Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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möchten sagen nur wenige Bilder — der
unbefleckten Empfängnis; Marin überliefert,
findet damit ihre Deutung. 2. Für dogmcn-
geschichtliche Untersuchungen über die un-
befleckte Empfängniß Mariä dürften die
bisher übersehenen bildlichen Darstellungen
des Selbdritt und die daran sich an-
schließenden Volksandachten bedeutungsvoll
und in entsprechender Weise auszunützen
sein. Also Arbeit außerhalb der Kirche
und in der Kirche — von den Wänden
und Altären an bis zu den Schlußsteinen
hinauf! (Schlußstein S. Anna Selbdritt
in der Heiligkrenzkirche in Rottweil und
Gewölbekonsole im südlichen Seitenschiff
der evangelischen Stadtpfarrkirche zu Ra-
vensbnrg.)

Hier müssen wir noch eines andern
Bildes gedenken. Ein Gemälde ans dem
Anfang des 15. Jahrhunderts, welches
sich in der S. Stephanskirche zu Beanvais
in Frankreich befindet, zeigt Maria auf
dem Schooße ihrer Mutter. David, Joachim
und Anna huldigen ihr als der ohne Sünde
Empfangenen; der ewige Vater betrachtet
sie vom Himmel herab. Ans dem Munde
jeder Person geht ein Spruchband hervor,
ans welchem Worte angebracht sind, die
sich ans Maria als die Immaculata be-
ziehen. Gott sagt zu ihr: „Ganz bist Du
schön, meine Freundin, und eine Makel
ist nicht an Dir" (Cant. 4, 17); David:
„Man wird an ihr die Sünde suchen und
wird sie nicht finden" (Ps. 10,15); Joachim:
„Sie geht hervor wie die Morgenröthe"
(Cant. 6, 9); S. Anna: „Was ich her-
vorgebracht, ist ehrwürdig und keusch"
(Eccl. 24, 23). (Schluß folgt.)

Goldschmied Hans (Lrun) von Rutlinge»
und die Goldschmiedekunst in der Reichs-
stadt Reutlingen.

Von Theodor Schön.

Während des ganzen Mittelalters blühte in
den schwäbischen Reichsstädten die Goldschmiede-
kunst. Wurden doch die Altäre mit Gernthen
aus Gold und Silber, wie Schaalen, Kelche,
Ciborien, Lampen, Leuchter, meist mit Edelsteinen
besetzt, Weihrauchgefässen reich ausgestnttet, so
daß ein guter Verdienst den Goldschmieden sicher
war. Wenig ist von diesen Schätzen mittelalter-
licher Kunst aus uns gefallen. Gar Vieles wurde
im 16. Jahrhundert beim Bildersturm in den
Orten, die sich von der alten Kirche lossagten,
eingeschmolzen oder doch kirchlichen Zwecken ent-
fremdet. Anderes zwang die Noth während des
unseligen dreißigjährigen Krieges 1618—1648 zu

verkaufen oder 511 versetzen, oder wurde von der
plündernden Soldateska geraubt. Manches auch
vor derselben vergraben. So fand sich i»> Garten
des Pfarrhofs zu Wachendorf im 19. Jahrhun-
dert ein Becher vergraben, der jetzt wieder kirch-
lichen Zwecken dient. Auch in der Reichsstadt
Reutlingen finden sich im 15. Jahrhundert zu
gleicher Zeit mehrere Goldschmiede. Am 17. März
I486 wird Joß. Al bers des Goldschmieds Haus
in der Cromergasse (jetzt Wilhelmsstraße) er-
wähnt, am 16. Februar 1489 Hans Gpsz, Gold-
schmieds Haus in der Cromergasse, und gab da-
mals Marx Alber, Goldschmied, der nach Garster,
historische Denkwürdigkeiten der ehemaligen freien
Reichsstadt Reutlingen I., S. 254, im Jahre 1524
einer der Vierer des großen Raths war, dem
Spital 1 Gulden aus seinein Hof und Gut zu
Stocknch. Endlich heißt es ani 16. Februar 1489:
Meister Jacob Suwters, der Ungellterin
Dochtermann Husz ist ein Erbhnsz gegen der
(Marien-)Kirchen. Darumb ist nin Brief, nechst
von Hansen Brun dem Goldschmid, ist gezaichnet
mit einem W.W.1)

Dieser Hans B r u n von Reutlingen, Gold-
schmied, dürfte mm identisch mit dem hervor-
ragenden Künstler Hans v. Rütli »gen sein.
Denn die Werke desselben tragen die Marke:
1 und r kreuzweise übereinander gelegt. 1 und 1'
wird aber Johannes (Hans> Prnn oder Brun
heißen. Schon am 13. April 1497 bat Hans
v. Ruytling, Goldschmied zu Aachen, König
Maximilian I., er möge ihm doch die 100 fl.
überschicken, die er ihm vorläufig für die Anfer-
tigung von drei Siegeln, eines goldenen und
zweier von Silber versprochen hätte, „derselben
Siegele euer königliche Majestaet eyn, neymelich
das gülden, ewech hat".ch Am 18. August 1500
verfügte der König zu Augsburg: Meister Hannsen
v. Rewtlingen, Goltschmid von Ach, so das Maje-
statsigil grabt, an Zerung gen Vnnszbrugk zu
ziehen 8 Gulden rheinisch und am 4. September
1500 ebenfalls zu Augsburg: Johann v. Reut-
l i n g, Goltschmid zu Ach gen Dnnszprug 8 Gul-
den rheinisch.^) Ani 30. September 1500 wurde
I dann zu Innsbruck mit Jan v. Re nt klingen,
Goltschmidt v. Ach, so der königlichen Majestät
das groß Majestntsigl gegraben und davon zu
machen gefordert hatt 600 Guldin rheinisch, ein
Vergleich geschlossen, wonach ihm außer den be-
reits ausgezahlten 100 st. rheinisch noch außer-
dem 300 fl. ausgezahlt werden sollten. Hiervon
werde der Zahlmeister Sebastian Hofer 60 sl.
und 10 fl. als Reisezehrung, den Rest der Rechen-
meister Cassius Hackaney auszahlen, welcher
seinerseits dafür von Maximilian zur nächsten
Frankfurter Fastenmesse entschädigt wurde/') Am
5. Februar 1522 erhielt zu Brüssel in Brabant
von Kaiser Karl V. Hans R e n t h l i n g c r, Kaiser-
licher Majestät Siglschnider, ein Wappen „sampt
den Lehenartikel" verliehen. »Taxa, nihil, quia * 2 * 4

’) Kirchenpflegearchiv in Reutlingen.

2) Jahrbuch der kunsthistorischen Haussamm-
lungen des allerhöchsten Kaiserhauses II (>884),
Theil 1l, Nr. 563.

2) Ebenda 111 (1885), Theil II, Nr. 2347.

4) Ebenda Nr. 2363.

6) Ebenda Nr. 2395.
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