Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

Seite: 20
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Oben Goit Pater, unter ihin Ataria, neben
Aiaria Sanne, Mond und Sterne, (9oll
Vater schafft sie eben, aber eS ist, als ob
er das nur nebenbei thäte. Sein Augen-
merk ist auf Maria gerichtet. Sie steht
ans der Erde, ragt aber über sie weit in
den Himmel hinauf bis zu Gatt dein
Vater. Ihre Augen sind liebreich, gütig
und mild zur Erde herabgesenkt; man
sieht es ihr mahl an, es ist ihre Freude,
bei den Menschenkindern zu sein. Ihre
leuchtenden Hände sind nach ihnen ausge-
streckt, als wollte sie die ganze Welt an
ihr Herz hinaufheben.

Wir haben nun die Hauptbilder oder
Haupttypen der ohne Makel Empfangenen
hervorgehoben, es erübrigt uns noch, im
Folgenden einen kurzen Ueberblick über
das Ganze zu geben. Wir wollen dabei
so verfahren, daß neue Anregung daraus
hervorgeht.

Es gab eine Zeit, wo zu Ehren der
unbefleckten Gottesmutter allenthalben t'it
den größeren Städten Denksäulen errichtet
wurden. Im „Kirchenschmuck" vom Jahre
1864 sind viele derselben aufgezählt und
darunter auch eine solche von Düsseldorf
genannt. Letztere interessirt uns insofern
besonders, als die Künstlerstadt ehedem
für den besten Entivurf einen Preis ans-
schrieb, worauf dann I. Kreuser in Baudri's
„Organ für christliche Kunst" eine Ab-
handlung über das „Marienbild der
neuesten Zeit" veröffentlichte, welche spä-
ter in das „Bildnerbuch" ausgenommen
wurde.

Dieser Abhandlung sei Folgendes ent-
nommen: Die heilige Dreifaltigkeit darf
bei beut Bilde der Immaculata nicht fehlen.
Sie kann nach bekannter alter Darstel-
lungsweise in den Nimbus verlegt werden.
Das gewöhnliche Symbol des Vaters ist
die segnende Hand. Dieselbe mag _ ans
dem Kreuze ruhen, welches dem lateinischen
Buchstaben T gleicht und Gott den Sohn
sinnbildet. Sieben Strahlen sind ein Kenn-
zeichen des heiligen Geistes, welcher vom
Vater und Sohne ansgeht. Bei den
Strahlen des heiligen Geistes können vier
auf der rechten oder Ehrenseite, drei auf
der linken Seite angebracht werden, wobei
man an die vier Grund- und an die drei
theologischen Tugenden denken mag. Auch

bei dem Kranz von zivölf Sterneit soll
eine außergeivöhnliche Theilung vorge-
noiilmen werden, so das; rechts sieben —
Anspielung ans die sieben Gaben des
heiligen Geistes — und links fünf Sterne
erscheinen, welch' letztere die fünf Sinne
versinnbilden, die durch die überschattende
Sieben rechts geheiligt, geweiht und schon
int Uranfang gereinigt wurden. Die
Sterne sollen Dreikönigssterne, d. h. acht-
eckig sein wegen der acht Seligkeiten,
welche der Herr durch seine Mutter ans
die Erde brachte. Die untersten Sterne
sind auf Kreuser's Entwurf in der Nähe
des Ohres angebracht, wodurch auf die
alte Meinung angespielt wird, als ob die
heilige Ueberschattung durch das Ohr ge-
schehen. (Aure virgo concipit. Venant.
fort. Vgl. die bekannten Kirchenportale
in Wimpfen und Würzburg. Altar in
Alpirsbach.)

Bei der Frage, ob Maria stehend oder
sitzend abgebildet werden soll, plaidirt
Kreuser für die stehende Haltung, da die
Dienerin steht, horchend auf den Befehl,
und da die Jnngfratt selbst gleich nach
der Begrüßung in den herrlichen Gesang
deS Magnisikat sich ansströmte, wie der
prophetische königliche Sänger verkündet
hatte: „Er stellte auf einen Felsen meine
Füße und legte in meinen Mund ein neues
Lied". (Psalnt 39, 3, 4.) Maria, die
ntakellos Empfangene, welche der Herr
besaß seit Anbeginn, war vorzugsweise eine
dein Herrn geweihte Jungfrau, gottgeweihte
JnnMauen aber mußten sich alle ver-
hüllen. Deßwegen darf bei der Unbe-
fleckten aitch der Schleier nicht fehlen.
Ueppige Haar- und Lückenfülle soll viel-
fach den sinnlichen Ueberfluß, die nach
außen gerichteten sündhaften Gedankeit
andeuten, und ist deßhalb in der guten
Zeit von der christlichen Kunst wenig ge-
liebt.

(Schluß folgt.)

Literatur.

Von Dr. Adolf F-äh's Geschichte
der Bildenden Kunst, 2. Auflage, Frei-
burg, Herder, ist bereits die 5. Lieferung
erschienen', wiederum herrlich schön ansge-
stattet.

Stuttgart, Buchdruckerei der Llkt.-Kes. „Deutsches Bolksblatt*.
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