Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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macht, der eben seiner hohen Malerkunst
halber zu einem Ritter geschlagen worden
ist uub den Pinsel nicht mehr in die Hand
nimmt, der gleichwohl auf des Großherzogs
Begehren es aber nicht abschlagen konnte
und cs über sich genommen hat nach Lust
und Gelegenheit es zu machen, zumat er
(wie fast alle hohen Künstler) schürfig
(empfindlich), hat ihm der Großherzog
nicht einreden, noch ihn fragen dürfen.
Gleichwohl hat er das Bild im zwölften
Jahre vollendet, aber dergestalt, das; bis-
her die alterthümlichsten Maler daran ver-
gaffen und nicht genugsam ansehen und
die Kunst loben konnten, sintemalen er
neben der wahren Contrefeinng nebenbei
die Kunst mit eingebracht hat und die
natürlichen Gebärden beider Personen, der
heiligsten in den Himmel verzückten Mntter
Gottes und des grüßenden Engels in sei-
ner demüthigcn Ehrerbietung, dergleichen
»och in keinen; unter tausend Gemälden
der hl. Verkündigung einmal ist gesehen
worden, zumal auch das Bild zehn hiesiger
großer Werkschuh hoch und elf breit ist,
der Maler zwar nicht elf Jahr, sondern
nur 3 oder 4 mal in elf Jahren, wenn '
ihm die Kn st ankam, daran geinalt hat.
Solches köstliches Bildnis; ist in der Stifts-
kirche z>; Hall in die Kirchenwand ein-
gesetzt und durch fürstliche Durchlaucht,
regierenden Herzog Maximilian ans Vaiern
schön und zierlich mit gefärbter Stein-
arbeit gefasst'» worden.

Was dieses köstliche und anmuthige Bild
für schöne und allgemeine Andacht ver-
ursacht, das ist täglich männiglich vor
Angen, zuinal auch die Freinden von
weit»»; ihre Andacht und Kirchfahrlen
allher nehmen, ungeachtet daß das Bild
mit dreifachem Tuch (Deckel) bedeckt und
versperrt und nur zu gewissen Zeiten des
Jahres den andächtigen Fremden geöffnet
wird." So Guarinoni in der Biographie
Eleonoras.

Im Jahre 1619 ward das Bild voll-
endet und langte kurz vor den; Ableben

thätig, wc> er vielfach für den Hof beschäftigt,
eine große Menge kirchliche, auch einige historische
Bilder und viele Porträts, worunter die der
Familie Modici, in Fresko und in Oei ausführte.

Er ist besonders bedeutend als Bildnißinaler
und inan findet von ihm Porträts in den Gallerien
von Dresden, Florenz, London, Madrid, Neapel,
Paris, Rom, Turin und Wien. Anmerk. d. Red.

i der beiden erzherzoglichen Schwestern
Christierna und Eleonore in Hall an,
nllivo es in der DamenstiftSkirche, die
ivegen der prachtvollen heilige,; Gefasst,
der kostbaren Ornate und Paramente, der
werthvollei; Knnstgenüilde und Religuiei;
die reichste und prächtigste Kirche in Tirol
war, einen ehrenvollen Platz fand ilnd bei
den StiftSfränlein, ivie auch bei der Be-
völkerung i>; Hall i;nd Uiilgebnng eine
große Verehrung genoß.

Das große Gemälde hat mit de»; kunst-
reich geschnitzten Nahmen eine Breite von
3,78 Meter oder 12 Schuh und eine Höhe
von 3,20 Meter oder über l<> Schuh.
Dasselbe ist mit einen; schön und reich
verzierten Deckel versehen, n»; es vor
Dan;pf, Kerzenrauch und Staub zi; schützen.
Ans diese»; Deckel findei; sich zwei gemalte,
lebensgroße Knnstgenien, die in der einen
Hand je eine Palnre, in der anderen mit-
sammen eine i>; lateinischer Sprache ab-
gefaßte, in goldenen Buchstabei; geschrie-
bene und von Rosen nmkränzte Inschrift
halten. Dieselbe hat folgenden Wortlaut:
1619.

Deiparm
Angelico ore
Salutatse

Aeternum illaesum Numen qua;
Rapto in coelum ore concipit.

Hcec quia manus nescit artifex
Ora formale.

Hetrusca fonnavit in urbe Florentise
Diva manus.

Apograplium Halensis hmc habet ardes
Gratia pictoris darum,

Clarius Virginis.

Ad has ne metue supplex aras accedere.
Unam et Hala Matrem habet
et Florentia.

In deutscher Uebersetzung dürfte diese
Inschrift lauten:

1619.

Der Gottesmutter
von des Engelsmnnd gegrüßt!

Mit gen Himmel entzücktem Antlitz
Empfing sie unversehrt de;; ewigen Gott!
Keine Künstlerhand vermochte
Dieses Antlitz zu bilden.

Und es wurde gebildet ii; Florenz,
Hetruriens Stadt,

Von himmlischer Hand.
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