Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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Ausführung des Hauptteils Thomas de
Cormout folgte, hat nicht nur die weiteste
und geräumigste der französischen Basi-
liken geschaffen, sondern geradezu ein für
die gotische Kunst in ihrer ganzen Fülle
unb Vollendung typisches und exempla-
risches Werk. Sie ist aus derselben Be-
wegung des künstlerischen und religiösen
Enthusiasmus entstanden, der die Kathe-
dralen von Reims, Laon, Rouen, Paris,
Nvurges n. a. aus der Erde hervorrief.
ES wundert uns bei eingehender Ae-
trachtnng iminer mehr, daß trotz der
langen Zeit des Baus, wobei z. B. die
Fassade dem. Schiff um einige Jahrzehnte
gefolgt fein mag, während wohl die
Details der großen Rose erst zwei Jahr-
hunderte später hinzugefügt sind, doch
das Ganze von einer wunderbaren Rein-
heit und Harmonie beherrscht ist.

Ein künstlerischer Genuß ohnegleichen
ist es, sich einige Augenblicke den Ein-
drücken hinzugeben, die uns eine sorg-
fältige Betrachtung liefert! Die F as s a d e,
vor der wir uns ansstellen, hat ja nicht
das Renommee der von Reims, und trotz-
dem steht sie m. E. über ihr durch die
Kühnheit ihrer Ansicht und die Reinheit
der Ausführung.

(Fortsetzung folgt.)

Die Wandgemälde in 3t. Kilian
in Mundelsheim.

Non Z. X. Mayer, Pfarrer.

(Schluß.)

Das nächste siebente Bild stellt das
Ende Gailanas dar: sie wird vom
Teufel geholt. Im achten erscheint Adel-
helm dem ersten Bischof von Wnrzbnrg,
dem hl. Bnrchard (741 bis 753) und
zeigt ihm den Ort der Ueberreste von den
Märtyrern an. Im nennten und zehnten
Bild sehen wir die feierliche Erhebung der
Ueberbleibsel und ihre Beisetzung in Ge-
genwart mehrerer Bischöfe. — Zu dieser
reichen Bemalung des ganzen Chores
kommt noch ein kleines Bildchen über dem
östlichen Fenster: zwei Engel halten das
V e r o n i k a b i l d und vier Heilige n-
figuren in der Fensterleibnng des süd-
lichen Chorfensters; nämlich in der östlichen
Leibung die hl. Katharina und unter

ihr der hl. Apostel Andreas; an der
westlichen Leibung: die hl. Barbara
und unter ihr St. Jakobus, Figuren
in natürlicher Größe. In der Wölbung
darüber ist Blätterornament aufgemall.
Die Namen dieser Heiligen sind ange-
schrieben, ebenso sind Jnschriftbänder (oft
unleserlich) unter den Darstellungen der
Kilianslegende.

Auch auf der Stirnseite des halbrunden,
breiten (wohl alten) Chorbogens vor dem
spitzigen (späteren) Chorbogen sind ans
jeder Seite noch je zwei Reihen von Hei-
ligen erkennbar, eine dritte Reihe darunter
ist verdorben und daher unkenntlich.

Ist so der ganze Chor von Wandge-
mälden bedeckt — nur ein kleiner Bruch-
teil ist verdorben — so finden wir int
Schiff, das mit einem einfachen Holz-
plafond überdeckt ist, von oben bis auf
Mannshöhe die Wände einst übermalt und
erhalten bis auf zwei Reihen an der Nord-
wand. Beginnen wir die Betrachtung
links und rechts vom Chorbogen über den
einstigen Nebenaltären. Ans der Evan-
gelienseite ist ein gerade nicht oft vorkom-
mendes Gemälde angebracht: der Schntz-
m a n t e l M a r i ä oder M a r i a als Z u-
f l ncht der Sün der un d B eschü tzeri n
der Christenheit. Oben int Bilde ist
Gott Vater mit dem Schwert der Gerech-
tigkeit. Darunter steht Christus, der Auf-
erstandene, nur mit dem Lendentuch be-
kleidet und von Jnschriftbändern umgeben,
vor ihm ist seine Mutter dargestellt mit
einem hellblauen Schutzmantel, unter wel-
chem die Christen oder Sünder als kleine
Figuren Schutz gefunden und durch Maria
Gnade erlangen, welche für Maria in
dieser Eigenschaft die Attribute oder Sym-
bole sind (cf. zwei Skulpturen in der
Lorenzkapelle in Rottmeil: Nr. 50 und 157
im „Verzeichnis der altdeutschen Schnitz-
werke und Malereien der Lorenzkapelle").

Eine ähnliche Darstellung von Hans
Schänffelin findet sich auf der Außen-
seite der Flügel eines Altarschreines in
Heilsbronn. Waagen sagt von demselben:
„Es ist eine in dieser Zeit seltene Dar-
stellung und von eigentümlicher Erfindung.
Marin schirmt mit ihrem vorgehaltenen
Mantel den Papst, den Kaiser, Kardinäle
und Fürsten und bittet bei Christus für,
der auch das Schwert des Zornes, so
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