Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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kbimjumjcn ein. So finden wir unter
bem schützenden, von Engeln getragenen
Mantel Papst Sixtus I V., Kaiser Fried-
rich III., seine Gemahlin Leonore, seinen
Sohn Maximilian I., welche damals der
Bruderschaft beitraten; weitere Gestalten
geistigen und weltlichen Standes ergänzen
die Gruppe. Dieses Zusammenhanges
wegen sind in den Zwickeln die Schilde
des Erzstiftes Köln und der Stadt Neust
untergebracht.

Auf diese Weise wird der ungemein
ausgedehnte Rani» durch ein ungewöhn-
lich inhaltreiches Glasgemälde ausgestattet.
Für das gegenüberliegende Qnerschifffenster,
welches gleichartige Verhältnisse aufweist,
ist bisherau noch kein endgültiger Ent-
wurf sertiggestellt. Vorübergehend wurde
an die Darstellung der S k a p u l i e r b r u -
d e r s ch a f t und das Leben des hl. S i m o n
Stock gedacht. Vorläufig ist folgender
Gedanke vorgesehen:

Im Maaßwerke als Hintergrund eine
große Lilie, in der Mitte Gott Vater
und der heilige Geist, umgeben von
Engeln oder Heiligen mit Sinnbildern
der leiblichen Werke der Barmherzigkeit,
in den Dreipässen Maria Kleophas
und Salome. In den beiden mittleren
Langbahnen, der Ueberreichung des Rosen-
kranzes entsprechend das Bild der hei-
ligen Familie; rechts und links in
architektonischer Umrahmung die heilige
Sippe: Joachim, Anna, Elisabeth und
Johannes der Täufer; unterhalb der Brücke
entweder die s e ch s I ü n g e r aus der
heiligen Sippe oder die s i e b e n heilige n
Sakramente.

lieber einige andere Ausstattungspläne,
welche selbstverständlich nur neben den alt-
hergebrachten Begebenheiten ans dem Leben,
Wirken und Leiden des Heilandes und
seiner Heiligen Verwendung finden sollen,
ein anderes Mal.

Einiges über die Bilder der unbe-
fleckten Lmpfängniß.

Von Pfarrer Reiter in Vollinaringen.

(Schluß.)

Das Gesicht der Jungfrau sei länglich,
jugendlich, die Stirne etwas vorragend,
groß, der Mund mehr klein, die Lippen
anmuthvoll, die Augen nicht niederge-

schlagen, sondern himmelwärts gerichtet.
Wer an das Wort: „Siehe, ich bin eine
Magd des Herrn" denkt, könnte viel-
leicht für den Blick der Demnth stimmen;
wer aber an ihr „Hoch preiset beit Herrn
meine Seele" denkt, zugleich erwägt, daß
die Allerseligste unter der Segnung uitb
Ueberschattnng der heiligen Dreifaltigkeit
steht, die sie erfüllen soll, ferner nach unten
sieht, das; sie die Zeichen irdischer Ver-
gänglichkeit und Veränderlichkeit, Mond
und Erdball, mit Füßen tritt, also ver-
achtet, daß überhaupt der Heilige nur
dadurch sich heiligt, daß er vom Irdischen
absieht, zum Himmlischen anfblickt, der
kann nicht im Zweifel sein, daß die Angen
zur Höhe gerichtet sein müssen. Hier passen
vorzüglich die Worte des 122. Psalmes:
„Zu Dir erhebe ich meine Augen, der Du
wohnest im Himmel". Daß mit den Augen
auch die Hände zum Gebete erhoben sein
sollen, ist selbstverständlich. (»Leva ad
eum manus pro anima (bus) parvulo-
rum tuorum«. Threni II. 19.) Be-
züglich der Gewänder einige unwesentliche
Punkte! Der Saum des Kleides trage
in seinen Schwingungen sowie an Hals
und Händen das sogenannte Andreaskreuz,
das heißt den griechischen Buchstaben Chi
(X), welcher Christus bedeutet. Würde
man an dem Halse und an den Aermeln
nur die heilige Dreizahl „XXX" anwen-
den, so ließe sich auch dieser Schmuck auf
die heilige Dreieinigkeit deuten und stände
mit dem Ganzen im Gedankeneinklang.
Der Gewandhaken (Agraffe), welcher den
Mantel zusammenhält, wäre nach Krenser
die Rose, welche ans die jungfräuliche Ge-
burt des Erlösers, aber auch ebenso gut
auf das Geheimnis; der makellosen Em-
pfängnis; gedeutet werden kann. Bei den
Füßen hat Krenser den linken Fuß ver-
hüllt, während der rechte sich etwa um die
Hälfte zeigt, aber nicht nackt, sondern wohl
bekleidet. Warum das? Der Schlange
soll nach der Schrift von der makellos
Empfangenen der Kopf zertreten werden;
aber da diese in den unbewehrten Fuß
stechen würde, so muß er nach Morgen-
länder Ansicht bewehrt sein; denn nur so
läßt sich das Wort des Psalms ausführen:
»Stiper aspidem et basiliscum ambu-
labis et cönculcabis leonem et dia-
conem.« Nicht zu übersehen ist das Kreuz
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