Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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t)cra»sgegebe>i und redigiert von jdsarrer Dctzcl in St. Lhristiua-Raoeiisbiirg.

Verlag des Rotteubnrger Diözesciu-Kuiistvereins;
Aoinmifsiousverlcia der Dorusche» Buchhandlung (Friede. Alber) in Ravensburg.

Or. io

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.— durch die ivnrltembergischen, M. 2.20
durch die bayerischen und die Reichspostanstalten, Kronen 2.54 in Oesterreich, Fres. I.40 in
der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von allen Buchhandlungen
♦ sowie gegen Einsendung des Betrags direkt von der Dornschen Verlagsbuchhandlung in
Ravensburg (Württemberg) zum Preise von M. 2.05 halbjährlich.

I90Z.

Die^orm der Stigmata des bl. Franz
und ihre bildliche Darstellung.

Von Pfr. G. in A.

(Fortsetzung.)

Hierauf folgt eine energische Beteuerung
der Augeuzeugeuschast: »viclirnus istaqui
ista dicimus, manibus contrectavimus,
quod manibus exaramus* fMit eigenen
Angen haben wir diese Dinge gesehen,
die wir, so wie sie sind, nennen; wir
haben sie mit den Hiinden berührt, die diese
Worte niederschreiben! !s, d. h. die Hand,
die dies schreibt, hat die Male auch be-
rührt — tactisque sacrosanctis
quodsemel iuravimus, omni tempore
protestamur. sWas wir, die Hand auf
das Evangelinnc gelegt, ein- für allemal
beschworen haben, halten wir für allezeit
fest.) Dieser Bericht ist nach mehr als einer
Hinsicht interessant. Er scheint entschieden
polemisch zu sein, vor allem Leuten gegen-
über, welche an der Tatsache der Stig-
matisatiou überhaupt zweifelten. Das; cs
sülche gab, ist aus den alten Erzählern
bekannt. Zu den Zweiflern gehörte selbst
Gregor IX., bis er, nach dem Bericht
des Bonaveninra, über de miraculis
c I, 2, durch eilt Gesicht zur Ueberzen-
gung von deren Vorhandensein geführt
wurde. Gegen diese betont der Traktat
mit einer gewissen Energie und Leiden-
schaftlichkeit das »viclimus oculis«, das
»ontrectavimus manibus«. Eine zweite I
Spitze scheint gegen solche gerichtet zu
sein, welche die Wundmale als »clavorum
puncturas« auilaßten und somit wohl
den oben angeführten Ausdruck des Elias
»punctürae« als S t i ch w u u d e n — also

so wie die Heilandswunden — erklärten.
Ihnen wird entgegengehalten »non quasi
clavorutn puncturas, sed ipsos cla-
vos ex eins carne fabrefactos«
f„uicht gleichsam Nagelstiche, sondern eigent-
liche Nägel ans seinem Fleisch geschmiedet").

Endlich scheint der Verfasser als Zeuge
vor der Kanonisation des Heiligen tätig
gewesen zu sein. Daß diese durch ein-
gehende Untersuchungen eingeleitet wurde,
lehrt uns nicht nur Bonaventnra (Le-
genda maior c. 15, 7, wo von testes
idonei gesprochen wird, was sicher Thomas
von Celano sein konnte), sondern auch
dieser selbst in vita I pars 3 de canoni-
cazione, wo berichtet wird (Amoni p.238 s,),
daß zu Assisi und Perugia eingehende Ver-
handlungen stattfandc», bei denen Thomas
sicher als Zeuge vernommen wurde. Hier-
auf bezieht sich der oben gebrauchte Aus-
druck »tactis sacrosanctis quod
semel iuravimus, omni tempore pro-
testamur«. Er war also eidlich vernom-
men worden.

Weiterhin bringt der Traktat de mira-
culis die interessante Geschichte der Jacoba
de septem soliis, einer angesehenen römi-
schen Dame, die mit Franz anfs engste
befreundet war. Ans ihr seien nur die-
- jenigen Angaben erwähnt, die ans die
Stigmatisation ein iveiteres Licht werfen.

Es heißt n. 39.-- »solvit vclamen

ut videat revelatum (mortuum Uran
j ciscum) Quid plura?« Contemplatur
pretiosum illud vas, in quo et thesaurus
latuerat pretiosus, quinque m argar i t is
ornatum. Cernit illas quas sola Omni-
potentis manus toto orbe mirandas
fecerat caclaturas. — Omnes currunt
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