Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 109
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mit beit Schlüsseln und Paulus. Auf dein
Hinteren Deckel: zwei Bischöfe int Ornat,
einer einen mächtigen Schlüssel haltend,
und zwei paliuentragende Jungfrauen;
eilte derselben ist durch den Blumenstrauß
als St. Dorothea charakterisirt, die Deu-
tung der übrigen Heiligen ist zweifelhaft.

Die Jnnenbilder weisen folgende Dar-
stellungen auf, von denen wir der Kürze
halber nur dann eine nähere Beschreibung
bieten, wenn sie für ihre Zeit Ungewöhn-
liches enthalten:

1. Mariä Verkündigung.

2. Christi G e b u r t.

3. Darstellung, merkwürdigerweise
verbunden mit der Verkündigung an die
Hirten.

4. Anbetung der Könige.

5. Kinderino rd. Ein Engel nimmt
oben die Seelen der getödteten Kinder ans.

6. Flucht nach Aegypten; Maria
reitet mit dein Kinde auf dein von Sankt
Joseph geführten Esel. Die Mutter zeigt
auf eine fruchttragende Palme, und das
Kind streckt darnach seine Händchen aus.
Es ist hier offenbar auf die Legende an-
gespielt, wonach der Palmbanm sich vor-
dem Jesuskinde gebeugt und seine Früchte
dargeboten habe. Hinter der heiligen Fa-
milie folgt — was ziemlich ungewöhnlich
ist ■— eilte Magd, die das Reisegepäck
trägt. *)

7. Taufe Chri st t. Christus ist bart-
los, ein ungeflügelter, nimbirter Engel
hält ihm ein Tuch dar.

8. Einzug in Jerusalem.

9. Abendmahl. Dem Judas fährt
ein Teufelchen in den Mund.

10. Christ ns a in Oelberg knieend;
aus einer Wolke erscheint Gott Vater,
als kurzbärtige, jugendliche Gestalt und
segnet Christum. Jin Vordergründe liegen
sämmtliche zwölf Apostel schlafend.

11. Gefangennahme Jesu, Kuß
des Judas, Petrus schlägt den Malchus.

12. Jesus vor Herodes.

13. Geißelung.

14. Kreuztragung mit Simon von

Cyrene.

15. Christus am Kreuz, mit drei
Nägeln angeheftet, schon todt.

') J»l hortus deliciarum ist es eilte als servus
Joseph bezeichnete männliche Gestalt.

16. Kreuzabnahme; hier sind die
Füße Jesu wieder mit zwei Nägeln ange-
heftet.

17. Grablegung.

18. Auferstehung.

(Fortsetzung folgt.)

Iur Aüininernislegende.

Von Pfarrer Reiter.

Es sei uns gestattet, das „Material
zur Kümmernislegende" mit etlichen Sätzen
zu bereichern.

Ein Theil der Schwierigkeiten, welche
die Episode mit dein Geiger schafft, würde
wohl am einfachsten beseitigt werden durch
! die Annahme, daß das Bild, welches ein
kostbares Gewand und kostbare Schuhe
au den Füßen trug, einem armen Geiger-
lein oder einem armen Manne durch Zu-
werfeu eines goldenen Schuhes aus seiner
Roth geholfen habe, daß in der Roth dem
Manne des Vertrauens Hilfe geworden
sei. Die gleiche Idee ist auch in einer
Mariensage zum Ausdruck gebracht, in
' welcher erzählt wird, daß ein Bild der
Mutter Gottes einem armen Manne beide
Pantoffeln zugeschleudert habe. Dichterisch
verwerthet ist diese Sage in einem Ge-
dichte, welches Eusebius Einmeran in
seine Sammlung: „Die Glorie der hl.

I Jungfrau Maria" (Nürnberg 1841) auf-
genommen hat. Das Gedicht hat die
Ueberschrift: „Die Mnttergottes-Pantof-
feln" und schildert die wunderbare Hilfe,
welche ein „armer Mann voll Noth und
Drang" vor dem Bilduiß unserer lieben
Frau erfahren. Er muß zum Tode geh',,.
„Da fleht er eine letzte Huld:

Nur einen Augenblick Geduld,

Bis er dem Bild an heiliger Statt
Die neue Noth gebeichtet hat. . . .

Mit einem holden Lächelgruß
Bewegt das Bild den zweiten Fuß
Und schleudert auch den andern Schuh
Dem weinenden Verehrer zu."

Klein-Aomburg
Pfarrei S t e i n b a ch bei Hall.

Von F. X. Mayer, Pfarrer in Lndivigsburg.

(Schluß.)

13. Kapuzinergruft.

Bei der Einrichtung des Klosters zum Ge-
fängnis; wurde auch die Kapuzinergruft, ein halb-
; unterirdischer Anbau mit vergittertem Fenster
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