Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 70
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Bei uns war Cacilia Patronin in der
alten Kirche zu Untergriesheim, welche auf
dem Kirchhofe stand und jetzt abgebrochen
ist (Beziehungen zu Mosbach oder Mainz?),
ebenso in Uhingen, OA. Göppingen. Ein
Cäcilienkloster bestand zu Pfullingen bei
Reutlingen.

Reliquien der hl. Cacilia wurden an
mehreren Orten verehrt, so in Erstein im
Elsaß, welches von der Kaiserin Irmen-
gard, Geniahlin Lothars, einen Theil des >
Hauptes der hl. Cacilia erhielt, und in
Dijon, wo die Kirche Sainte Benigne
ebenfalls das Haupt der Heiligen zu be-
sitzen wähnte. Die Reliquien in Erstein
sollen später von einer Aebtissin dein Erz- j
bischof von Mainz, von welchem sie die
Bestätigung ihrer Wahl erlangte, geschenkt
worden sein.

Schnürer schließt seine Abhandlung über
die hl. Kümmernis mit folgenden Sätzen:

„Schon jetzt können mir erkennen, wie
eine nicht mehr verstandene Verehrung des
am Kreuze hängenden Erlösers im Hei-
ligenkult untergegangen ist. Vergebens
versuchten kritische Geister, die nicht das
ganze Material beherrschten und es kaum
beherrschen konnten, Klarheit zu verschaffen.
Sie halfen nnr dazu, daß die Legende,
der es freilich an schönen Zügen nicht
fehlt, desto tiefer sich festwurzelte. Aber
andererseits winkt doch gerade hier jetzt
dem kritischen Forscher, der die Legende
als solche anfdeckt, eines der schönsten Er-
gebnisse. Sein Ziel ist ein noch viel!
schöneres als das des Kunstarchäologen, !
der den alten Goldgrund eines Gemäldes
wieder anfdeckt. Wir können hier als I
Devise die Worte des Psalmisten nehnien, !
welche den Introitus zum Sonntag nach
Christi Himmelfahrt bilden: »Tibi dixit j
cor rneurn, quaesivi vultum tuum. Vul-
tum tuum Domine requiram«.''

Auch wir wollen uns mit diesen Worten
vom Leser verabschieden und noch anfügen,
daß die Legende der hl. Kümmernis nicht
vor Ende des 15. Jahrhunderts bezeugt
ist, und daß die Verschmelzung mit der
den Zeiten der römischen Christenver-
folgungen angehörenden portugiesischen
Märtyrin Liberata erst Anfangs des 17.
Jahrhunderts erfolgte.

Die Glockengießerkunst

in den Reichsstädten Biberach, Hall,
Heilbronn, Ravensburg, Reutlingen
und R o t t w e i l.

Von Theod or Scho n.

(Fortsetzung.)

1829 wurde die Glocke in Boll, Oberamts
Nagold, von Kurtz in Reutlingen gegossen.
Darunter ist doch wohl Franz Ludwig Kurtz
zu verstehen. Von ihm erhielten dessen Brüder
Heinrich und Christian Kurtz je hälstig 183L
das „Kirchlein". 1833 empfing Christian
Gottlob Kurtz senior, Glockengießer, das
Kirchlein im Marchtaler Hof hälftig von seinem
Vater Heinrich Kurtz, Glockengießer in Stutt-
gart und erkaufte 1838 die andere Hälfte von
seinein Oheim Christian Kurz, Seifensieder in
Reutlingen.

Es scheint nach dem Tode von Franz Ludwig
K u r tz die Firma Ch r i st i a n K u r tz und Sohn in
Reutlingen fortbestnnden zu haben. Von derselben
ist gegossen 1831 die zweitgrößte, schön verzierte
Glocke in Schwenningen, OA. Rottiveil. Die
kleinere Glocke in Großengstingen, OA. Reut-
lingen, ist 1832 von Christian Adam Kurtz ge-
gossen, hat Namensinschriften des damaligen
Geistlichen und des Schultheißen des Ortes. Die
drei Glocken in Seebronn, OA. Rottenburg, wur-
den 1882 und 1834 gegossen von Christian Adam
Kurtz Sohn in Reutlingen. Die vierte Glocke
in Nusplingen, OA. Spnichingen, wurde 1830 in
Reutlingen von Christian Adam Kurtz gegossen.
Die kleinste Glocke in Pfalzgrafenweiler, OAl
Frendenstadt, ist 1835 von K u rtz in Reutlingen
gegossen. Zwei Glocken in Gniebel, OA. Tübingen,
sind von demselben 1835 umgegossen worden und
1835 die kleinere in Oberdigesheim, OA. Ba-
lingen, gegossen worden. Auf der einen Glocke
in Dettenhausen, OA. Tübingen, steht: gegossen
in Reutlingen von Chr. Adam Kurtz und Sohn

1836. Sie ist schön verziert. Die größere Glocke
in Neuweiler, OA. Böblingen, hat die Umschrift:
Christian Adam Kurtz und Sohn in Reutlingen

1837. Die zwei Glocken auf dem Thurm in der
Pfarrkirche zu Altenburg, OA. Tübingen, sind
1837 von Christian Adam Kurtz und Sohn in
Reutlingen gegossen worden; ebenso 1837 die
mittlere in Ostdorf, OA. Balingen, von Kurtz
und Sohn in Reutlingen. Die größere Glocke
in Hagelloch, OA. Tübingen, ist 1838von Kurtz
und Sohn in Reutlingen gegossen worden. Die
größte, mit Luthers Bildnis; versehene Glocke
in Schur«, OA. Tuttlingen, hat die Umschrift:
gegossen in Reutlingen von Christian Adam Kurtz
und Sohn 1838. Die größte Glocke in Erlaheim,
OA. Balingen, ist 1838 von C. A. Kurtz und
Sohn in Reutlingen, die kleinere in Meßstetten,
OA. Balingen, 1839 von Kurtz in Reutlingen
gegossen. Christian Kurtz in Reutlingen goß
1839 auch die größere Glocke in Wachendorf,
OA. Horb.

Christian Gottlob Kurtz, geb. 24. Oktober
>805 tu Reutlingen, Sohn des dortigen Glocken-
gießers Heinrich Kurtz, und Enkel des Ncut-
linger Glockengießers C h r i st i a n Adani K u r tz,
ließ sich in Remlingen als Glockengießer nieder.
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