Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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Die größere, schön verzierte Glocke in Schlait-
dorf, OA. Tübingen, ist 1842 in Reutlingen von
Kurtz gegossen worden. Die zweitgrößte Glocke
in Nehren, OA. Tübingen, ward 1853 gegossen
in Reutlingen von K u r tz und hat die Umschrift:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.
Die dritte daselbst ward 1843 von demselben ge-
gossen. Auf der vierten Glocke in der Pfarrkirche
in Spaichingen liest man: gegossen in Reutlingen
von Kurtz. 1844. Die dritte Glocke in Kirchen-
tellinssurth, OA. Tübingen, ward 1845 zu Reut-
lingen gegossen von Kurtz. Von demselben wurde
1846 eine Glocke in Oeschingen, OA. Rottenburg,
umgegossen. Derselbe hat auch 1849 die dritte
Glocke in Kusterdingen, OA. Tübingen, gegossen.
Auf der dritten Glocke in Oferdingen, OA. Tü-
bingen, steht: gegossen in Reutlingen von Kurtz
1850. Auch goß er 1850 und 1852 zwei Glocken
in Spielberg, OA. Nagold, und 1851 eine Glocke
in Boll, OA. Sulz, 1851 und 1852 die Glücken
in Petcrzell, OA. Oberndorf, 1860 die große in
Wankheim, OA. Tübingen, und 1864 die zweite
Glocke in Jmmenhausen, OA. Tübingen. Die
drei Glocken in Bitz, OA. Balingen, sind sämmt-
lich ans neuerer Zeit von Kurtz aus Reutlingen.
Christian Gottlob Kurtz starb 9. Dezember
1881 in Reutlingen. Sein Sohn Gottlob
Christian Kurtz, geb. 15. Mai 1841 in Reut-
lingen, -s 21. Februar 1885 daselbst, war der
letzte Glockengießer in Reutlingen. 1885
gieng die Marchtalerkapelle aus dem Besitz von
dessen Wittwe um 3500 M. an Carlos Maser,
Privatier in Reutlingen, für die Freimaurerloge-
glocke am Fuße der Alb über.

6. In Rottweil.

In der Reichsstadt Rottweil war der Glocken-
guß sehr alt. Tie größere Glocke in Burgfelden,
OA. Balingen, hat die Umschrift: o rex . glorie .
Criste . veni . cum . pace . dis glvgg . macht
Hans . Klain . vnd . oswalt . ze Rotwil 1418,
die kleinere Glocke in Weiler unter der Rinnen,
OA. Spaichingen: o rex glorie criste veni cum
pace . Hans klain UN oswalt . lucas . marcus .
matheus . iohannes, die zweitgrößte Glocke an
der Kapellenkirche zu unsrer lieben Frauen in
Rottweil in gothischen Minuskeln: o rex glorie
cnste veni cum pace . lucas . marcus. matheus .
iohannes . anno 1418 Hans klain. Oswald
Klein erscheint 2. August 1449 als Richter zu
Rottweil'), Die eine Glocke in Bergfelden, OA.
Sulz, hat die Umschrift: o rex glorie veni cum
pace Osanna haiß ich, Klein von Rotweil gos
mich. Lucas, Marcus, Matheus, sanctus Jo-
hannes. Am unteren Rande steht anno und
eine „eigenthümliche" Jahreszahl, die aber nicht
7027, sondern 1470 gelesen werden darf. Unter

1527, londern 1470 gelesen werden darf. Unter
der Umschrift ist zweimal Christus am Kreuz mit
Maria und Johannes abgcbildet. Diese Glocke
ist 40 Zentner schwer und wegen ihres schönen
Tons in der ganzen Gegend bekannt. Die Leute
halten viel von der Glocke. Die Sage geht, sie
sei im dreißigjährigen Krieg in der Decke ver-
graben worden. Die mittlere Glocke in Sulz,
OA. Sulz, hat die vier Evangelisten ohne s und
fügt zu dem o rex glorie noch hinzu: lienhart

) „Württ. Geschichtsfuellen" III, 481.

klain a. d. CCCCL (1450). Auf der dritten
Glocke in Frrttlinaen, OA. Spaichingen, sieht
man in gothischen Minuskeln die Namen der
vier Evangelisten und ferner: anno domini
MCCCCCXI osctwalt klain. Ein weiterer Gießer
mar Paul Zwölfer. Auf der zweiten Glocke
in Gosheim, OA. Spaichingen, steht: Paulus
Zwölfer gos mich in Notweil . Anno 1653,
auf der dritten in Flötzlingen, OA. Rottweil:
Paulus Zwölfer in Rottweil 1657.

(Schluß folgt.)

Literatur.

Die K u n st i in D i e»st e der K i r ch e.
Ein Handbuch für Freunde der kirchlichen
Kunst von Dr. G. Jakob, Domdekan
und Bischöfl. Geistl. stialh in Negensburg.
5. A., Landshut 19 ■ 1 (XX und 535 S.,
Titelbild und 20 Tafeln; Preis brosch.
Ai. 8.—, geb. M. 10.—).

Wenn Jemand, der noch nie etwas vom
„Jakob" gehört haben sollte, die nunmehr er-
schienene. 5. Auflage des Werkes mit den alt-
ehrwürdigen Kupfertafeln in die Hand bekommt,
wird er sicher glauben, ein Buch aus der Mitte
des vorigen Jahrhunderts vor sich zu haben,
und wird nicht wenig erstaunt fein, wenn er bei
näherer Prüfung auf dem Titelblatt die Jahres-
zahl 1901 entdeckt. Einigermaßen begreiflich
wird ihm dieser Anachronismus erst werden,
wenn er aus den abgedruckten Vorworten zu
den vorausgegangenen Auflagen ersieht, daß das
Buch im Jahre 1857 zum ersten Mal erschienen
und seither ohne wesentliche Aenderuugen nach
Inhalt, Anlage oder Ausstattung immer wieder
neu aufgelegt worden ist. Daß der Verfasser
durch die ersten Auflagen seines Werkes sich um
die Verbreitung knnstgeschichtlicher Kenntnisse na-
mentlich unter dem Klerus große Verdienste er-
wor ben hat, wird von Jedermann dankbar nner-
kannt werde». Ob aber das Buch auch heute
noch in dieser Hinsicht großen Nutzen stifte»
wird, muß mehr als fraglich erscheinen, zumal
nachdem in den letzten Jahren durch eine Reihe
neuer trefflicher und oabei doch nicht zu iheurer
Lehr- und Handbücher der Kunstgeschichte allen
Bedürfnissen nach kunstgeschichtlicher Belehrung
Rechnung getragen ist. Gegenüber dem reichen
Material an guten Illustrationen, das alle diese
Werke in richtiger Würdigung des hohen Wcrthes
der Anschauung für das Stubium der Kunstge-
schichte bieten, bedeuten die wenigen Abbildungen
auf den 20 Kupfertafeln (bie „aus Pietät" bei-
behalten wurden!) im Buche von Jakob so gut
wie nichts, und es ist daher letzteres schon aus
diesem Grunde zur Einführung in die Kunst-
geschichte ungeeignet und ungenügend, ganz ab-
gesehen davon, daß cs ausschließlich „die Kunst
im Dienste der Kirche" behandelt, ein rechtes
Verständnis derselben aber ohne vorausgegan-
genes Studium der Antike und ohne Berücksich-
tigung der gleichzeitigen künstlerischen Thätigkeit
auf profanem Gebiet unmöglich zu gewinnen ist.
Diese Mängel scheint der Verfasser selbst wohl
gefühlt zu haben und rechtfertigt dem gegenüber
die Neuauflage mit dem Bedürfnis) nach einem
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