Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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Last der Hauptarbeiten nicht umsonst ge-
tragen und hätten sie nicht an hundert
Thüren geklopft — es wäre nicht möglich
gewesen, den Plan zu realisiren.

Unterdessen hatte Pfarrer Laib als
Praktiker kat' exvchen in seinem eigenen
Pfarrorte Rechberghansen die Errichtung
einer Schreiner- und Bild hau er w erb-
st ätte für kirchliche Kunst durchgesetzt,
mit welcher er als geistiger Leiter in engster
Fühlung blieb, und die denn auch damals
Bedeutendes leistete. Auch in seiner zweiten
Gemeinde, in Oedheim, erhob sich bald
nach seiner Uebersiedlung dorthin unter
den Fittigen seiner Kunstanktorität eine
solche Werkstätte; ein Zeugnis; des Kunst-
fleißes derselben ist z. B. der ebenso har-
monisch gegliederte, als äußerst delikat
und subtil im Einzelnen gearbeitete neuere
Tabernakel in der St. Eberhardskirche zu
Stuttgart.

Auch dafür war Laib mit Schwarz
thätig, um in die Häuser hinein würdige,
kraftvolle und mustergiltige christliche Bil-
der zu bringen; es geschah dies durch
Herausgabe farbiger Kopier» von Meister-
werken alter gothischer Malerei; jetzt noch
imponiren diese schlichten, ernsten und tief-
innigen Bilder dem Laien wie dem Künstler.
Auch der „Katholische Haus- und Volks-
kalender" zeigt in den markigen Heiligen-
gestalten gothischer Provenienz, welche
damals seine Blätter zierten, diesen Ein-
fluß.

Pfarrer a. D. Laib hat sich während
der letzten Jahrzehnte an den; Vereins-
leben äußerlich wenig mehr betheiligt,
innerlich ist er ihm immer nahe geblieben,
lind gewiß hat der Verewigte immer seine
Fühlung behalten mit den Betheilignngen
seines bischöflichen Neffen in Sachen der
kirchlichen Kunst. Und wenn es sich nun
gefügt hat, daß er, der hochverdiente Freund
und Förderer kirchlicher Kunst, seine letzten
Jahre zubringen durfte als nächster Nach-
bar und Custos der Sammlung erlesener
Kuustalterthümer im Palais zu Notten-
bnrg, und daß er sogar noch vor seinem
Hinscheiden die neue Kathedrale im Geist
und Plan erstehen sah: dann mag Einen
das angemuthen wie ein verklärendes,
schönes Abendroth künstlerischer Art für
sein Scheiden vom Leben.

Zum Schlüsse dieser Würdigung des

bedeutenden Mannes sollen zwei Seiten
von ihm hervorgehoben werden.

Das Eine ist seine Demuth gewesen.
Laib hat nie das Seinige gesucht, er hat
sich nie vor- und anderen anfgedrängt, er
hat auch gar nichts von Ehr- und Herrsch-
sucht, von Stolz und Bewußtsein seiner
Verdienste und seiner Thätigkeit an sich
gehabt; er hat es fast wnnderbarerweise
verstanden. Großes in der Oessentlichkeit
zil wirken und doch persönlich der Oeffent-
lichkeit sich fern zil halten, ja sie zu fliehen.
Der „Personalkatalog" von 1878 enthält
über ihn zwei Zeilen mit den Lebensdaten
und anderthalb Zeilen in der lakonischen
Notiz: „Er gab mit Di-. Schwarz den
„Kirchenschmuck" rc. heraus und 1865 de»
„Stuttgarter Katholischen Volkskalender"."
Das ist die beste Selbstcharakteristik des
Mannes, der leicht eine ganze Seite und
mehr hätte fülle» können mit Anführung
auch nur des Wesentlichsten seiner langen
schriftstellerischen Thätigkeit. Diese strenge
Sachlichkeit, dieses seltene Zurückdrüngen
der eigenen Persönlichkeit,^ diese Demuth
soll auch hier hervorgehoben sein. Dieses
Beispiel mag auch für die Kreise der
Künstler, Kunstkenner und Knnstschriftsteller
eine Predigt sein, für Geistliche und Laien,
besonders in unseren Tagen, wo sich das
subjektiv-persönliche Element so krankhaft
überall vordrängt, unfähig, Schranken zu
ertragen, Widerspruch hinzunehmen odcr
ihn rein sachlich zu würdige».

Die zweite Seite war Laib's K i r ch-
l i ch k e i t. Wir haben bereits betont, wie
sie die eigentliche Lebenswurzel seiner Knnst-
thätigkeit war. Er hat es tiefernst ge-
nommen mit seinem Glaubensleben: ebenso
nahm er es mit der kirchlichen Kunst.
Daher seine Begeisterung für die Stile
derjenigen Zeit, in welcher die Kirche alles
beherrschte, für die romanische und die
gothische, speziell die frühgothische Kunst
■— der Spätgothik gegenüber verhielt er
sich ja bekanntlich schon mehr bloß scho-
nungs- und pietätsvoll duldend; daher feine
fast rigoristische Abweisung der späteren
i Stile, der Renaissance, des Barock u. s. w.:
. es war nicht der Mangel am künstleri-
schen Gehalt derselben, sondern der Mangel
i an kirchlichem Sinn und Glanbenstiefe in
jenen Zeiten und ihrer Kunst, was ihn
1 so ablehnend machte. Die mittelalterliche
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