Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

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zur Wohnung eingerichtet, worauf sie dahin
übersiedelten. Dainit hatte der Dekan von
Ostein den Anfang zur Gründung des Kapuziner-
konventes in St. Gilgen gemacht.

Dieser Dekan v. Ostcin hat viel für die katho-
lischen Stiftsunterthanen gethan. In G r o ß-
a lim er spann baute er eine Kapelle und das
Pfarrhaus (1691) und stiftete die Pfarrei (Stif-
tungsurkunde in der dortigen Pfarrregistratur
und sein Oelbild im Pfarrhaus). In Hausen
an der Roth ließ er einen Ausbau für den Got-
tesdienst auf das Pfarrhaus setzen (daher fein
Wappen im Pfarrhaus daselbst). In S tein b a ch
gründet er den Gottesacker jenseits des Kochers
aus seinen Mitteln, umgab ihn mit einer Mauer
und baute in demselben die Kapelle in der Ge-
stalt der heiligen Grabkapelle in Jeru-
salem im 16. Jahrhundert. In die Stifts-
kirche stiftet er zwei Ornate, sechs größere und
vier kleinere silberne Leuchter mit einem Kruzifix;
in die Josephskapelle in Koniburg den Hochaltar
>67-1 mit dein Bilde des hl. Joseph von Oßwald
Ouchers (1674); das Engelamt mit seinen
zwei Brüdern; einen Jahrtag mit Geldvertheilung
an die Armen. Er starb in Würzburg an Licht-
meß 1095 und ist daselbst begraben. In sein
Grab will nach seinem Testament von 1716 sein
Bruder Franz Karl nach seinem Tode beigesetzt
werden.

1>) Stiftung P f ü r d t s.

Bon 1684—1713 waren nach dem Bisherigen
hier Patres Kapuziner mit einem Laienbruder
u> Klein-Komburg. Im Jahr 1713 kommt die
2 t i f t u n g P f ü r d t s u u d der Neubau des
KI o st e r s.

Friedrich Gottfrid Ignatius Frey-
herr von Pfürdt (im Birsthal in der Nähe
von Basel ist der Stammsitz derselben, auch
„Pfirt" geschrieben), war „Cantor und Capi-
thlar im Komburg, jegleichen des hohen Domb-
stift zu Aichstett, Bassil und wiederum des Ritter-
sliffts ad s. Burcliardum in Würtzburg Domb-
u»d Kapitularherr, resp. Domcantor und Lapel-
lauus Honoris, Herr zu Biengen, Krötzingen und
Schwarzwaldt". Er ist mit dem Bruder des
Dekan von Ostcin, Franz Karl, der Erbauer der
Wallfahrtskirche zu den 14 Nothhelfcrn auf dem
Einkorn, am 25. August 1683 geweiht von
dem Würzburger Weihbischof Stephan Weinberger.
Pfürdt starb in Eichstädt am 10. 7dns (Sept.)
1726. Sein Wappen, ein rechtssteigender Löwe,
ist am einstigen Konvertitenbau, jetzt Schul- und
Rathhaus in Steinbach, und an den Eckpilastern
der Stiftskirche zu sehen.

. Dieser Chorherr stiftet „zur sonderbahren (be-
sonder») Ehren Gottes und ersprießlichen (Nutzen)
der katholischen Religion" für das Kap uzin er-
Ih s pitium S. I lg (S. Gilgen) 1000 sl. zur
svsortigen Verwendung, nemlich zur „Ergrößerung
oes vorhandenen Klosterbaues" und 10 000 fl.
sur Sustentation von weitern sieben Kapuzinern
»zur Einrichtung eines beständtigen und regu-
lierten Klosters von zwölf Personen".

Ritterstift Komburg nimmt diese Stiftung
"m Im Kapitel waren damals anwesend : Franz
iia>l v. Ost ein, Senior und Jubiläus; Hart-
mann Theobald Ignatius von Reinach; Joh.

Ad. Zobel von Giebelstadt und Christoff Franz
v. Hutten zu Stolzenberg (1699 Capitular,
1724—29 Fürstbischof von Würzburg, 23. März).
Das Bittgesuch um Bestätigung dieser Stiftung
vom 23. Mai 1712 wird am 7. März 1713 ge-
währt von dem Fürstbischof Johann Philipp
v. Greifenklau.

6. Bau des Kapuzinerhospizes.

In der Zwischenzeit ließ Freiherr von Pfürdt
den Klosterbau ausführe». Maister Jo s. G raiß-
ling von Würzburg übernimmt am 20. Xbris
(Dezembers 1711 den Klosterbau nach dem über-
gebenen Riß; er verspricht, „den alten baw abzu-
breche», den Platz Räumen zu lassen, auch den
alten Thurm ahn der alten Kirchen daselbst ab-
zubrechen. (Daraus folgt, daß der Thurm der ro-
manischen Basilika neben der Kirche stand, nicht
als Vierungsthurm oder Dachreiter
auf derselben. Dieser Thurm war 1528 nach
einem Blitzschlag am Tage Laurentii kürzer ge-
macht. Durch die Kapuziner bekam die Kirche
später einen Dachreiter. Mejer, „Beiträge zur
Geschichte Komburgs" S. 59.) Dieser r 0 m a-
nische Kirchthurm war entweder baufällig,
oder dem Klosterbau im Wege und wurde des-
wegen von Graißling abgetragen. Weiter ver-
spricht er: nach vorgedachtem Riß den „Newen"
Bau aufzuführen und zwar alles auf seine Kosten;
die Wohnung und Beschaffung der Materialien:
„Sant, Kalch, blattenstei», Backhenstein sambt der
fuhr — der santführen ausgenohmen — aus
eignen mittlen". Dafür erhält er vom Baron
v. Pfürdt 1800 fl. auf drei Termine: zum
Anfang 500 sl., nach „verfertigter Helfte 700 fl.
und nach gesieltem völligen baw" den Rest von
600 fl. Weiter erhält der Baumeister versprochen:
„baw- und Rüsthoitz und breiter aus den Platz
geliefert". Er scheint den Bau nicht nach Wunsch
betrieben zu haben; denn am 23. September 1713
beklagt sich der Stiftsprediger Brennfleck
(1693—1730 Chorvikar) in einem Schreiben an
eine mit „Magnificenz" «»geredete, nicht näher
bekannte Persönlichkeit, daß der Meister nicht zum
Bau komme, die gravaniina nicht entgegennehme
! „und die guten palres nur suche mit langer nasen
herunibzuziehe», »lassen (— da) er dem Ver-
nehmen nach örst Kürtzlich zu Cüntzelsaw sich ein-
gefunden, wo er dan ohne anhero zu Kommen,
sich verlautten lassen: er hätte nichts zu Komburg
zu thun, noch sei er gesinnet, einen Heller mehr
wegen des geführten bawes auszulegen". Die
Kapuziner lassen die Magnificenz bitten, ihnen an
die Hand gehen zu wollen. Sie ivollen die 250
von ihm zu viel eingenommenen Gulden ad redi-
mendam fexam cediren, wenn er nur seine Schul-
digkeit thue. Ob diese Bitte von Erfolg gewesen,
ist den Akten nicht zu entnehmen. (Dieser Meister
war auch vorher beim Bau der Stiftskirche
thätig, wo er nach dem Aecord von 1706 das
Gewölb, den Dachstuhl und Dachmerk übernimmt
um 1236 Thaler, 6 Malter Korn und 6 Eimer
Wein und „Mr. Joseph greißling, burger und
Stadtzimmermann in würtzburg" unterschreibt
(cl. „Archiv für christliche Kunst" 1897 Nr. 3,
S. 28).

Endlich war der Bau mit 14 Zellen an der
Nordseite der Kirche mit drei Flügeln, ivelche
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