Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

Seite: 108
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mußten nur wühl folgerichtig auch in den
andern Tieren Tugenden synibolisiert sehen.
An und für sich wäre eine sulche Auffas-
sung allerdings nicht ohne weiteres znver-
iverfen, da ja einerseits die Tugenden
oft cmblematisch dargestellt.worden sind,
anderseits alle in Frage konnuenden Tiere
als Symbole oder Attribute von Tugenden
betrachtet werden können (Gerechtigkeit,
Hoffnung, Keuschheit, Liebe, Demut, Sanft-
mut). Allein es will eine solche Auffas-
sung doch nicht ganz befriedigen.. Des-
wegen sehen wir uns nach einer weiteren
sinnbildlichen Bedeutung des Elefanten
um und finden eine solche in den Legenden
des l 3. Jahrhunderts, wonach der Junge
werfende Elefant als Einblem der Neber-
tretung unserer Stammeltern betrachtet
ivurde.

Dürften wir annehmen, daß der Ele-
fant überhaupt diese allerdings rätsel-
hafte Bedeutung gehabt habe, dann wäre
sein Bild zum Teil die Voraussetzung für
die andern Bilder und würde sich gut in
den Nahmen des Ganzen einfügen lassen.

Die Medaillons 1 e, 1 f und 1 g bieten
keine Schwierigkeiten: ihre Gestalten (Peli-
kan, Taube, Lamm) wollen den Tod des
Herrn verkündigen und wohl auch auf
das süße Geheimnis der heiligen Eucharistie
anspielen, was wir hier nicht weiter anS-
zuführen brauchen.

Literatur.

I l l u st r i c r t e G e s ch i ch t e d e r d e u t s ch e n
Literatur von de» älteste» Zeiten bis
zur Gegemvart. Von Professor Dr. A n -
selm Salzer, München. Allgemeine
Verlags-Gesellschaft m. b. H.

Von diesem großen literarischen Unternehmen
sind bereits vier Lieferungen erschienen, die auf
den ersten Blick zeigen, daß wir hier keine ge-
wöhnliche Literaturgeschichte, sondern die Anlage
zu einem nationalen Hausbuche ersten Ranges
zu erwarten habe». Es sind auf diesem Wissens-
gebiete zwar schon eine Reihe wertvoller Arbeiten
erschienen und namentlich auch auf katholischer
Seite die beiden Hauptwerke von Lindemann und
Brugier weitverbreitet. Allein letzteres Werk,
bemerkt niit Recht das „Allgemeine Literatur-
blatt", ist ein für höhere Töchterschulen berechnetes,
liebenswürdiges Buch, verbunden mit einer
Anthologie — aber ernsteren wissenschaftlichen
Anforderungen nicht standhaltend; Lindemnnn
ist besonders seit den letzten Bearbeitungen durch
Seeber und Salzer in letzterer Hinsicht besser
geworden, tragt aber unverlierbar den Charakter

eines Lern- und Repetierbuches für Studenten;
was es daneben an katholischen Lilerntnrgeschichts-
bnchern gibt, ist ausschließlich zum Schulgebranch
berechnet. Es fehlte also noch ein Buch, das
eine von katholischer Gesinnung getragene, aber
nirgends einseilig tendenziöse Darstellung der
Geschichte der deutschen Literatur in einer Form
und einem bildlichen Gewände gibt, ivie sie den
höchsten Anforderungen zugleich der strengsten
Wissenschaftlichkeit ivie der vollendeten Schönheit
der Ausstattung entspricht. Eine solche in
modernem Sinne geschriebene Geschichte der
deutschen Literatur, die Lesbarkeit mit Wissen-
schaftlichkeit vereinte und die durch Beigabe
von Abbildungen das geschriebene Wort lebendig
machte, gab es überhaupt noch nicht. Hier ein-
zusetzen nun' ein glücklicher Gedanke und ivie die
fünf Lieferungen, die ivir in den Händen haben,
zeigen, ivird dieser Gedanke vorzüglich durchgeführt
— in Text und Illustration. Kein Wunder, daß
das Werk auch auf «katholischer Seite Aufsehen
erregt. „Zum erstenmal liegt hier ein Versuch
vor, schreibt die Münchner „Allgemein^ Zeitung",
die literarische Seite der Kultur als Streifen in
dem Spektrum der Gesamtkultur zu würdigen, und
dieser Versuch ist so beschaffen, daß auch sehr
hohe Erwartungen nicht enttäuscht sein iverdeu."
WaS wir aber in unserem Kunstorgan besonders
betonen möchten, das ist die Reichhaltigkeit und
Schönheit, mit welchen das Werk illustrativ auS-
gestattet wird, eine ivahrhnft glänzende Aus-
stattung, die man zu dem Besten zählen darf,
was die moderne Technik zu leisten vermag.
Es sind hier ganz neue Wege eingeschlagen: an
eine so reichhaltige, allseitige Heranziehung des
k u l t u r geschichtlichen Materials zurVerlebendignng
des Stoffes ist bisher noch in keiner Litcratur-
geschichlo auch nur gedacht worden. Das Werk
soll in 20 drei- bis viermöchentlichen Lieferungen
von je 2—3 Textbogen und 5—6 Beilagen, die
Lieferung zu 1 Mark, erscheinen. II.

L u d iv i g N i ch t e r - P o fl k a v 1 c». Serie I

Nr. 1—10 und II 11—30. Preis jeder

Serie 50 Pfennig. Verlag von Georg
Wigand in Leipzig.

Ludivig Richter, Maler, Zeichner und Radierer,
geb. 28. Sept. 1803 in Dresden, gest. daselbst
19. Juni 1884, ist einer der gemütvollsten deutschen
Künstler der Neuzeit. Anfangs Landschafter,
wandte er sich später besonders den Illustrationen
deutscher poetischer Werke zu, und schuf hier und
auch sonst eine Menge Darstellungen von hohem
Schönheitssinne, gepaart mit feinem Humor und
mit großer Tiefe des Gemütes. Er zeichnete
seine Illustrationen selbst auf den Holzstock und
trug dadurch zur Hebung des deutschen Holz-
schnittes wesentlich bei. Ilm die Nichtersche Kunst
gerade von ihrer gemütvollsten Seite kennen zu
lernen, leisten diese oben angezeigten Postkarten,
die zum 100jährigen Geburtslage des Meisters
erscheine», den trefflichsten und billigsten Dienst.
Wie stimmungsvoll, innig und lieblich sind
diese Familien- und Kinderscencn gezeichnet!
Der Farbendruck der Karten ist scharf, sauber
und gut. Detzel.

Stuttgart, Buchdruclerei der Akt.-Eos. „Deutsches VolkSblatt".
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