Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 113
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Lrgllii dcs NotteiMl'gtt ^iözchli-ÄcrcinS für Hriftliche Kiliift.

kjcraiisgegcl'cii und redigirt von Pfarrer Dctzcl in St. Lhristiiia-Ravensbnrg.

DerUig des Hotteiiluirger DiSzesail-Aniistvereiiis;

Kommiffionsperlag der Ionischen Buchhandlung (Friede, Alber) in Ravensburg.

Or. ii.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.— durch die würrtembergischen, M. 2.02
durch die bayerischen und die Neichspostanstalten, Kronen 2.64 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in
der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von allen Buchhandlungen TQQO
sowie gegen Einsendung des Betrags direkt von der Dornschen Verlagsbuchhandlung in s
Ravensburg (Württemberg) zum Preise von M. 2.05 halbjährlich.

Oie christliche Ärmst auf den Aus-
stellungen im Glaspalast und dem
königlichen Ausstellungsgebäude zu
München.

Von Ir. I. Rohr, Stadtpfarrer in Geislingen.

(Schluß.)

Alls dem Leben Jesu haben mir
mehrere und zwar fast durchweg tüchtige
Darstellungen. E. Zimmermann schildert
in seinem „Kommet her zu mir alle. . ."
(Nr. 1566), wie die Mühseligen und Be-
ladenen, von Leiden gebeugt und doch von
Vertrauen gehoben, sich zum großen Wun-
derthäter schleppen oder schleppen lassen.
Auch Christus mit Joseph, der ungläubige
Thomas und die übrigen schon von früher
bekannten Nummern aus der Kollektiv-
ausstellung des ain 15. November des
vorigen Jahres verstorbenen Meisters
reihen sich würdig an. Eroli Ernlo's
,,Ecce Agnus Dei“ stellt einen Moment
ans der heiligen Nacht dar. Maria und
Joseph knieen vor dem von einem Engel
gehaltenen Kinde. L. Fahrenkrog(Nr. 294a)
bietet einen „Jesus von Nazareth, pre-
digend". Bei A. Hertels „Ruhe ans der
Flucht" (Nr. 509) verschwinden die Per-
sonen in einer an Rembrandt gemahnen-
den Weise in der groß gedachten land-
schaftlichen Umgebung; die Technik ist
anerkennenswerth. Mit besonderer Ge-
uugthuung registriren wir E. Müller's
«Darstellungen ans einem Cyklus in der
"eidensgeschichte — Krenzwegstationen"
(Nr. 2197 a—c). Sie verbinden Adel der
Figuren mit Individualität, Leben mit
Klarheit der Komposition, Schönheit der
Form mit Tiefe des Gemüths, und wenn

wir für eine galvanoplastische Knnstanstalt
(Ulf die Suche nach Modellen für einen
Kreuzweg zu gehen hätten, so wären wir
keinen Augenblick im Zweifel, wohin wir
uns wenden müßten. Schuster - Moldau
hat mit seiner „Phantasie zum hl. Drei-
königsabend" (Nr. 1205) schwerlich ein
religiöses Bild liefern, sondern nur wie-
dergeben wollen, was die Kinderphantasie
sich denkt, und dann ist es ein treffliches
Bild. Aehnlich ist K. Hartmann's „Christ-
nacht" (Nr. 451) zu rangiren. Lilli Fin-
gelberg's Chrlstnskopf („letzter Blick" Nr.
2167) ist etwas gar zu düster.

M arienbilder finden sich eine größere
Anzahl. Zart empfunden ist G. Eckehardt's
„Ave Maria" (Nr. 245), anmuthig G.
Barison's „Madonna" (Nr. 37), ähnlich
E. Göbeler's „Maria lebend" (Nr. 395),
sonderbar H. Grocholski's „Ltadat mate'r“
(Nr. 418): Blarin hat offenbar eine Leiter
am Kreuz erstiegen und küßt den Ge-
kreuzigten auf den Mund, man sieht jedoch
von beiden Figuren je nur Haupt und
Oberkörper. Volksthnmlich gedacht ist
„Marias Erscheinen" (bei einer znm
Essen versammelten Familie) von I.
Radl (Nr. 1035), nur ist die Be-
leuchtung der Muttergottes mangel-
haft; in mittelalterliches Milien gerückt
ist van Hove's „heilige Maria" (in einer
Fensternische, das Kind stillend Nr. 1355).
Ein anmuthiges Bild ist W. Wrage's
„Andacht" (Nr. 1447). Der mit dem
Kind auf einem Thron sitzenden Madonna
nähert sich ein Beter — oder soll's der
hl. Joseph sein? Im Aufbau gut, in der
Auffassung abstoßend ist A. K. v. Ottcr-
stedt's Pieta (Nr. 955). Das ist kein
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