Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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vorgeschlagenen Einleitung zur Restauration
kam es zunächst nicht.

Zn Anfang des Jahres 1889 wurde
ein ziveiter Anlauf zum Unternehmen be-
gonnen und zugleich noch ein weiteres
Ausschußmitglied des Diözesau - Knnst-
vereins, Herr Dekan Jäggle in Herlaz-
hofen, zur Berathung beigezogen.

Es handelte sich hier vor allem auu die
Frage, was von der inneren kirchlichen
Einrichtung entfernt und was beibehalten
werden sollte und je nachdem diese Frage
gelöst würde, konnte eine größere Einheit-
lichkeit in der stilistischen Ausstattung der
Kirche erzielt werden. Es ward nun die
Meinung geltend gemacht, die Restauration
sollte sich an das Vorhandene, an Altäre,
Kanzel und Chorgestühl anschließen, der
Hochaltar also belassen oder in einen Bal-
dachin umgewandelt und die ganze Fassung
und Ausmalung des Innern im Renais-
sancestile ausgeführt werden. Es war auch
bereits von einem Künstler ein Baldachin-
altar, an dem die vorhandenen Altar-
blätter Verwendung finden könnten, ent-
worfen und dein Kirchenstiftungsrat in
Wangen vorgelegt worden. Allein gegen
diese beabsichtigte Art der Restauration,
welche den architektonischen Stil der Kirche
ganz aus dein Auge gelassen hätte, mußte
entschiedener Widerspruch eingelegt werden.
Der Hochaltar war nichts weniger als ein
Kunstwerk und zudem noch aus Theilen
zweier Stile zusammengesetzt: der obere
Theil stammte aus der Renaissancezeit und
war eine völlig kunstlose und in den
Ornamenten rohe Arbeit, der untere Theil
mit Tabernakel und Predella gehörte dem
Zopf an. Auch das Chorgestühl war aus
dieser Zeit und nur eine bessere Schreiner-
arbeit. Mit Entfernung dieser Einrich-
tungen und der der Apostelfiguren im
Schiffe der Kirche, die völlig unwürdig
waren, wäre also der christlichen Kunst
kein Eintrag geschehen. Allein man wollte
auf Erstellung eines neuen Hochaltars und
eines neuen Chorgestühles vorerst nicht
eingehen und so unterblieb die Restau-
ration abermals.

Im Frühjahre 1898 wurde dann ein
dritter und endlich zum Ziele führender
Schritt zur Restauration der Kirche ge-
than. Es wurde, was allein das Rich-
tige war, aber leider vorher nicht geschah.

von dein neuen Herrn Stadtpfarrer
Schmid der Vorstand des Diözesan-
Kunstvereins zu einer Sitzung des Kirchen-
ftiftnngsrates eingeladen, um hier vor
allem eine eingehende, mündliche Dar-
legung über die Einleitung und Durch-
führung der Restauration in allen einzel-
nen Theilen zu geben, namentlich die
Gründe darzulegen, warum die zopfigen
Einrichtungen der Kirche entfernt und der
Architektur derselben entsprechend auch die
neue innere Dekoration in gothischem Stile
gehalten werden soll. Und nun erfolgte
ein einstimmiges Eingehen ans die ge-
machten Vorschläge und konnte mit der
Restauration begonnen werden.

(Forts, folgt.)

'Klein -Koinburg
Pfarrei Steinbach bei Hall.

Von F. X. Mayer, Pfarrer in Ludwigsburg.

5. Kapuzinerkloster.

„Wenn das nachnialige Kapuziuerkloster hier
eingerichtet worden, ist unbekannt. Es bestand
bis 1803." (Schriften des Württ. Alterthums-
vereins 1869.) — lieber diese Entstehung und
Einrichtung Klein-Komburgs als Kapuziuerkloster
haben wir Urkunden (in der Pfarrregisträtur
Steinbach) anfgefunden, deren Inhalt wir hier
folgen lassen.

a) Stiftung Ost eins.

Im Jahre 1684 ließ der 17. Dekan von
Koinburg: I o h a n n H e i n r i ch von O st e i n
Klein-Komburg zu einem Kapuzinerkloster ein-
richten. Dieser Stiftsdekan, aus rheinischem
Adel im Oberelsaß stammend, lebte von 1642
bis 1698. Zum Dekan von Koinburg war er
gewählt am 2. April 1074; am 5. Mai kam er
in Koniburg au, am 6. Mai, Sonntag Exaudi
nach der Predigt nahm er Besitz vom Chor.
Den Unterthaneneid leisteten die Kvmburg'sche»
Patronatspfarrer mit den Unterthanen am Don-
nerstag den 28. Mai; die von Gebsattel am
20. August 1674. Er ivar zugleich „hoher Dom-
und Ritterstifter Würzburg und Koinburg, re-
gierender Dekan imb Kapitularherr, auch hoch-
fürstlich Würzburg'scher Geistlicher Rath". Er
wird gerühmt als ein Mann voii Tugend uiid
von Eifer für das Heil der Seelen. Dieser
Dekan ließ nun aus der bayerischen Kapuziner-
provinz anno 1682 (1681 hatten sich die I\ 1J.
Franziskaner zu Schillingsfürst in einem Me-
morial „um reception auf den St. Egidiberg"
an ihn gewandt, Arch. Koinburg) 4 Patres
mit einem Laienbruder nach Koinburg
kommen, hielt dieselben 2 Jahre in seinem eigenen
Haus, ehe das Hospital in Klein-Komburg über-
gebeii wurde. In diesen 2 Jahren bezogen sie
die Vicariats competenz von 81 fl. 6 Hr., nebst
25 Scheffel Dinkel, 24 Eimer Wein und 5
Klafter Holz. 1684 war Klein-Komburg für sie
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