Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

Seite: 76
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Autor wurde, dis 67 Seiten seiner Monographie
mit der Beschreibung und Würdigung Witten-
berger Kunst auszufüllen. Da erhalten wir
ausführlichen Aufschluß über Abenteuer einzelner
Reformatoren, über die dem Dr. Martinus vom
Wittenberger Rat bezahlten Weinrechnungen und
über den Geld- und Silberwert in der Refor-
mationszeit; p. 28 erfahren wir aus einer kunst-
reich angelegten Tabelle, was Pfeffer, Reis,
Schöpsenfleisch, Samt rc. nach damaligem und
heutigem Geld kosten, p. 29 und 30 wird um-
ständlich berechnet, daß Luther in seinem Hoch-
zeitsjahr 330 Flaschen Wein aus dem Ratskeller
bezogen hat u. s. w. Von p. 17—38 findet sich
kaum eine Andeutung, die auf Kunst irgendwie
Bezug hat.

Die große Sympathie für Luther und sein
Werk, die wir bei dem Protestanten Gurlitt wohl
begreiflich finden, hätte ihn jedoch nicht dazu ver-
leiten sollen mit Ungerechtigkeit, und ohne jode
nähere Sachkenntnis über Katholisches zu urteilen.
Die Bemerkung über katholischen Reliquienkult
ist in der Stadt der Lutherreliquien ganz unan-
gebracht. Der Kuriosität halber und um zu zeigen,
was man alles in ein Bild hineinsetze» kann,
seien zwei Urteile Muthers und Gurlitts neben-
einandergestellt. Muther schreibt in seinem
„Kranach" über die Lutherbildnisse dieses Meisters
x. 8: „Ein Interpret geistiger Größe ist Kranach
nicht gewesen. . . . Wecken die Lutherbildnisse
(Kranachs) einen anderen Gedanken, als den an
den Doktor Luther, von dom die Studenten in
Auerbachs Keller singen?" Gurlitt dagegen ur-
teilt über die nämliche Darstellung p. 16: „Es
ist eine kernige, eckige deutsche Erscheinung
ein starkes Ich, mächtig als solches, .... auf
sich gestellt und nur sich und seinein Gott ver-
antivortlich und dem Geist, der in ihm lebt, dem
Geist der Größe und Wahrheit" rc. rc.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus müssen
wir die Publikation Gurlitts als eine ganz ver-
unglückte Arbeit bezeichnen.

Buchloe. Dr. Johannes Damrich.

Dictionnaire d’Arclieologie chretienne
et de liturgie publie par le R. P.
dom Fernand Cabrol, benedictin de
Solesmes, prieur de Farnborough
(Angleterre), avec le coucours d’un
grand nombre decollaborateurs. fase.
I. A. M. Accusations contre les
chretiens. Paris. Retouzey et Ane
1903.

Frankreich hat der Neuzeit die größten Pre-
diger und der literarischen Welt die Geschichts-
wissenschaft gegeben. Heute überrascht es uns
fast jeden Tag mit einer neuen Hiobsbotschaft.
Wer die Geschichte kennt, sieht in letzteren noch
etwas mehr. Sie sind eine Prüfung. Und daß
man nicht alle Hoffnung verlieren darf, beweist
die literarische Rührigkeit der Franzosen, von der
wir eine Probe anzuzeigen haben. Der den
Archäologen bereits wohlbekannte !\ Cabrol hat
die mühsame, aber auch dankenswerte Aufgabe
übernommen, die mannigfachen Resultate zu sam-

meln, welche die intensive Beschäftigung mit den
monumentalen wie mit den literarischen Quellen
der Archäologie und der mit ihr eng verschwister-
ten Liturgie gewonnen hat. Ein Stab tüchtiger
Gelehrter teilt sich mit ihm in die Arbeit. Das
vorliegende erste Heft berechtigt zu schönen Hoff-
nungen. Was bisher bekannt und durch Martigny,
Kraus rc. festgolegt wurde, erfährt eine wesent-
liche Erweiterung und Bereicherung. Die Quellen
sind ausgiebig verwertet, die Fundorte und, wo
es notwendig ist, auch der Wortlaut der Beleg-
stellen genau angegeben. Die Darstellung ist
trotz des reichhaltigen Stoffs eine klare und über-
sichtliche, und eine Reihe gut gewählter und dem
heutigen Stand der Technik entsprechender Illu-
strationen erleichtert das Verständnis, ermöglicht
eine Nachprüfung und regt zur Weiterarbeit an.
Daß der Begriff Archäologie sehr weit gefaßt ist,
mag der im ersten Heft fast 21 Seiten umfas-
sende, aber noch nicht vollendete Artikel über
accousations contre les chretiens, oder der über
l’accent dans ses rapports avec le plain chant

mit mehr als 20 Spalten bekunden. Die Leser
des „Archivs" werden sich besonders für die
Nebeneinanderstellung der Abbildungen der Klöster
Tcbessa, Saint Niquier und St. Gallen interes-
sieren. Auch die weitgehende Berücksichtigung
der Liturgie ist freudig zu begrüßen und ent-
spricht einem dringenden Bedürfnis. Mögeit die
übrigen Lieferungen sich aus der Höhe der ersten
halten, dann sind wir sicher, daß die Publikation
für die Wissenschaft einen wesentlichen Fortschritt
bedeutet. Wir wünschen dem monumentalen
Werk von Herzen recht viele Abnehmer und
möchten die Anschaffung namentlich den besser
situierten Landkapiteln empfehlen. Der Preis
pro Heft (160 Qunrtseiten a 2 Kolumnen) be-
trägt 5 Franken und ist namentlich mit Rück-
sicht auf die reichen tmd gelungenen Illustratio-
nen ein mäßiger zu nennen.

Geislingen. I. Rohr.

Annonce».

Soebeit ist in der Hrrdrrschen Verlags-
Handlung zu Frriburg im Breisgan er-
schienen und durch alle Buchhandlungen zu
beziehen:

Dev alte A

dessen Kenntnis und Würdigung von Frist
Geige». E r st e r T e i l. 13. und 14. Jahr-
hundert.

Lieferung 2. Fol. (S. 65—32 mit 143
Abbildungen und 2 farbigen Tafeln) M. 5.— .

Das vorliegende Werk wird fünf Liefe-
rungen zum Preise von je M. 5.— umfassen
und im Saufe von zwei bis drei Jahren voll-
ständig erscheinen. Dasselbe wird neben 360
bis 100 Textabbildungen 8 Tafeln in Farben-
druck enthalten.

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Ein Bei-
trag zu

kstezu eine Knnstbeilage:
Die Kathedrale von Amiens.

Stuttgart, Buchdrucker» der Akt.-Ees. „Deutsche? Volksblatt".
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