Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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Gin breites Spruchband durchschneidet
das ganze Fenster: „I st I e in a n d g n t e n
Muthes, sa singe er Loblieder".
Jak. 5, 13.

Im unteren Thcil sollten die drei
singenden Jünglinge im Feuer-
ofen die Atittelselder cinnehmen, links
der hl. Leo der Große Platz finden wegen
seiner Bemühnngen nm die Hebung der
kirchlichen Musik, rechts Gregor der
(Droste wegen der Vollendung dieses Werkes.
Gs kamen ferner in Frage die Heiligen
Theresia und Franziskus So-
lanns.

Dieser Abschnitt des Fensters wurde
jedoch auf ausdrücklichen Wunsch der Stif-
terin anders ausgefüllt, zwischen den Bild-
nissen von Namenspatronen unter Archi-
tektur eine kleine Gruppe, die hl. Elisa-
beth, den Franziskanern ein De Oeum
bestellend.

Da die zwölf großen, dreigetheilten Hoch-
schissfenster der Kirche das Hauptlicht
bringen sollen, erhielten dieselben hellen
Farbenteppich; in den Bekrönungen strahlen
die Sinnbilder ans der lanretanischen Lita-
nei ; unvermittelt in die Teppichfelder einge-
legte, die gesammte Fensterbreite ein-
nehmende Tafeln bringen die einzelnen
Satze des Magnificat als Fortsetzung der
westlichen Maaßmerksrose, während die von
den Langbahnen durch eine Brücke ge-
trennten kleinen Spitzbogenöffnungen mit
den Brustbildern der Hanptverehrer der
hl. Muttergottes geschmückt sind; hier
reihen sich aneinander Propheten, Apostel,
Evangelisten, Heilige, Märtyrer, Bischöfe
und Ordenslente.

Wie bei den übrigen Fenstern ist die
Zeichnung streng frühgothisch, die Licht-
wirkung trotz machtvoller Farbengebung
prächtig.

In diesen Teppichen hätten sich viel-
leicht noch sinnbildliche Zweige und Blumen
verwerthen lassen, z. B. G e d e r n z w e i g e:
Cedrus exaltata sinn, einer Geber gleich
war ich erhört, Gccl. 24, 17; Oliven-
blätter mit dem Spruche: Oliva

speciosa in campis, gleich einem präch-
tigen Oelbaum auf den Gefilden, Eccl.
24, 19; Palmen mit den Worten:
Palma exaltata sum in Cades, wie eine
Palme in Gades bin ich erhöht worden,
Gccl. 21, 18; Lilien: Lilium inter

spinas, wie eine Lilie unter den Dornen,
Gant. 2, 2; Rosen: Plant, rosac in
Jericho, gleich einem Rosenhag in Jericho,
Gccl. 24, 13; Platanen: Platanus
exaltata sum, wie eine Platane bin ich
erhöht worden, Gccl. 24, 19; Wein-
reben: Ego quasi vitis fructificavi, gleich
einem Weinstock dufte ich, Gccl. 24, 23;
G i) p v essen: Cypressus in monte Sion,
wie eine Gypresse ans dem Berge Sion,
Gccl. 24, 17. Mit diesen Sprüchen wird
der allerseligsten Jungfrau die Bedeutung
der betreffenden Bäume und Blumen bei-
gelegt, mit der Weinrebe die Fruchtbar-
keit, mit der Rose die Liebe Mariens zu
Gott und den Menschen, mit der Lilie die
Reinheit, mit der Geder die Gnade des
Gebets n. s. w.

Die Teppichmalerei der kleineren, ober-
halb der Beichtstühle gelegenen S ei keu-
sch ifffenst er birgt den Inhalt des
Miserere; zugleich weisen die Brust-
bilder der Heiligen Petrus, Magdalena,
Johannes Nepomuk und Petrus Sarkan-
der auf das heilige Bnßsakrament hin.

Zuerst waren vorgeschlagen aus dem
Alten Testament: 1. David vor Nathan,
2. David kniet vor dem Herrn und singt
die Bußpsalmen, 3. das Volk Israel
beichtet seine Sünden; ans dem Neuen
Bunde: die büßende Magdalena, Petrus
ging hinaus und weinte bitterlich, des
Saulus Bekehrung, endlich die Ginsetzung
des heiligen Bnßsakramentes: „Denen ihr
die Sünden Nachlassen werdet, denen sind
sie nachgelassen." Gs wäre demnach zur
Darstellung gekommen: die Sünde, die
Strafe, die Gnade der Erleuchtung und
Bekehrung, die Buße, die Vergebung und
Versöhnung mit Gott. Außerdem standen
noch in Frage die Improperien deS
Karfreitags.

Die Tanfkapelle zeigt in ihren Fenstern
die Taufe Ghristi, des Kämmerers und
die Reinigung NaamanS des Syrers die Jo-
sephkapelle den Verkauf Josephs, die Traum-
deutung und den Besuch beim kranken
Vater, in den Maaßwerken die Köpfe der
Erzväter Abraham, Jsak und Jakob.

Noch sind zu erwähnen zwei dreitheiligc
Fenster, das eine in der Sakristei mit
einer figurenreichen, farbenglühenden Kren-
zigungsgrnppe in streng frühgothischer
I Stilisirnng; das andere in dem gegen-
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