Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

Seite: 63
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rntuv und Kunst zu veranstalten. Die
Sammlung, deren 15 Abteilungen kein
noch so entlegenes Gebiet iin weiten Um-
kreise der Kultur und Kunst der deutschen
Vergangenheit unberücksichtigt lassen, soll
durch Geschenke, Leihgaben und Ankäufe
aus den Ueberschnssen der Gesellschafts-
kasse gebildet werden, ihre Benützung für
jedermann frei sein. Die Gesellschafts-
zwecke kann jedermann, wer nur immer
will, durch Beiträge oder Leistungen for-
dern ; als Mitglieder können alle deutschen
Staatsbürger ausgenommen werden".
Allein dem Unternehmen entstand eine ge-
waltige Opposition, hauptsächlich durch
einen Aufsatz in den „Blättern für lite-
rarische Unterhaltung" seitens des Ge-
lehrten und ehemaligen Negiernngsdirektors
Ritters v. Lang in Ansbach. Der Ein-
druck dieser Gegnerschaft war nicht zu ver-
wischen, und da sich auch in Nürnberg
selbst das Mißtrauen regte, gab Anfseß
vorerst seinen großen Plan ans und zog
seine Sannnlungen zurück und begab sich
wieder ans seine väterlichen Güter, aller-
dings seinen großen Plan niemals aus
den Augen verlierend. Auf der zweiten
Germanistenversammlung zu Lübeck 1847
erreichte er, daß eine Kommission von
drei Männern eine eingehende Beratung
über seine Pläne pflegte. Allein das Jahr
1848 verhinderte ein weiteres Vorgehen,
und erst die dritte Versammlung deutscher
Geschichts- und Altertumsforscher, die vom
16. bis 18. August 1852 unter dem Vor-
sitz des Punzen Johann, Herzogs zu
Sachsen, dem nachmaligen König, zu
Dresden gehalten nmrde, erweckte das
Germanische Museum zum Leben.

„Geboren war nun das Germanische
Museum, aber schwach und hilflos ist es
zur Welt gekommen", und es handelte sich
daher vor allem darum, demselben eine
feste Grundlage zu schaffen. Hans Frei-
herr von und zu Anfseß aber, der
Gründer und erste Vorstand der An-
stalt, arbeitete nun unermüdlich und eif-
rigst nach verschiedenen Richtungen hin an
der Befestigung und dem inneren Ausbau
seiner Schöpfung. Er begann alsbald mit
einer noch sorgfältigeren Durchbildung und
Ausgestaltung der Verfassung als der
Grundlage des Museums. Bis zum Zu-
sammentritt des provisorischen Gelehrten-

ausschusses, der im September 1853 ziem-
lich gleichzeitig mit der dritten Versamm-
lung der deutschen Geschichts- und Alter-
tumsforscher in Nürnberg tagte, hatte
Anfseß eine ganze Reihe tiefeinschneidender
neuer Bestimmungen, Grund- und Leit-
sätze, sowohl für den geschäftlichen wie für
den wissenschaftlichen Betrieb der Anstalt
mit den bisherigen Satzungen zusammen
in ein System gebracht, das nun im
wesentlichen und nur mit geringen Ab-
änderungen die Billigung der Versamm-
lung fand. Ans den Mitgliedern des
Kollegiums der 24 Beisitzer, das, wie er-
wähnt, nunmehr am 16. September 1853
gewissermaßen als Oberanssichtsbehörde
definitiv gewählt wurde, ward ein engerer
Ausschuß, der Lokalausschnß, gebildet, be-
stehend ans den am Sitze des Museums
wohnenden Mitgliedern. Ein weiterer
Kreis, der Gelehrten aus schuß, sollte
bestehen „ans einer unbestimmten Zahl von
Männern der Wissenschaft und Kunst,
welche die Aufgabe haben, soweit es in
ihrer Zeit und in ihren Kräften liegt, zur
Förderung der wissenschaftlichen und artisti-
schen Zwecke des Museums beizutragen.
Die Mitglieder dieses Ausschusses müssen
daher für irgend eines der verschiedenen
Fächer der Wissenschaft oder Kunst des
Museums ihre Mitwirkung Zusagen". Zu
diesen ersten Ehrenmitgliedern gehörten
unter andern Alexander von Humboldt,
Jakob Grimm, Wilhelm Wackernage!,
Dahlmann, Geisebrecht, Heinrich Leo,
Simrock, Döllinger n. s. w. Auch nach
der letzten Statutenänderung oder richtiger
nach der Neuorganisation des Museums
im Jahre 1894 besteht der Gelehrten-
ausschnß neben dem VerwaltnngSausschnß
noch zu Recht, nur daß etwa seit 1880
keine Neuwahlen mehr vorgenommen worden
sind und der Gelehrteuausschuß auch nicht
mehr zu Beratungen zusanunentritt.

Die neuaufgestcllte Geschäftsordnung sah
aber außer dem Leiter der Anstalt, Frei-
herrn von Anfseß, auch einen Vizevor-
stand vor, den Rektor der Gewerbeschule
zu Fürth, llr. Beug, ferner eine ganze
Anzahl von Stellen für wissenschaftlich
oder künstlerisch gebildete Beamte, für
Verwaltungs- und Snbalternbeamte, die
auch sogleich ihre Besetzung gefunden hatten.
Zn diesen ersten Mitarbeitern des Frei-
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