Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

Seite: 60
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sind, was wohl einen Hiniveis auf das
Leiden und die Anfersiehung Christi be-
deuten soll. Es wäre nicht undenkbar,
daß inan beide Tiere auch einmal vor den
Sakrameutshäuschen treffen könnte, doch
haben wir noch nie von einem solchen
Funde gelesen.

Im „Archiv für christliche Kunst" —
Jahrg. 1884 — wird auf S. 79 berichtet,
daß ein Gemälde an einem früheren Pri-
vathaus in Bamberg einen liegenden Löwen
zeige, auf dessen Rücken ein kleines Hünd-
chen stehe. Die Erklärung gibt die In-
schrift: „Esset Uii'pe moveri“.

Pie Wandgemälde in St. Kilian
in Mundelsheim.

Von F. X. M a i) e r, Pfarrer.

Kirchen, welche dem hl. Märtyrer Ki-
lian geweiht sind, gibt es in unserer
Diözese viele, Stannninger (Festchronik
des zwölfhnndertjährigcn Kiliansjubiläum
1889 S. 42) zählt deren 23 auf, ohne
Bissingen a. d. E. und die in MnndelS-
heiin mitzuzählen. In MnndeWeim, OA.
Marbach ist die Gotte s a ck e r k i r ch e ge-
nanntem heiligen Frankenapostel geweiht.
Ragt dieselbe auch nicht hervor durch ihre
Größe oder Architektur, so ist sie doch ganz
bedeutend durch ihre Wandgemälde, welche
ihr Inneres einschließt und bis ans den
heutigen Tag erhalten hat. Finden sich
freilich Spuren von Wandmalereien und auch
einzelne Gemälde in Kirchen, welche der
spätgotischen Zeit angehören und treten
solche immer mehr zufTage in unserer
Zeit der Renovation; so ist doch der Fall
gar selten, daß einechspätgotische Kirche
solche Wandgemälde in allen Räumen
ihres I n n e r n anfweist, ja, daß nach
den Spuren auch .die Außenwände teil-
weise mit solchen bedeckt waren. Wahr-
lich eine reichlichst bemalte Kirche, wie
ivohl kaum eine andere in unserem Lande.
Mnudelsheim gehörte^eiust iisi das Bis-
tum Speyer, hatte aber irgend einen Zn-
sammenhang mit Würzburg, wie aus der
Kilianskirche und - Gemäldezyklus zu
schließen. In dieser Friedhofkirche ver-
mutet Klemm (Christl. Kunstblatt 1895
S. 121—24) die frühere Pfarrkirche von
Mundelsheim, von der sich später die Pfarr-
gemeinde allmählich entfernte und die Wohn-

häuser verlegte (wie bei der Alexander-
kirche in Marbach), dann eine in der Mitte
des Dorfes gelegene Kapelle oder Kirche
zur Pfarrkirche erhob und einrichtete. Da-
her wird-diese genannte Pfarr- und Gottes-
ackerkirche seit der Reformation nur noch
zu Leichengottesdiensten verwendet. Diese
Richtbenützung als Pfarrkirche war für
den Bilderschatz, von welchem ihr Inneres
strahlte, nur vorteilhaft, eben deswegen
wurden keine Emporen eingezogen, keine
Fenster in die Wände eingebrochen, keine
baulichen Veränderungen notwendig, >o daß
drei Vierteile des einst vorhandenen Ge-
mäldereichtums der Zerstörung entgingen
und bis auf unsere Tage sich retteten.

Im Jahr 1440 war in dem Dorfe ein
Brand ansgebrochen, durch welchen ohne
Zweifel auch die Kirche zerstört oder stark
beschädigt wurde. Rur der Chor und der
ins Achteck übergehende Turin überlebten
die Zerstörung und wurden dein Neubau
der gotischen Kirche von 1550, welche jetzt
noch steht, eiuverleibt. Nur die Feuster-
maßwerke dieser Kirche sind ausgeschlagen,
wurden aber in neuerer Zeit durch neue
ersetzt.

Als Erbauer lind Stifter dieser
Kirche wird von Romig (St. Kilian in
Mundelsheim) wahrscheinlich vermutet:
Beruolt von Urbach (ch 1460) und
dessen Gemahlin: A il n a v o n B enin -
gen (ch >461), ivelche beide im Jahre 1450
„eine ewige Jahrzit und ein Begängnis",
d. h. eine Seelenmesse am Sterbetage
stifteten und ivelche beide in der Kirche
ihre letzte Ruhe gefunden haben. Die Gruft
ivar das Erbbegräbnis der Familie Ur-
bach. Haben sie ivohl auch die iienerbante
Kirche mit den herrlichen Wandgemälden
schmücken lassen? oder etwa der letzte Ur-
bacher: Theodorich v. Urbach (ch >476),
der ebenfalls in der Kirche seine letzte
Ruhestätte erhalten und hier der Aufer-
stehnng entgegenschlnulinert? denn in dieser
Zeit (1460—80) sind die Gemälde ent-
standen. Auf diese aufgeworfene Frage
ist wohl keine Antwort mit Sicherheit zu
geben, ebensowenig, wie ans jene nach
dem Künstler, welcher diese schönen go-
tischen Gestalten in ihrer Menge auf die
Wandflächen hinzauberte. Denn keinen
Namen kann uns bis jetzt die Geschichte
nennen, kein Zeichen in den bemalten
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