Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 118
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das ganze Viereck umzieht wieder die Perl-
schnur. Die vier Kreuzesbalken, in
ihrer Breite je einer Achteckseite des Threnus
entsprechend, enthalten je ein Feld mit
Emailleornamentik: dnnkelrother Grund
mit einer Doppelreihe von Vierpaßkreisen
in Hell, Dunkelblau und Weiß: ebenso
klar und einfach, als wirksam und tech-
nisch bedeutend. Die Kreuzbalken gehen
über den sie umschließenden Kreis hinaus
und erbreitern sich dort rasch zum ent-
sprechenden Abschluß. Da, wo sie ans
den Kreis treffen, ist je ein größeres Kreis-
medaillon aufgesetzt, welches in seiner
Mitte einen anbetenden Cherub in farbi-
gem Schmelze trägt. Diese vier Medail-
lons tragen ebenso zur Hervorhebung, wie
zur Belebung des Kreuzes bei, welches in
seiner Mitte den Thronus mit dem
Sanktissimum tragt. D e r Kreis, welcher
das Kreuz umfängt, ist gleich breit, wie
die Kreuzbalken, aber weit mehr belebt
und abwechslungsreich. Abgesehen von
den vier eben genannten, ans ihm sitzenden
Medaillons trägt er nicht weniger als
2«> Felder, von welchen acht im Emaille-
schmelz prangen, während zwölf mit Silber-
filigran besetzt sind, das in der Mitte
je einen ovalen Stein — abwechslungs-
weise rothglühende Granaten und grüne
Obsidiane, a la Cabouchon geschliffen
— trägt. Man mag sich die Wirkung
dieses Wechsels von Goldgrund, Silber-
filigran, funkelnden Steinen uub farben-
schillerndem Emaille vorstellen. Die acht
Emaillefelder sind unter sich wieder ver-
schieden: die einen haben ans rothem
Grunde Blatt-, die andern Ningornamente.
Vergoldete Perlschnüre bilden den inneren |
und äußeren Saum des Kreises. Außen
auf dem Kreise sitzt aber noch ein überaus
duftiges, feines Kranzmerk von stilisirten
Blättchen und Blüthen, welche vergoldet
sind. Ans den Blüthenköpfen sitzt
je eine Opalperle von mattweißem, in
Grün und Rosa schillerndem Farbenglanze:
ein wundervoll zarter Kranz von köstlicher
Wirkung — daß auch der materielle Werth
dieser gerade in der Gegenwart so sehr
gesuchten und geschätzten Edelsteine nicht
gering ist, sei nur beiläufig angefügt.
Dieser mit unendlicher Mühe und Sorg-
falt gearbeitete, ans zahllosen Stückchen
zusammengesetzte duftige Kranz ist der

schönste Abschluß des Kreises nach außen,
zugleich ein Ersatz für die Strahlenkrone
bei anderen Monstranzen, und eine wesent-
liche Bereicherung des ganzen Kreises.
Dieser erhält durch den geschilderten Neich-
thum der Details den Charakter des
prachtvollsten Nimbus, welcher im Feuer
und Glanze aller Farben und Metalle
Kreuz und Thronus umspielt. Die vier
Felder in den Zwickeln zwischen Kreuz-
balken und Kreissegmenten sind mit überaus
feiner, durchbrochener Arbeit in vergoldetem
Silber gefüllt. Zunächst zieht sich inner-
halb des geschilderten äußern Kreises ein
zweiter mit stilisirten und kreuzweise ge-
legten Palmen ringsum; der übrige Theil
des Feldes enthält eine im Detail über-
reiche Fülle durchbrochenen romanischen
Ornamentenwerkes, das mit unendlichem
Fleiße aus der Silberplatte herausgear-
beitet ist. Diese Viertelskreisfelder er-
füllen ihren Zweck der Vermittlung zwi-
schen Kreuz und Kreis in trefflicher Weise
und bilden zugleich einen ebenso pracht-
vollen und reichen wie duftigen und feinen
nächsten Hintergrund des Allerheiligsten.

Oben ans der Monstranz sitzt als Krö-
nung das alte ehrwürdige konstantinische
Monogramm Christi in Gold blitzend; es
ist umgeben von zwölf kleinen Opalen in
Strahlenform, Das ist der eigentliche
Corpus der Monstranz.

(Schluß folgt.)

Die Augsburger Buchmalerei im
Zeitalter der Hohenstaufen.

Aon Dr. Joh. Dainrich in München.

(Fortsetzung.)

19. Höllenfahrt; die Hölle ein
offenes, flammengefülltes Haus, darin der
Satan an eine Säule gefesselt. Aus der
schwarzen Finsterniß tauchen die Köpfe
eines Königs, Bischofs, Mönches rc. auf.
Zn unterst sind die Juden. Christus führt
den Adam bei der Hand aus der Hölle
heraus, die demnach mit der Vorhölle
identisch erscheint.

20. Das Gericht. Christus zeigt
thronend mit erhobenen Armen die Wund-
male; von seinem Munde gehen zwei
Schwerter aus. Unten sehen wir die Ge-
stalten von Maria und Johannes.

21. Christi Himmelfahrt.
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