Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

Seite: 21
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Ljeransgegebeii und redigirt von Pfarrer Dctzcl in St. Ldriftina-Ravensbnrg.

Verlag des Rottenburger Diözesaii-Itmistvereins;

Kommissionsverlag der Dornschen Buchhandlung (Friede. Alber) in Ravensburg.

Erscheint monatlich einmal. Halbsährlich Illr M. 2.— durch die wlirttembergischsu, M. 2.20
durch die bayerischen und die Neichspostanstalteit, Kronen 2.54 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in
^ der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von allen Buchhandlungen JQQQ

sowie gegen Einsendung des Betrags direkt von der Dornschen Verlagsbuchhandlung in J D*
Ravensburg (Württemberg) zum Preise von M. 2.05 halbjährlich.

Pfarrer a. D. Friedrich Laib.

Zugleich ei» Stück Vereinsgeschichte.

Von K. K ü m m e l.

Siebzehn und ein halbes Jahr sind
vorüber, seitdem das „Archiv" dem da-
maligen Vereinsvorstand und Redakteur,
dem Prälaten Schwarz, das literarische
Denkmal eines wohl verdienten, klassisch
geschriebenen Nachrufs in seinen Spalten
setzte. Deut neuen Jahrgang 1903 ist es
beschieden worden, auch demjenigen Manne,
lvelcher, mit P Schwarz engst verbunden,
als Mitgründer des Diözesankunstvereins
und langjähriger Mitredaktenr seines Or-
gans, sowie als gewaltiger Vorkämpfer
für die Neuerkenntnis; und Nenbelebllng
der wahren kirchlichen Kunst gearbeitet
hat, den gleich verdienten Ausdruck des
Dankes und des frommen Gedenkens auf's
frische Grab zu legen. Es ist das Pfarrer
a. D. Friedrich Laib, lvelcher in seinem
83. Lebens- und 61. Priesterjahre am
19. Januar dieses Jahres im Herrn ge-
storben ist.

Prälat Schwarz ist seiner Zeit mitten
in der rüstigsten Manneskraft, mitten ans
energischem Schaffen jäh abberufen wor-
den, gerade dreißig Jahre, nachdem die erste
Vereinsgabe und der erste Geschäftsbericht
des jungen Vereins in die Oeffentlichkeit
ausgegangen war. Pfarrer a. D. Laib
durfte das fünfzigste Jahr des Bestehens
dieses Vereins (1902) noch erleben und
durchleben, um dann, ein ehrwürdiger
Greis, sein müdes Haupt zum langsam
sich nähernden letzten Schlummer niederzn-
legen. Am Nachmittage des 21. Januar
haben sie seine sterbliche Hülle hinausge-

tragen nach Sülchen, in die Hut der uralten
Mutterkirche des alten Gaues und der
heutigen Bischofsstadt; und wenn nach
dem strengen Verlangen des Verstorbenen
sein Sarg hiuausgeleitet wurde ohne jeg-
lichen anderen Schmuck, als allein das
Bahrtuch, das ihn bedeckte, so redeten der
Glaube und die Kirche in ihrer tiefsinnigen
und ergreifend schönen Sprache um so
lebendiger und kraftvoller zu der großen
Menge, welche dem Senior des Diözesan-
klerus, dem leuchtenden Bilde eines katho-
lischen Priesters, dem Onkel des Bischofs das
letzte Geleite zu geben sich nicht nehmen
ließe». Diese letzte Bestinunung des greisen
Priesters bildete so recht den charakteristi-
schen Schlußstein seines Lebens, welches
einheitlich geschlossen und konsequent har-
monisch wie selten ein anderes gewesen
ist. Unter diesem Eindruck mag auch das
Folgende stehen, was zum Andenken an
Pfarrer a. D. Laib für den Kreis des
Diözesankunstvereins niedergeschrieben ist.

Es kann sich um so weniger um ein
allseitiges Bild des Verstorbenen hier han-
deln, als ja das „Deutsche Volksblatt" in
seinen Nummern 34 und 35. bereits ein
solches veröffentlichte. Was hier hervor-
gehoben werden soll, das sind die Bezieh-
ungen Laib's zu der kirchlichen Kunst
in der Diözese Rottenburg. Und diese
Beziehungen sind wahrlich ein eigenes
Denkmal werth.

Friedrich Laib, geboren 21. September
1819 zu Friedrichs Hafen, ist nach dem
üblichen theologischen Studiengange in
unserem Lande am 29. August 1842 zum
Priester geiveiht worden; er hat also unter
sämmtlichen sechs Bischöfen der Diözese
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