Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 82
DOI Heft: 10.11588/diglit.15935.37
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15935.41
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15935.42
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15935.43
DOI Seite: 10.11588/diglit.15935#0092
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1902/0092
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
82

mit der Kirche einen rechtwinkligen Hof ein-
schließen, fertigqestellt. Er hat zwei Stockwerke
mit zehn Fenstern in jedem Stock lresp. Doppel-
fenster nach Norden, n»d mit je acht nach Osten.
Nach Westen schließen sich die Oekonomiegebäude
in einiger Entfernung an.

7. Unterhalt der Patres.

Dazu hatte Pfürdt 10 000 fl. Kapitalien ge-
stiftet und dem Ritterstift Kombürg über-
geben. Dieses verpflichtet sich, ans den Zinsen
dieses von ihm verwalteten Kapitals jährlich an
die zwölf Kapuziner, da sie nicht für sich in deren
„urkatholischen Territorio" terminiren können und
sollen, folgendes zn leisten:

200 fl. baares Geld,

46 höllischer Eymer Wein,

21 Walter (anch Scheffel) Korn,

5 Malter Dinkel,

25 Malter Gerste znm Bierbranen,

21 fl. an Geld zur Kirchenfabrik, Bau, Re-
paration und Anschaffung von Para-
menten.

(Ein Haller Eimer — 50 Liter, etwas weniger;
4(1 Eimer — etwa 7 Eimer.)

Das Ritterstift liefert diese ausgesetzte» Raten
„ohne alle Reflexion und Absicht aus etwa fallenten
oder steigenten Preyh".

(Schluß folgt.)

Die Glockengießerkunst
in den R eichsstädtelt Biberach, Hall,
Heilbron», Ravensburg, Reutlingen
und Rottweil.

Bon Theodor Schön.

(Schluß.)

Die dritte, ganz kleine Glocke in Gößlinge»,
OA. Rottweil, ist 1657 gegossen von Paulus Zwöl-
fer in Nottweil. Ein dritter Glockengießer in Rott-
weil war August H ug g er. Dieser August H u gg er
in Rottweil goß 1842 und 1864 zwei Glocken
in Weigheim, OA. Tuttlingen, 1844, 1845 und
1854 drei Glocken in Wellendingen, OA. Rott-
weil, 1845 die kleinere in Sigmarswangen, OA.
Sulz, 1846 die zweite in Trossingen, OA. Tutt-
lingen. Auf der größten Glocke in Deilingen,
OA. Spaichingen, steht: August Hugger goß mich
in Nottweil 1846. Die drei Glocken in der
1848/49 neu erbauten Pfarrkirche in Jrrendorf,
OA. Tuttlingen, sind ebenfalls von Hugger
gegossen. August Hugger goß 1852 diezweite
und 1851 die größte Glocke in Mariazell, OA.
Oberndorf, 1852 die vier Glocken in Fridingen,
OA. Tuttlingen. Die größte Glocke in Bcsfen-
dorf, OA. Oberndorf, hat die Umschrift: gegossen
von A. Hugger in Nottweil 1857. Maria ist
mein Name. 1857 und 1863 goß er zwei Glocken
in Sulgen, OA. Oberndorf. Die größte Glocke
in Rothenzimmern, OA Sulz, ist 1858 von
Hugger gegossen worden. Die kleinere zu
Hausen ob Verena, OA. Tuttlingen, hat die Um-
schrift: Gegossen von A. Hugger in Nottweil
1859 und

Zn Gott empor!

Ruf' ich in's Ohr.

Die größte Glocke in Flötzlingen, OA. Nott-
weil, wurde 1859 gegossen von A. Hugger und
hat die Inschrift: Jauchzet Gott mit fröhlichem
Schall. Auch die zweite Glocke in Schura, OA.
Tuttlingen, ist 1860 von A. Hugger gegossen
und hat die Umschrift: „Ein'veste Burg ist unser
Gott", desgleichen im selben Jahr die dritte da-
selbst mit der Inschrift: „Lobet den Herrn in
seinem Heiligthum", ferner wurde eine uralte
Glocke aus dem Egelsee gezogen und für die
Kirche in Rietheim, OA. Tuttlingen, 1864 von
ihm umgegossen. Diese hat die Umschrift: Ge- •
gossen von A. Hugger in Nottweil 1864. Gott
zu Ehr und den Menschen zum Heil. A. Hugger
goß 1866 drei neue Glocken für Stetten ob "Rott-
weil, OA. Ilottweil, und 1877 die vierte Glocke
in Hirrlingen, OA. Rottenburg. Einige Jahre
vor 1875 goß A. Hugger eine kleinere, 1697
gegossene Glocke in der Heiligkrenzkirche in Rott-
weil um. Anch goß er die drei Glocken in der
Kirche zu Dürbheim, OA. Spaichingen, und zwei
in der zu Schörziugen, OA. Spaichingen, und
drei in der zu Mühlhausen, OA. Tuttlingen.
Nach der 1875 erschienenen Oberamtsbeschreibung
von Nottweil lebten Glockengießer lnemlich August
Hugger) und drei Gehilfen in Rottweil.

Eine stattliche Reihe von Glockengießern hat
in diesen verschiedenen Reichsstädten gewirkt. In
zweien derselben (Biberach und Nottweil) erhielt
sich die Glockengießerkunst bis auf die Gegenwart
hinab.

Literatur.

Jahrbuch der bildenden Kunst 1902.
Früher Almanach für bildende Kunst und
Kunstgewerbe. Unter Mitwirkung von Dr.
Woldemar von Seidlitz - Dresden heraus-
gegeben von Max Martensteig. Verlag
der Deutschen Fahrbuch-Gesellschaft. Berlin
SW. 48. — 1902.

Bei der großen Produktivität, die sich seit
mehreren Jahren ans dem Gebiet der Schrift-
stellerei über bildende Kunst geltend macht, ist
es auffallend, daß es bisher immer noch an einem
Werke gefehlt hat, wie es Heuer in diesem „Jahr-
buch" zum ersten Mal geboten wird. Wie schon
der Titel sagt, will dasselbe „Bericht erstatte»
über das Kunstschaffen des abgclanfenen Jahres
1901". Es geschieht dies in einer Reihe von
frisch geschriebenen Aufsätzen ans der Feder nam-
hafter Fachschriftsteller. Hiebei will das Jahr-
buch weder einen einseitig konservativen, noch
einen übertrieben modernen Standpunkt vertreten,
sondern „beruft sich auf den hl. Augustin, indem
es mit ihm sagt: Kunst ist, was die großen
Künstler gemacht haben" (Vorwort). Der bei
aller Hochachtung vor den Koryphäen der Kunst
immeryin verhältnißmäßig ntichterne Ton in der
Besprechung ihrer Werke macht einen guten Ein-
druck, und doppelt erfreulich muß der Aufsatz
über den großen Tobten des Jahres 1901, über
Böcklin, für alle diejenigen sein, welche die
schwülstigen und phrasenreichen, wie Apotheosen
klingenden Nekrologe auf diesen modernen Heiden
in den verschiedensten Zeitschriften im vorigen
loading ...