Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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wachs den 8. Juuii 1029 ist das Silbergeschirr
zur Außznhlnng kayserlichcr Majestets Kriegs,
volckhen den l2 Zünfften» und 3 Gesellschafften
nbgefordert werden: Armbrustschüzen wegen zu-
sammen 10 Marckh 12 Loth, darunter auch der
Becher, so die Stadt Nottenburg verehrt, obere
Schüzen 37 Marckh 14 Loth, untere Schützen
20 Marckh 4 Loth. Tiser dreyer Geschellschafften
Becher seindt dem Veutt Schober, Pfröndtner
umb 600 fl. versezt. Weiugardter-Zunfft: 6 Marckh
4 Loth. 2 Butten und 1 Kloz') sein mitge-
wogen, soll ihnen wider geben werden. Mezger-
Zunfft: 18 Marckh 4 Loth, dorunter der verehrte
von Tnvingen — deciit 100 fl. Gerwer-Zunfft:
0 Marckh 8 Loth, darunder der Kloz mitbegrisfen
- dedit 57 fl. Schinidt-Zunfft, dorunder der
Gvldschiuidtbecher mit begriffen: 4 Marckh l4Loth
— dedit 39 fl. Beckher-Zunfst: 30, Marckh ■—
dedit 13 fl. 30 Kreuzer. Cröiuer: 7 Marckh —
dedit 23 fl. 34 Kreuzer. Schuhmacher: 5 Marckh
4 Loth: dedit 42 fl. Schneider: 3 Marckh 1
Loth — dedit 23 fl. Tücher: 1 Marckh >4 fl.
Weber: 5 Marckh 1 Loth — dedit 40 ft. Kieffer:
4 Marck 1 Loth. Karcher: 4 Marckh l 4 Loth.
151 Btarckh 3 Loth.

Ludwig Ditzi» ger ist nicht der letzte mir
bekannt gewordene Goldschmied in der Reichsstadt
Reutlingen. Es kommen noch ror Josua Kurtz
geb. 24. Nov. 1589 in Reutlingen und sein Lohn
Matthäus, geb. 23. Sept. 1625 in Reutlingen,
begraben 9. Juni 1674 das., Martin, dessen
Sohn, geb. März 1653 in Reutlingen, gest.
10. April 1713 das. Später konnte ich bisher
keine Nachweisen. In der durch den Krieg ver-
armten Stadt fand ein solcher fortan nicht mehr
sein Brod.

Bott den Schätzen mittelalterlicher, lirchlichcr
Goldschtniedekunst hat sich nur wenig in Reut-
lingen erhalten. In den Sammlungen des Ver-
eins für Kunst und Alterthum in Reutlingen (im
Spondhaus) finden sich an kirchlichen Alterthümern
aus der Marienkirche: zwei schöne polychrome
Holzfiguren, Maria und Elisabeths) aus dem
14. Jahrhundert, eine sehr alte, mit Stickerei
versehene Kapsel, vergoldete Ciborien, Kannen
und Anderes.

Jminerhitt geben diese wenigen Reste ein Bild
davon, wie im Mittelalter in Reutlingen die
Eoldschmiedekunst geblüht haben muß. Gewiß
werden auch in andere» schwäbischen und fränkischen
Reichsstädten sich während des Mittelalters zahl-
reiche Goldschmiede Nachweisen lassen.

Wegen Ulm sehe man die neue Oberamtsbe-

') Bis auf die Gegenwart erhielt sich bei der
Weingärtnerzunft die unter dem Rainen „Reb-
männlein" bekannte Figur des St. Urbanus, des
Schutzpatrons des Winzers, welche auf der Brust
eine goldene Denkmünze trägt.

") Eitte Figur, die hl. Elisabeth darstellend
lwohl aus einer abgebrochenen Kapelle auf der
Alb stammend), Holzschnitzerei, die sich durch die
feine, sinnige Darstellung der frommen Matrone
auszeichnet, besitzt Herr Eugen Eisenlohr in
Reutlingen, welcher auch eine aus bem Kloster
Offenhausen stammende Altardecke, Nvnnenarbeit
feinster Art, in seiner reichhaltigen Samm-
lung hat.

schreibüng I', S. 315. Ter Goldschmiedbecher
der Ulmer Schmiedezunft mürbe ja vor einigen
Jahren beim Rathhausneubau gefunden.

lieber Eßlinger Goldschmiede berichtet Pfnsf,
Eßlingen, S. 310. Aber auch in den landes-
fürstlichen Städten fehlte es nicht an Goldschtnie-
den, so kommt schon 1405 Cunz Sigly, der
Goldschmied, Bürger zu Riedlingen, vor.') Man
sehe auch die nette Oberamtsbejchreibung Notten-
burg II, 113.

Die Augsburger Buchmalerei im
Zeitalter der Hohenstaufen.

Von Or. Jo h. D a mr i ch in München.

(Schluß.)

Kein Künstler unserer Periode — Konrad
v. Scheyern etwa ausgenommen — kommt
unserer Hohenwarter Nonne an feiner
Jndividnalisirnng auch nur nahe. Die
Zeichnung alter Gestalten ist tadellos,
Haltung und Bewegungen sind, obwohl
wir eigentlich lauter Einzelfiguren vor uns
haben, eminent lebensvoll, man betrachte
;. B. die Madonna. In der Bildung
von Haar und Bart macht sich eine ge-
wisse feine Slilisirnng geltend.

Die Gewänder sind sehr plastisch be-
handelt, die Freude am eckigen scharfen
Bruch der Falten, speziell den an Armen,
Schultern n. s. w. um die Ecke geknickten
Falten, tritt hier besonders deutlich hervor.

Die vorkommenden Sträucher und
Blnmenbiische verdienen für ihre Zeit
alles Lob, ebenso die Architekturen, in
denen fol 4 der Spitzbogen und öfter
das Bierpaßfenster vorkommt.

Die Initialen sind zweifacher Art: die
großen Prachtinitialen, die nur am An-
fang jedes Evangeliums stehen, buntes
Nankenwerk mit relativ noch ziemlich
häufigen farbigen Blättchen, das Ganze
ans Goldgrund, und die kleineren Ini-
tialen am Anfang der einzelnen Kapitel,
wobei der goldene Bnchstabenkörper in
blauem, rechteckig ninrahmtem Grund steht,
während der vom Buchstaben umschlossene
Raum seine farbige Nanken ans schwarzem
Grunde zeigt. Gerade diese Initialen
sind etwas ganz Eigenartiges, ein Fest-
halten an der Idee der Rankenornamentik
selbst in diesem kleinen Maßstabe und zu
einer Zeit, da anderswo derartige Ini-
tialen rein kalligraphisch in Schnörkel-
manier verziert wurden.

') Kgl. geh. Haus- und Staatsarchiv in
Stuttgart.
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