Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 20.1902

Seite: 127
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tu che in Rottenbilrg ist bereits ergangen
nnd es darf erhofft werden, das; in nicht
allzulanger Frist der Bau erstehen wird.
Er soll u. W. in romanischen Formen
gehalten werden. Wie wäre es, wenn sich
ein oder mehrere Stifter fänden, welche
die im Vorstehenden beschriebene Monstranz,
mit entsprechenden Abänderungen und in
reicher, vollständiger Ausführung ans der
Schau- wie ans der Rückseite ausführen
und dann dem Schatz des neuen Domes
einverleiben lassen würden? Durch die
Verwendung von eigentlichen Edelsteinen
könnte natürlich das Stück noch viel pracht-
voller werden.

Wir schließen mit dem Wunsche, daß
in allen beteiligten Kreisen unserer Diözese
das wetteifernde nnd steigende Bestreben
vorhanden sein möge, auf dein Gebiete
kirchlicher Edelmetallurgie mit allem bloß
Handwerks- und Fabrikmäßigen, mit allem
wenn auch herkömmlicheil Meister-, Stil-
nnd Kunstwidrigen ganz entschieden und
energisch zu brechen und überall ans das
Höchste nnd Vorzüglichste in Entwurf und
Technik hinzuarbeiten.

Mas uns L^culdzeichiumgen lehren.

Sion Stndtpfiirrer Or. R ohr, Geislingen n. St.

Halb hoffend, halb zagend stieg der
Verfasser vor Jahren ln der Kaiserstadt
an der Donau den Wall zum Palais
hinan, das die Albertina birgt. Rur
durch eine Mauer getrennt sein von all
den Herrlichkeiten, die ein hochherziger
Knnstfreund hier vereinigt, lind scheiden
müssen, ohne sie gesehen zil haben, iveil
die Sammlung zufällig geschlossen ivar,
das wäre doch gar zu hart gewesen. Der
gefällige Kastellan rieth einen Gang zii
einem der Vorstände, versprach sich aber >
selber keinen Erfolg. Doch halte er sich
glücklicheriveise getäuscht. Herr Eustos
Dr. Meder entsprach meiner Bitte aufs
bereitwilligste, und so setzte ich mich denn
in eine der Nischen, zu denen das alte
Wien nnd der Kahlenberg hereingrüßen,
ließ mir die wirklich praktisch konstrnirtcn
Kapseln von den Regalen herübergeben
und schwelgte ein paar Stunden im Ge-
nuß ihres köstlichen Inhalts. So ganz
fremd ist er ja selbst beut Knnstdilettauten
nicht, nnd Dürers grüne Passion oder sein

Triumphzug des Kaisers Maximilian ist
nicht mehr allzuschwer zugänglich. Allein
damit ist auch nur ein kleiner Bruchtheil
der Albertina genannt. Thatsüchlich weisen
dort Deutsche und Italiener, Franzosen,
Engländer und Spanier dem Besucher
„die Hand", lind dann ist trotz des

riesigen Fortschritts der modernen Technik
das Original eben doch mehr werth als
die Kopie, nnd das Gemüth fühlt sich
mächtig angeregt und bewegt, wenn die
Hände dasselbe Blatt entfalten, ans dem
ein Rembrandt die blitzartigen Intuitio-
nen eines schöpferischen Augenblicks sirirt,
ein Raffael um den Wohllaut der For-
men gerungen, ein Dürer sich in die
Schönheit der Natur versenkt hat. Man
glaubt den Nürnberger Künstler selbst in
seiner ganzen kindlichen Schlichtheit nnd
männlichen Schönheit vor sich zu sehen,
wenn man auf einem Blatt die eigen-
händige Bemerkung liest: „Das ist Kaiser
Maximilian. Den Hab ich Albrecht Dürer
ziv. awgspnrg hoch oben ansf der Pfalz
in seine kleinen stüble tunterfett do man
zalt 1518 am maudag noch Johannis
tawffer", oder ans einem andern: „Dz

Hab ich aws eint spygell noch mir selbs
kunterfet im 1484 jar do ich noch ein
kind was." Alan fühlt heute noch seine
Freude über eine Handzeichnung Raffaels
nach, wenn man die Notiz ans derselben
entziffert: „1515. Raffahell de Urbin der
so hoch peim pobst geacht ist gewest hat
die hat dyse | sic!] nackette Bild gemacht
nnd hat sy dem Albrecht Dürer gen
Nürnberg geschickt im sein Hand zw
wepsen." Leider genügen ein paar Stun-
den nicht, um alles Gebotene auch nur
überfliegen zu können, nnd sind sie ver-
ronnen, so legt sich Wehinnth aufs Ge-
mülh wie beim Scheiden von einem lieben
Bekannten. Aber die Erinnerung kehrt
doch dann und wann zurück zum Erlebten
nnd Geschauten nnd führt die bekannten
und liebgeivonnenen Bilder, wenn auch
etwas verblaßt, wieder vor die Seele.
Seit sechs Jahren jedoch ist hierin ein
bedeutsamer Wechsel eingetreten. Alan
braucht nicht mehr das Gedächtnis; zu
zermartern nnd die Phantasie abznqnälen,
um die Genüsse der Albertina nachzn-
kosten. Denn von da an erscheinen unter
der Leitung von Gallerieinspektor Schön-
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