirchenväter in Bild und Wort
dargestellt von Ludwig Glötzle und
Or. Alois K n ö p f l e r. Z >v e it e A u f-
lage. Neun Heliogravüren. Folio
(VI u. 44 S, Text in Roth- und Schwarz-
druck). O ri gin a l-Lei nw andb andinit
Goldschnitt. Freiburg, Herder
190 1. M. 14.

Schon nach kurzer Zeit (3 Jahre») konnte
eine zweite Auflage dieses warm ansprechenden
Prachtwerkes in die Welt gehen. Der Verfasser
des in der neuen Auflage revidirten und thun-
lichst vervollständigte» Textes hatte ja mit seinem
scheinbar so einfachen Gedanken eine» guten

Griff gethan: sein Vater Unser nach den bezüg-
lichen Schriftstellen alten und neuen Testaments
und der Lehre der ältesten Kirchenväter beider
Sprachen ist eine wahre Gebetsschule exegetischen
und paränetischen Charakters in durchaus origi-
naler Form und wohldurchdachter Anordnung,
ein Belehrungs- und Erbauungsbuch ersten
Rangs, das in richtiger Würdigung der mensch-
lichen Bedürfnisse und Fähigkeiten auf reichen,
tiefinnersten Gehalt, ans Kürze und thunlichste
Vermeidung von Wiederholungen bedacht war.

Athmet der Text die gesunde und stärkende
Luft der ältesten christlichen Glaubenszeugen,
deren Gedanken und Worte, so oft wiederholt,
anch heute noch nicht durch bessere ersetzt werde»
können und es nie werden, so suchen auch die
9 Heliogravüren, deren schönsten eine in
verkleinerter Form und anderer Herstellungsart
auch die Außenseite ziert, den leitenden Grund-
gedanken des Textes zu entsprechen; auf Grund
eingehenden Studiums gewissermaßen den Ge-
danken der Armenbibel weiterführend, wußte der
Künstler die zweifache Beziehung zum Vorbild
und Mittelpunkt alles Christenthums und zu dem
Bedürfnis; nnd den brennendsten Fragen der be-
drängten Menschen der Jetztzeit in lebenswahrster
Darstellung ad oculos zu demonstrire»: des
Menschen Herz findet sein Glück nur in der
Sonnensphäre Christi und seiner Kirche. Auf-
fassung und Zusammenfassung der abstrakten
Gedanken, so schwierig an sich, ist durchaus
treffend, Komposition künstlerisch tadellos, Dar-
stellung einfach und doch abwechselungsreich, leicht
verständlich, edel, Ausführung außerordentlich
sorgfältig und im höchsten Grade malerisch: —
nahezu lauter wohlgelungene christliche Kunst-
werke, wieder ganz dazu angethan, ächten Kunst-
sinn im Volke zu verbreiten und dessen Kunst-
gefühl zu veredeln. (Wenn ein ganz nebensäch-
liches, kaum erwähnenswerthes Bedenken zu äußern
erlaubt ist, so betrifft es allenfalls die weniger
natürliche Stellung der kleinen Adamsfigur bei
der sechsten Bitte.)

Die Ausstattung des Ganzen in Papier, Druck
— man beachte besonders die stilvolle» Initia-
len — und Einband ist eine dem Charakter des
Inhalts entsprechende vornehme.

Das Werk empfiehlt sich, ivo immer es be-
kannt wird, nach jeder Richtung hin selbst; bei
so vielen Gelegenheiten wird man Einzelnen und
Familien kaum einen liebwertheren und zuver-
lässigeren Führer zum richtigen Verstehen, tieferen
Erfassen und andächtigen Verrichten des uns vom
Erlöser selbst gegebenen Gebetes auf den Lebens-
weg mitgeben können.

I. Schermann.

Tizians Zinsgroschen, in farbiger

Reproduktion. Leipzig. E. A. See-
mann.

Die Seemann'schen „Wandbilder" wurden vor
Jahren von den Freunden klassischer Malerei
mit Freuden ausgenommen. Vermißte man auch
die Farben des Originals, so hatte man doch im
übrigen eine getreue Reproduktion desselben.
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